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Barack Obama in Berlin

Viel Gutes, nichts Neues

30.07.2008 · Position von Mirela Isic und Kristina Notz


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Die enorme Begeisterung über Barack Obamas Besuch in Berlin am 24. Juli 2008 hat viele beeindruckt. Über 200.000 Menschen kamen, um den Präsidentschaftskandidaten zu sehen, zu hören und zu feiern. Obama bot den Zuschauern eine intelligente und – vor dem Hintergrund der Erwartungen im Vorfeld – wenig pathetische Rede.

Stattdessen erinnerte er zu Beginn seiner Ansprache geschichtsträchtig an die Berliner Luftbrücke während der Blockade der Stadt vor 60 Jahren, die zum Symbol für die enge  Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA geworden ist. Er schlug dann den Bogen vom Mauerfall zu den heutigen Herausforderungen, die die globalisierte Welt mit sich bringt. Obama versprach den Europäern, gemeinsam mit ihnen eine neue transatlantische Brücke der Verständigung bauen zu wollen. Die Pfeiler dieser Brücke werden dabei die nach dem Ende des Kalten Krieges aufgekommenen Herausforderungen globaler Art sein, wie die Bekämpfung von Klimawandel, der Verbreitung von AIDS, von Atomwaffen und im Besonderen die Bekämpfung des internationalen Terrorismus.

Obama ließ keinen Zweifel, dass letzteres auch für seine Regierung eine Priorität in der US-Außenpolitik darstellen werde. Auch wenn keiner den Krieg wünsche, "die Arbeit muss getan werden", so Obama in seiner Rede. Er bekräftigte jedoch erwartungsgemäß sein Streben nach enger Zusammenarbeit und Verbundenheit, "ein Regierungswechsel in Washington wird uns nicht die Bürde nehmen, miteinander zu kooperieren und einander zu vertrauen". Damit gemeint ist wohl der Wunsch der Amerikaner, die Lastenverteilung im globalen Sicherheitssystem, insbesondere in Afghanistan, auf mehrere Schultern zu verteilen. Damit könnten sich zumindest mit Deutschland außenpolitische Differenzen abzeichnen, denn Angela Merkel deutete im Vorfeld des Besuchs an, dass Deutschland weiterhin keine Truppen in das umkämpfte Gebiet Südafghanistans aussenden werde. Auch wenn Obama in Berlin die konkrete Darlegung seiner außenpolitischen Vorstellungen vermied, ließ er die Deutschen und Europäer darüber im Klaren, dass Amerika keinen besseren Partner als Europa habe, die Europäer aber auch mehr Verantwortung zeigen und "bereit zum Opfer" sein müssten.

Staatsmännisch wirkend eröffnete der charismatische Kandidat der Demokraten den transatlantischen Partnern somit genug Projektionsfläche für potenzielle, intensivierte Kooperationsmöglichkeiten, durch die die langjährige transatlantische Partnerschaft erneuert werden solle. Insgesamt hat Obama in seiner Rede somit alle derzeit außenpolitisch relevanten Themen umrissen und dennoch inhaltlich nicht sehr viel mehr gesagt also zu erwarten war. Viel Gutes, aber nichts Neues. Angesichts seiner seit einigen Wochen zugespitzten Sicht zu einer Aufstockung der Truppen in Afghanistan wäre es zudem nicht verwunderlich, wenn die außenpolitische Ausrichtung der USA bei einem Wahlsieg Obamas eben nicht aus dem Stehgreif ins Gegenteil der Politik der Bush-Administration verkehrt.

Mit Sicherheit war Obamas Rede in Berlin eine hervorragend gesteuerte, mediale PR-Aktion, die nicht (nur) für die Deutschen und Europäer, sondern in erster Linie für die Wähler in den USA gedacht war. Der große Jubel und die Aufmerksamkeit für Obamas Besuch in Berlin, sowie sein Bad in der Menge nach seiner Rede brachten ihm optimal verwertbare Bilder für seinen medialen Wahlkampf in den USA.

Abseits der Rede zeigten also die Bilder die deutlichere Botschaft: Ohne Zweifel würde das Image der USA in weiten Teilen der Welt durch einen künftigen US-Präsident Obama deutlich aufpoliert werden. Ob damit die Wahl im November gewonnen werden kann, bleibt offen.

Obamas "Welttournee" sollte sein Ansehen außerhalb der USA stärken und gleichzeitig davon ablenken, dass sein Image im heimischen Wahlkampf mittlerweile auch Kratzer bekommen hat. Ob dies erfolgreich war, wird sich zeigen, denn die Auslandsreise hat dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten nur bedingt zu besseren Umfragewerten verholfen, die nach seiner Rückkehr in die USA erstmal nach unten gingen. Grund dafür könnte die Sorge der Amerikaner um Themen sein, die sie direkt betreffen, wie die Hypothekenkrise und oder die täglichen Berichte über gefallene US-Soldaten im Irak. Auch die stark gestiegenen Energiepreise und die sich ankündigende Rezession stellen als Top-Themen des Wahlkampfes die beiden Präsidentschaftskandidaten vor große Herausforderungen. Während Obama durch die Welt reiste, knüpfte sein Rivale John McCain dagegen an die Probleme im Landesinneren der USA an und betonte, sich zunächst um die amerikanischen Bürger kümmern zu wollen und erst als amerikanischer Präsident eine Rede in Berlin zu halten.

Obamas Wahlkampftour im Ausland hat eindrucksvolle Bilder, jedoch keine Lösungen für innenpolitische Herausforderungen des Landes geboten. Diese jedoch wird er aufzeigen müssen, um vor allem die unentschlossenen Wähler überzeugen zu können. Ohne diese ist die Präsidentschaftswahl nicht zu gewinnen.


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