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Ist der Euro überlebensfähig?

Forschungskolloquium mit C·A·P–Fellow Dr. Martin Hüfner

15.07.2011 · C·A·P


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Im Jahr 2009 schienen die Maßnahmen gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise, nationale ebenso wie europäische, in etlichen Staaten bereits ihre Wirkung zu zeigen. Teilweise wurde sogar vermutet, die Talsohle sei durchschritten. Dann musste zunächst für Griechenland ein Euro-Rettungsschirm aufgespannt werden, unter dem nur wenige Monate später auch Irland Zuflucht suchte. Mittlerweile ist obendrein Portugal betroffen und mit Spanien und Italien sind zwei weitere Staaten von der Eurokrise bedroht.


Prof. Dr. Werner Weidenfeld und Dr. Martin Hüfner

In Dr. Martin Hüfner, ehemals Chefvolkswirt der HVB Group und gegenwärtig Berater für unterschiedliche Finanzdienstleister, hatten die Teilnehmer am C·A·P-Forschungskolloquium einen kompetenten Gesprächspartner für alle Fragen rund um die Eurokrise. Ausgangspunkt von Hüfners Impulsreferat war das Akzeptanzproblem des Euros in der öffentlichen Meinung. Der Euro werde schlechter geredet, als er eigentlich sei. Die Währungsunion ist vor allem ein politisches Projekt, wurde den Bürgern aber so nur unzureichend vermittelt. Ökonomisch sei eine gemeinsame Währung für den wirtschaftlichen Erfolg hingegen nicht notwendig. Gerade für die Global Player in den Mitgliedstaaten werde ohnehin China zunehmend wichtiger, wobei die Vorzüge einer europäischen Währung irrelevant sind. Hüfner, in der Anfangszeit der Währungsunion Vorsitzender des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Bundesverbandes Deutscher Banken sowie des Ausschusses der Chefvolkswirte der Europäischen Bankenvereinigung, erkennt darüber hinaus aber auch etliche strukturelle Probleme. Als Konstruktionsfehler der Euro-Einführung erkennt Hüfner dabei die gemeinhin als Lokomotivstrategie bezeichnete Annahme, dass eine gemeinsame Währung früher oder später zu mehr wirtschaftlicher Konvergenz führe. Trotz der hohen Stabilität und der weltweiten Akzeptanz des Euros erwies sich die Vermutung einer Annäherung der Konjunkturzyklen in der Euro-Zone als Trugschluss. Zudem fehle es der gemeinsamen Währung an einer politischen Klammer. Hüfner gibt sich insgesamt zuversichtlich, dass der Euro die gegenwärtige Krise meistern werde. Ohne eine stärkere politische Integration aber werde der schwach aufgestellte Währungsraum zusätzlichen zentrifugalen Kräften ausgesetzt sein und daher früher oder später auseinanderbrechen.


Prof. Dr. Werner Weidenfeld überreicht Dr. Martin Hüfner die neue Auflage von „Europa von A bis Z - Taschenbuch der europäischen Integration“

Die politische Union versteht Hüfner allerdings nicht als „Einheitsbrei aus Brüssel“. Unterschiede könne und dürfe es auch weiterhin geben. Erforderlich sei hingegen eine Entwicklung, die bereits vor der Währungsunion als Krönungsstrategie bezeichnet wurde, hin zu mehr Konvergenz in der Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten. Eine gemeinsame Währung, losgelöst vom politischen Willen zur Europäischen Einigung könne nicht funktionieren.

Zuversichtlich ist Martin Hüfner auch in Bezug auf die Lösung der Eurokrise. Einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wollte er aber nicht ausschließen. Eindrücklich warnt Hüfner aber insbesondere davor, dass nach der Krise die strukturellen Defizite der Währungsunion wieder in Vergessenheit gerieten. Möglicherweise ließe sich aber aus der Eurokrise auch genau das politische Moment generieren, um den gemeinsamen Währungsraum auf das richtige Fundament zu stellen und damit auch für die Zukunft überlebensfähig zu machen.


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