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Ein Regierungsberater für Außenpolitik

Neuer Mann auf LMU-Lehrstuhl für Politikwissenschaft / Sontheimer-Nachfolger Werner Weidenfeld

Von Christine Burtscheidt

14.07.1995 · Süddeutsche Zeitung


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Werner Weidenfeld (48) hat die Räume im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma Pfanni vor gut einer Woche bezogen. Mit rund 60 Mitarbeitern, 900 Kisten Fachliteratur und vier Millionen Mark Fördermitteln in der Tasche tritt der 48jährige Mainzer Professor die Nachfolge des international renommierten Wissenschaftlers Kurt Sontheimer auf dem Lehrstuhl für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität an. Über Nacht hat sich damit die Zahl an Dozenten, Assistenten und Hilfskräften am Geschwister-Scholl-Institut verdoppelt.

Der Umzug ging deshalb nicht völlig kritiklos über die Bühne. An der Münchner Universität hatte man Bedenken, durch das Institut im Institut könnten ungeahnte Kosten entstehen. Doch Gerüchte dieser Art entpuppten sich weitgehend als Luftblase. Die zusätzlichen Gelder, die vor allem benötigt werden, um für die Anmietung der Räume an der Grafinger Straße 2 aufzukommen, trägt der Freistaat bis zum 31. Juni 1996. Spätestens dann nämlich sollen Weidenfeld und sein Forschungsteam gemeinsam mit dem Geschwister-Scholl-Institut in die ehemaligen Räume von Radio Free Europe und Radio Liberty an der Oettingenstraße ziehen.

Nachdem die finanziellen Fragen weitgehend gelöst worden sind - offen ist noch, wer die Möbel in dem Übergangs-domizil bezahlt - stellte Anfang der Woche LMU-Prorektor Dieter Adam den Politologen und sein Institut der Presse vor. Der Vertreter der Hochschulleitung wertete Weidenfelds Tätigkeit als Gewinn für die Universität. Denn abgesehen von den hohen Drittmitteln, die der neue Mann mitbringt, soll er als Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl für die Europapolitik und als Koordinator der Bundes-regierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit beste Kontakte nach Bonn haben.

Bei der Vorstellung ließ Weidenfeld keinen Zweifel aufkommen, daß er und seine Mitarbeiter der drei Forschungsgruppen 'Europa', 'Jugend und Europa' sowie 'Deutschland' die Ärmel bereits hochkrempelt hätten: 'Seit wir hier die Räume bezogen haben, sind bereits vier Konferenzen abgehalten worden.' Zu dem künftigen Arbeits-stil an seinem Institut erklärte er: 'Wir halten immer Aus-schau nach zu lösenden aktuellen Problemen in Politik und Gesellschaft.'

In vier Arbeitsschritten will Weidenfeld dabei vorgehen: Erst die Probleme analytisch-wissenschaftlich unter die Lupe nehmen, dann mögliche Lösungsansätze vorschlagen, schließlich eine Handlungsstrategie entwickeln und zuletzt deren Umsetzung betreuen. Entscheidend sei auch, daß jede Gruppe ihre Ergebnisse schnell auf den Markt bringe.

Das Forschungsteam 'Europa' beschäftigt sich dabei unter der Leitung von Josef Janning mit Fragen der Fort-entwicklung der EU, der Beitrittsfähigkeit ost- und mittel-europäischer Länder, dem Verhältnis Europa und Amerika sowie Europas Kontakt zu seinen südlichen Nachbarländern. Thomas R. Henschels Gruppe 'Jugend und Europa' operiert als ein bundes- und europaweit tätiges Beratungszentrum für politische Bildungsarbeit. Sein Ziel ist es, Aufklärungs-arbeit bei Jugendlichen in Bereichen wie Jugendarbeits-losigkeit, Rassismus und Umwelt zu leisten. Karl-Rudolf Korte und seine Mitarbeiter der Gruppe 'Deutschland' ziehen derzeit eine erste Bilanz zu fünf Jahren deutscher Einheit.


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