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Wirtschaftsfaktor Toleranz – wie Unternehmen Fehler als Chance zur Óptimierung nutzen

Kolloquium mit Susanne Ulrich und Rupert Schmitt

Foto links: Rupert Schmitt, BMW, Abteilung Grundsatzfragen und Unternehmensqualität

17.01.2005 · Akademie Führung & Kompetenz


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Politik und Wirtschaft arbeiten bei zahlreichen Gelegenheiten eng zusammen. Doch können Politiker und Politikwissenschaftler auch von Wirtschaftsbossen und Ökonomen lernen und umgekehrt? Das dies möglich ist, bewiesen Susanne Ulrich von der Akademie Führung & Kompetenz des C·A·P und Rupert Schmitt von der der Abteilung Grundsatzfragen und Unternehmensqualität bei BMW, im Forschungskolloquium von Prof. Werner Weidenfeld.

Ausgangspunkt für die Suche nach den Schnittstellen zwischen den beiden Gesellschaftsbereichen war die von Schmitt aufgeworfene Frage, wie moderne Unternehmen Fehler als Chance zur Leistungsoptimierung nutzen. Gemeint sind im Fall von BMW damit zunächst natürlich Mängel am Produkt, die es schnellstmöglich zu beheben gilt. Die Komplexität und Schwierigkeit von Fehlerbehebungsprozessen sieht Schmitt in der Praxis vor allem darin, dass diese auf bestehende Organisationsprozesse aufgesetzt werden müssen. Voraussetzung dafür, dass dies funktioniert, sei die Toleranz gegenüber dem Fehler. "Erst wenn Fehler beheben Spass macht, ist der Fehlerbehebungsprozess ein Kernprozess des Unternehmens." Ein Vorbild hinsichtlich des reibungslosen Ineinandergreifens verschiedener Prozesse hat BMW dabei innerhalb der eigenen Unternehmensgruppe gefunden: Als "Studienobjekt" für vernetztes Handeln dient das Formel 1-Team des Automobilbauers, in dem Schmitt zufolge der Fehlerbehebungsprozess "mindestens so gut" sein muss wie die Entwicklung. Das Begreifen von Fehlern als Chance zur Verbesserung des Produkts macht den Erfolg eines Teams im Kleinen und eines Wirtschaftsbetriebes im Großen jedoch nicht allein aus. Ebenso wichtig ist nach Ansicht Schmitts der Übergang vom Management zur Führung. In der Führung – das heißt, nicht über den Prozessen zu stehen, sondern selbst Teil von ihnen zu sein – sieht Schmitt die Herausforderung der Zukunft liegen. Wie Susanne Ulrich, die sich im Rahmen der Akademie Führung & Kompetenz nicht mit Produkten, sondern Verhaltensweisen auseinandersetzt, betonte, bedeutet Führung immer auch, Verantwortung für das Jetzt und damit auch für Fehler zu übernehmen. Nicht die Fehler an sich müssten vermieden werden, sondern vielmehr die Fehlervertuschung. Schließlich gebe es kein Geschehen, dass nicht fehlerbehaftet ist. Die wesentliche Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft stellt letztlich jedoch das Konzept der Führung dar und nicht der Fehler, wobei in diesem Kontext die Frage aufgeworfen wurde, ob in der Politik aktuell nicht der Rückschritt zum bloßen Managen der Staatsgeschäfte droht. Wenn die Wirtschaft also das politikwissenschaftliche Konzept des Leadership studieren will, sollte die Politik dann nicht die Freude an der Fehlerbehebung für sich entdecken?


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