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Veröffentlichung: Die Graphic Novel „Drei Steine“ und pädagogische Begleitmaterialien

Präsentation am 20. Mai 2016 in Berlin

Am 20. Mai werden der Comicautor Nils Oskamp seine Graphic Novel „Drei Steine“ (Schulversion) und Dr. Britta Schellenberg das von ihr dazu entwickelte pädagogische Begleitmaterial mit der Amadeu Antionio Stiftung in Berlin vorstellen.

Die Website zur Graphic Novel:
www.dreisteine.com

11.05.2016 · C·A·P


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Über die Graphic Novel „Drei Steine“

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Worte wie „Nazi’’ und „Antisemitismus „ und „Rassismus“ finden sich normalerweise in Geschichtsbüchern — aber sie tauchen auch in der gerade erscheinenden Graphic Novel „Drei Steine“ von Nils Oskamp auf.

Die Graphic Novel Oskamps ist autobiographisch und stellt sein eigenes Überleben unter Neonazi-Gewalt dar, als er in Dortmund aufwuchs. Der Autor der Erzählung in Comicbildern ist sich sicher, sein Werk „erscheint jetzt zum richtigen Zeitpunkt.“ Rechtsradikale Kriminalität und Vorurteilskriminalität sind im vergangenen Jahr stark angestiegen, PEGIDA marschiert durch Dresden, aber auch durch andere Städte, während rechtspopulistische und fremdfeindliche Parteien europaweit an Unterstützung und Macht gewinnen.

In einer Anmerkung zum Text zitiert der Oskamp Zahlen von der Amadeu Antonio Stiftung und dem Opferfonds CURA, die zeigen, dass es nach dem Mauerfall beinahe 200 tödliche Übergriffe aufgrund von rechtsradikalen Motiven gibt. Er macht deutlich, dass „viele Seiten das nicht wahrhaben wollten“, was durch die „verpfuschten NSU-Ermittlungen“ inzwischen unzweideutig klar ist: Die Polizei ermittelt ideologisch rechte Morde und Übergriffe nicht immer professionell. Die tatsächlichen Motive hinter den NSU-Morden an 10 Menschen mit hauptsächlich türkischem Familienhintergrund zwischen 2000-2007 wurden nicht erkannt. Oskamp meint, die Schulen sind weiterhin ein Angelpunkt für rechtsextreme Rekrutierung, wobei Social-Media und Musik der rechten Szene heute darüber hinaus Vorschub leisten.

Obwohl diese Fakten und Statistiken alarmierend sind, bleibt der Autor hoffnungsvoll. Er glaubt, dass Medien wie seine Graphic Novel einen positiver Einfluss auf junge Menschen entfalten können. „Drei Steine“ bringt seine Leser zurück nach das Dortmund der 80er Jahre, wo sich die Zechen schlossen, die Wirtschaft schwächelte, und wo die damals aktive „Freiheitlich Deutsche Arbeitspartei“ (FAP) in den Schulen Nachwuchs rekrutierte. Die Plattform des FAP machte Juden und Ausländer verantwortlich für die Probleme der Gesellschaft. Sie verbreitete Hassparolen, was immer wieder in Gewaltakte mündete, bevor sie schließlich im Jahr 1995 verboten wurde.

Als sich der junge Oskamp gegen die Holocaustleugnung und damit gegen die Nazisympathisanten in der Schule äußerte, wurde er zum Ziel der unerbittlichen Gewalt und zweier Mordversuche, während seine Lehrer, die Polizei und seine eigene Familie wegschauten und seine Situation nicht Ernst nahmen. Heute sind die Holocaustleugner von damals immer noch aktiv in Dortmund.

Die eingängigen Comicbilder und der kurze, leserfreundliche Text bieten eine günstige Grundlage für die Thematisierung von Rechtsextremismus und Vorurteilsgewalt im Schulunterricht, so Dr. Britta Schellenberg, Senior Researcher am Centrum für angewandte Politikforschung (C·A·P) der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie hat für Schüler verschiedener Bildungshintergründe der Klassenstufe 8 bis 10 Zugänge und Materialien für dieses Thema entwickelt. Die pädagogischen Begleitmaterialien zur Graphick Novel umfassen drei Bau-Steine für den Schulunterricht:

  1. „Klären“ was rechtsextreme Ideologien sind,

  2. „Sensibilisieren“ für die Schicksale und Perspektiven der Betroffenen von Rechtsextremen und Diskriminierung, und

  3. „Handlungsfähig“ im Umgang mit Rechtsextremismus und Gewalt werden.

