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Zukunft der Musik – Zukunftsmusik

Workshop u.a. mit Maestro Zubin Mehta und Intendant Paul Müller am Centrum für angewandte Politikforschung

14.07.2012 · C·A·P


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Prof. Dr. Dr. hc Werner Weidenfeld (rechts) eröffnet mit Maestro Zubin Mehta und Intendant Paul Müller (links) den Workshop.

In Kooperation mit den Münchnern Philharmonikern fand am 3. Juli 2012, am Vorabend zum 100. Geburtstag von Sergiu Celibidache, unter Leitung von Prof. Dr. Dr. hc Werner Weidenfeld ein Strategiegespräch zur „Zukunft der Musik – Zukunftsmusik“ statt. Am Runden Tisch kamen hier auf Initiative von Intendant Paul Müller unterschiedliche Persönlichkeiten aus den Bereichen Musik, Wissenschaft, Wirtschaft,  Architektur, Design und Journalismus zusammen, um gemeinsam die Implikationen des demographischen Wandels und der damit einhergehenden Kulturparadigma zu diskutieren.

Maestro Zubin Mehta gab den intellektuellen Auftakt zu dem hochkarätigen Austausch, wobei er für ein Umdenken in der Subventionspolitik und kreative Wirtschaftskonzepte plädierte und kritisch hinterfragte, ob der klassischen Musik in der Tat ein Systemwechsel bevorstünde. Seine Äußerungen zogen sich als Leitmotive durch die weitere Diskussion.

Die nachfolgenden zwei Eingangsreferate fragten zudem danach, ob und wie klassische Musik vor dem Hintergrund des grundlegenden gesellschaftlichen Wandels künftig jungen Generationen essenzielle Orientierungshilfen geben könne. Prof. Peter Wippermann (Folkwang Universität der Künste Essen und Gründer des Trendbüro, Hamburg) analysierte am Beispiel der Kulturpolitik der Freien Hansestadt Hamburg das Vermarktungssystem klassischer Musik, welches zum einen das Orchester als Klangkörper mehr in den Vordergrund rücken, zum anderen die andere Art der Kultursehnsucht jugendlicher Zielgruppen mehr berücksichtigen müsste, um zukunftsfähig zu sein.


Prof. Armin Nassehi und Prof. Peter Wippermann

Prof. Armin Nassehi (LMU) stellte dar, dass mit dem Blick auf klassische Musik als Hochkultur in der heutigen postbürgerlichen Gesellschaft die entsprechenden bürgerlichen Kompetenzen wie zeitliche Ausdauer und Konzentration – insbesondere bei der jungen Generation - nicht mehr vorausgesetzt werden können. Vor diesem Hintergrund sei die Idee des Ästhetischen neu zu erfinden, damit Kunst als Überlebensstrategie eine gesamtgesellschaftliche Funktion übernehmen kann.

Ausgehend von diesen Ausführungen entspann sich im Weiteren eine sehr lebhafte und kontroverse Diskussion um die Zukunft der Musik. Nach Ansicht des Rockmusikers Leslie Mandoki sei dabei grundsätzlich wichtig, dass – gegenläufig zur heutigen elektronisierten Welt von Kindern und Jugendlichen - wieder ein „Hunger nach echter Musik“ geweckt werden müsse. Hierbei habe gerade die Rockmusik gesellschaftliche Relevanz. Denn viele, die in ihrer Jugend durch Rockmusik sozialisiert wurden, sind in späteren Jahren auch für klassische Musik zugänglich.


Leslie Mandoki, Rockmusiker (links) mit François Valentiny, Architekt (rechts) im Gespräch

Diskutiert wurde auch, wie sich die klassische Musik über neue ‚eventorientierte’ Aufführungsformen besser im Alltag verorten lassen könnte oder welche Möglichkeiten sich für Firmen und Konzerne, aber auch für den einzelnen Bürger zum aktiven Dialog mit der Musik eröffnen.

Zusammenfassend zeigte sich, dass der Workshop eine äußerst differenzierte und umfassende Sicht auf die Frage nach dem Stellenwert und den wirtschafts- und bildungspolitischen Rahmenbedingungen von Musikkultur in unserer alternden und sich wandelnden Gesellschaft ermöglicht hat. Prof. Dr. Dr. hc Werner Weidenfeld unterstrich abschließend die Notwendigkeit, dass sich ein kluger strategischer Zugang die gesellschaftliche Integrations- und Orientierungskraft von Musik durch innovative Konzepte und einer Öffnung der klassischen Musik für neue gesellschaftliche Räume zu nutze machen sollte.


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