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Aufstrebende Kräfte, Welt im Wandel

Vortrag von Professor Werner Weidenfeld an der Tongji-Universität in Shanghai

09.12.2008 · C·A·P


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Der rasante Aufstieg der so genannten emerging powers zu wirtschaftlichen Großmächten stellt das internationale System vor neue Herausforderungen. Denn immer noch spiegeln UNO, Weltbank und IWF weitgehend die Machtstrukturen der Nachkriegszeit wider. Die aufsteigenden Staaten fordern daher vermehrt diese Strukturen an die neuen ökonomischen Gegebenheiten anzupassen. Für das gegenwärtige internationale System würde dies tektonische Veränderungen bedeuten.

Die Konferenz "Emerging Powers and International System in Transition" am 6. und 7. Dezember 2008 an der renommierten Tongji-Universität in Shanghai, China, griff diese Diskussion auf. Hochrangige Teilnehmer aus den "emerging countries" und aus den führenden Wirtschaftsnationen suchten nach Wegen, wie die internationale Politik angesichts der absehbaren Machtverschiebungen gestaltet werden kann. C·A·P-Direktor Professor Werner Weidenfeld präsentierte den am Centrum für angewandte Politikforschung gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung konzipierten Transformation Index und illustrierte den strategischen Zusammenhang zwischen innerstaatlichen und internationalen Transformationen.

Weidenfeld analysierte die Situation in den in der G5-Gruppe organisierten Staaten - Brasilien, China, Indien, Mexiko und Südafrika. Trotz ihres rasanten Aufstieges steht jeder dieser Staaten vor spezifischen Herausforderungen. So hat China bisher über dem wirtschaftlichen Wachstum die Entwicklung der Menschenrechte vernachlässigt; in den südamerikanischen Ländern erwachsen aus den massiven sozialen Ungleichheiten interne Spannungen; Indien hat eine Reihe von Reformdefiziten bezüglich Rechtsstaatlichkeit und Wirtschaftspolitik zu lösen und Südafrikas drängendstes Problem ist die Ausbreitung des HI-Virus.

Angesichts ihrer noch nicht vollständig konsolidierten Entwicklungen, so Weidenfeld, sind diese Staaten gerade angesichts der globalen Rezession nur teilweise für die Lösung der vor ihnen liegenden Aufgaben gewappnet. Insofern bedeutet ihr Machtzuwachs auch eine Herausforderung für das internationale System. Professor Weidenfeld unterstrich, dass es zum schrittweisen Umbau der Weltordnung, zur Reform der wichtigsten Institutionen, keine Alternative gibt. Allerdings müsse ein Machtzuwachs der aufstrebenden Staaten auch mit der Übernahme von mehr Verantwortung bei der Gestaltung globaler Politik einhergehen.


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