Wenn Schüler die Geschichte vom Oskamp lesen, werden sie in seine Gefühle, Gedanken und Schmerzen hineingezogen. Damit gelingt ein einzigartiger und bewegender Blick auf den Rechtsextremismus aus der Betroffenen-Perspektive. Durch die Begleitmaterialen werden sie auch mit schwierigen Fragen und Themen konfrontiert, unter anderen wie sie auf Intoleranz und Hass reagieren sollen und wie sie Opfer rechter Gewalt unterstützen können. Die Graphic Novel ist nicht nur für Schüler interessant, sondern für ein allgemeines Lesepublikum. Ihnen kann ermöglicht werden, das, was in den 1980er Jahren passiert ist, mit aktuellen Ereignissen und Themen zu vergleichen, wie zum Beispiel mit dem Wirken der „Nationaldemokratischen Partei Deutschlands“ (NPD) oder Debatten in der Flüchtlingskrise. Mit „Drei Steine“-Heft und den zusätzlichen pädagogischen Materialen üben die Schüler nicht nur vielfältige Kompetenzen von Kritik- und Urteilsfähigkeit bis hin zu soziale Kompetenzen wie Empathiefähigkeit und Konfliktlösungsstrategien ein. Vielmehr werden sie auch in die Lage versetzt die Frage zu beantworten: „Was können wir aus der nationalsozialistischen Vergangenheit und aus der Geschichte von Oskamp lernen, das uns heute helfen kann?“

Im Nachwort der Graphic Novel steht: "Jeder junge Mensch hat seinen eigenen freien Willen und kann selbst entscheiden, in welche Richtung er oder sie im Leben geht." Das ist natürlich wahr, aber hoffentlich werden „Drei Steine“ und die entsprechenden Lernmaterialien viele junge Menschen für ein Leben in Toleranz und Frieden einnehmen. Wenn das der Fall ist, erklärte Oskamp in einem Interview, „dann hat ‚Drei Steine’ schon einen Sinn.“

Kommende Veranstaltungen

Der Autor Nils Oskamp wird seine Graphic Novel „Drei Steine“ (Schulversion) und Dr. Britta Schellenberg das von ihr dazu entwickelte pädagogische Begleitmaterial am 20. Mai mit der Amadeu Antionio Stiftung in Berlin vorstellen. Sie finden ausführliche Information zur Veranstaltung unter http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/presse/termine/3-steine.

Die Buchpremiere der „Drei Steine“ findet am 12. Mai in Dortmund in der Steinwache, ehemaliges Gestapogefängnis und derzeitig Mahn- und Gedenkstädte, statt. Die Veranstaltung wird von einer Podiumsrunde mit dem Journalist David Schraven und dem Programmleiter der Amadeu Antonio Stiftung, Timo Reinfrank, begleitet. Schraven ist Gründer und Leiter des Recherchebüros CORRECT!V und Autor der Graphic Novel „Weiße Wölfe“, in der er sich mit den Dortmunder Neonazis der neuen Generation beschäftigt. Reinfrank ist Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung, zu der unter anderem die Internet Plattform Netz gegen Nazis gehört. Mehr Informationen zur  Buchpremiere können unter http://www.amadeu-antonio-stiftung.de/presse/termine/drei-steine-in-dortmund gefunden werden.

Nach diesem Auftakt wird die 160-seitige Graphic Novel „Drei Steine“ am 28. Juni im Panini Verlag im Hardcover erscheinen. Im Mai wird die Amadeu Antonio Stiftung die Graphic Novel als verkürzte, 96-seitige Softcover-Schulbuch-Ausgabe veröffentlichen. Diese Fassung kann über die Website www.dreisteine.com von Schulen bestellt werden. Dort stehen auch die Hintergrundinformationen und Unterrichtsmaterialien zum Runterladen zur Verfügung. Zu ihnen gehören u.a. Unterrichtsbögen/Arbeitsblätter, inklusive Comicbilder, Bilder von Neonazi-Stickern und Videoclips.

Über die Autorin des Artikels: Heather Painter ist am C·A·P Praktikantin im Rahmen des Parlamentarischen-Patenschafts Programm (PPP). Das Programm wird vom US-amerikanischen Kongress und dem deutschen Bundestag unterstützt, mit der Absicht die internationalen Beziehungen und das Verständnis zwischen den beiden Länder zu stärken.


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