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C·A·P Alumnitreffen 2012

„Wissen ist Macht - Potentiale und Grenzen von Politikberatung“ - Festschrift für Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld

30.07.2012 · C·A·P


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Die besondere Stimmung auf dem diesjährigen Alumnitreffen war mit Händen zu greifen und auch den Panelisten war die freudige Erwartung, auf das was da kommen wird, anzumerken. Nur so mancher Neu-Alumnus hatte anfangs wohl Schwierigkeiten, die Veranstaltung richtig einzuordnen. Die Übergabe der Festschrift an Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld war der emotionale Höhepunkt des Alumnitreffens.


Zuvor diskutierte ein traditionell hochkarätig besetztes Panel die Frage „Wissen ist Macht - Potentiale und Grenzen von Politikberatung“. Den Auftakt machte Prof. Dr. Gerd Langguth von der Universität Bonn, der selbst jahrelange Erfahrung als Bundestagsabgeordneter, Staatssekretär des Landes Berlin sowie als Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in der Bundesrepublik Deutschland vorweisen kann. Langguth kennt daher beide Seiten der Politikberatung. Durchaus kritisch setze er sich mit der Frage auseinander, ob Politiker überhaupt beratungsfähig seien. Für den ehemaligen Direktor der Bundeszentrale für politische Bildung stellt aber auch die Politikferne zahlreicher Berater sowie deren mangelndes Gefühl „für den richtigen Zeitpunkt“ ein gravierendes Problem dar. Hinzu kommt nach Langguths Sicht, die abnehmende Qualität der Beratung, die sich insbesondere in Form schlecht formulierter Papiere widerspiegelt.

Josef Janning, Director of Studies am European Policy Centre und zuvor stellvertretender Direktor am C·A·P, griff den Punkt der beratungsresistenten Politik auf. In Anlehnung an eine Publikation von Werner Weidenfeld stellte er die Frage, ob Politiker heute noch wissen wollen wie „Europa verfasst ist“. Janning verwies auch auf die „Experten-Kakophonie“, die seriöse Politikberatung erschwere, da es den Politikerinnen und Politikern kaum möglich sei, gute von schlechter Beratung zu unterscheiden.

Mit Dr. Peter Frey, dem Chefredakteur des ZDF, und Michael Garthe, in gleicher Position bei der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“, kamen dann zwei Journalisten zu Wort, die eine etwas andere Perspektive in die Diskussion einbrachten. Frey betonte ebenfalls den „Wettbewerb der Meinungen“, und die daraus resultierende Komplexität für die politischen Akteure. Das „Wichtigkeits-Gen“, das manche Berater, aber auch Journalisten, in sich tragen, sei einer sachdienlichen Beratung ebenfalls abträglich. Für beide Berufsgruppen sei zwar eine unmittelbare Nähe zur Politik geboten, allerdings dürften sich beide nicht von ihr „einwickeln lassen“. Michael Garthe setze einen etwas anderen Schwerpunkt, in dem er Journalismus als Transmissionsriemen zwischen Beratung und Politik definierte. Anders als früher seien heute die Übergänge beider Sphären aber fließend, was auch neue Anforderungen an die Politikberatung stelle. Seine Kritik an den Beratern machte er daran fest, dass diese gerade in der gegenwärtige Krise massiv an Glaubwürdigkeit verloren hätten. Als Beispiel dafür nannte Garthe die Wirtschaftswissenschaften und ihr Ansinnen alles „berechnen zu können“. Positiver bewertete er hingegen die Rolle der Sozialwissenschaften, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, politische Sachverhalte nicht nur zu analysieren, sondern sie auch zu interpretieren und mögliche Konsequenzen bestimmter Entscheidungen zu hinterfragen.

Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Direktor der NRW School of Governance und Lehrstuhlinhaber an der Universität Duisburg-Essen, lenkte die Diskussion anschließend auf einen Aspekt, der das Fach derzeit intensiv beschäftigt: Ist Wissen tatsächlich noch Macht? Nachdem „Wissen derzeit keine Krisen löst, ist es erforderlich, sich auch mit dem Nicht-Wissen auseinanderzusetzen.“ Politik ist heute zunehmend geprägt von Informationsunsicherheit, die vor allem auf die Komplexität vieler Sachverhalte sowie den zeitlichen Entscheidungsdruck zurückzuführen ist. Als einen Befund der zugespitzten These „Nicht-Wissen ist Macht“ thematisierte Korte die Bedeutung von Online-Medien als neue Kommunikationsform in der politischen Arena. Dies schmälert Expertise als Alleinstellungsmerkmal, da „jeder glaubt, alles schon zu wissen.“

Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld ging in seiner abschließenden Zusammenfassung besonders auf den Aspekt des Misstrauens der Politik gegenüber der Beratung ein. Die Ursache dafür liegt nach seiner Ansicht aber nicht nur in der gebotenen Grundskepsis politischer Akteure gegenüber externen Einflüssen, sondern auch in der von seinen Vorrednern bereits angeprangerten Qualität der Politikberatung. Eines der wesentlichen Kriterien für gute Politikberatung ist nach Weidenfeld die erforderliche „Situationsrationalität“. Erst dadurch entstünde, in Kombination mit fachlicher Expertise, die Grundlage für qualitativ hochwertige Politikberatung.


Gegen Ende der Diskussionsrunde machte sich zunehmend Unruhe unter den Panelisten und Teilen des Publikums breit. In aller Heimlichkeit hatte eine ganze Reihe Ehemaliger anlässlich des 65. Geburtstages von Prof. Weidenfeld eine Festschrift verfasst. Der Konzeptband „Angewandte Politikforschung“, herausgegeben von Dr. Manuela Glaab und Karl-Rudolf Korte, beschäftigt sich mit dem aktuellen Stand der angewandten Politikforschung in Deutschland und greift dabei theoretische Grundlagen und methodische Zugänge sowie zahlreiche Anwendungsbeispiele auf. Ziel des Bandes ist es, einen umfassenden Überblick über die wissenschaftliche Politikberatung zu geben, „um so die Konturen einer eigenständigen politikwissenschaftlichen Forschungsperspektive aufzuzeigen“. Damit wird ein Forschungsstrang diskutiert, an dessen Genese in Deutschland Prof. Weidenfeld und das C·A·P maßgeblich beteiligt waren.

„Angewandte Politikforschung“ ist im VS Verlag erschienen und ab sofort im Buchhandel erhältlich.





Karl-Rudolf Korte, Manuela Glaab (Hrsg.): Angewandte Politikforschung, Hardcover, 467 S., 11 Abb., 2 Tab., Springer VS, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-531-19671-8, Preis: 49,95 EUR.

PDF-Flyer mit Bestellschein


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