Europäische Integration
Ein Beitrag von Werner Weidenfeld in dem neuen Nomos-Band „Politikwissenschaft in Deutschland“
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Werner Weidenfeld: Europäische Integration, in: Gerlach/Jesse/Kneuer/Werz (Hrsg.): Politikwissenschaft in Deutschland, S. 459-480, Veröffentlichungen der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) Band 27, Nomos Verlag, 2010. |
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09.12.2010 ·
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Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte intensivierte sich die Forschung zum Themengebiet der europäischen Integration so stark, dass es bereits eine Herausforderung darstellt, die Grundlinien allein der deutschen Debatte zu systematisieren. Die Europäische Union deckt mittlerweile von der Rechts- über die Wirtschafts- und Währungs- bis hin zur Außenpolitik die große Bandbreite politischen Handelns ab. Darüber hinaus verbinden sich mit dem Begriff ‚Europa’ auch zahlreiche normative Erwartungen, deren Divergenz Konflikte hervorruft. Bereits in der Antike wurde die europäische Idee diskutiert, bevor sie bald zu einem in der ganzen damaligen Welt mit dem Begriff des christlichen Abendlands assoziierten Konzept wurde.1 Mit dem Beginn der Neuzeit hielt in Europa durch die Renaissance eine neue Perspektive Einzug, die letztendlich zur Aufklärung und Säkularisierung des Kontinents führte. Aufgrund seines technologischen Fortschritts brachte Europa sämtliche bis ins 20. Jahrhundert hinein dominierende Weltmächte hervor. Dem mittelalterlichen Imperium folgten global agierende Nationalstaaten, die auch gegeneinander um Einfluss konkurrierten. Die Heilige Allianz als erster Versuch einer institutionalisierten Friedensordnung scheiterte an den Machtverhältnissen. Erst unter dem Einfluss einer außerhalb der ‚alten Welt’ entstandenen Hegemonialmacht konnten sich die Europäer darauf verständigen, ihr konfliktträchtiges Gleichgewichtsdenken aufzugeben. Seither beschäftigt sich die Wissenschaft mit den Fragen, welche Triebkräfte für das erfolgreiche Projekt der europäischen Integration verantwortlich waren und in welche Richtung sich der geeinte Kontinent weiterentwickeln wird. An dieser Stelle werden zuerst die Entwicklungsschritte dargestellt, die die europäische Integrationsforschung in den letzten Jahrzehnten vollzogen hat. Dabei wird der auf diesem Forschungsgebiet außergewöhnlich hohen gegenseitigen Bedingtheit von empirischer und theoretischer Evolution besondere Aufmerksamkeit zukommen. Danach werden Kontroversen und Wandlungsprozesse in der Forschung aufgezeigt, bevor die ausländische Sicht auf die deutsche Forschung in den Vordergrund gestellt wird.
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