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Gelebte Inklusion am Ammersee

Die Planspielreihe „Der Landtag sind wir“ zu Gast in der Bildungs- und Begegnungsstätte Wartaweil

28.03.2012 · Forschungsgruppe Jugend und Europa


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Im Rahmen des Projektes „MehrWert Demokratie - Demokratie (er)leben am Lernort Schullandheim“ verbrachten 40 Schülerinnen und Schüler - jeweils die 10. Klasse des Weilheim Gymnasiums sowie der Privaten Realschule der Ernst-Barlach-Schulen in München der Stiftung Pfennigparade - eine gemeinsame Woche im Schullandheim Wartaweil. Die Stiftung Pfennigparade ist ein Rehabilitationszentrum für körperlich behinderte Menschen, wobei der Stiftungsschwerpunkt auf Betreuung, Förderung und Bildung liegt.

Das Programm „MehrWert Demokratie“ geht auf eine Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, des Bayerischen Landtags sowie des Wertebündnisses Bayern zurück und umfasst eine Vielzahl weiterer Partner. Im Vordergrund des Programms steht das Verständnis, dass jeder aufgefordert ist, den demokratischen Staat im Rahmen der eigenen Möglichkeiten der Teilhabe mitzugestalten. Nur so können Volkssouveränität und Selbstbestimmung, die zentralen Merkmale der Demokratie, erfolgreich umgesetzt werden. Der Partizipation stehen aber oft unklare Vorstellungen vom politischen Prozess entgegen. Darum soll durch das Projekt „MehrWert Demokratie“ eine demokratische Werthaltung bei Kindern- und Jugendlichen gefördert und ihnen politische Bildung und Aufklärung geboten werden. Ziel der Woche in Wartaweil war es, behinderten und nicht behinderten Jugendlichen über ein gemeinsames Programm das gegenseitige Kennenlernen zu ermöglichen und sie zu einem Perspektivenwechsel und der kritischen Auseinandersetzung über Demokratie und Menschenbild anzuregen. Im Rahmen der Reihe „Der Landtag sind wir!“ des Bayerischen Landtags stand auch ein Planspiel zu Schulreformen in Bayern auf dem Programm.


Beratungen in einer „Fraktionssitzung“

Das Planspiel „Der Landtag sind wir“ in Wartaweil

Damit die Strukturen der demokratischen politischen Ordnung interaktiv nachvollzogen werden können, nahmen die insgesamt 40 Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Projekts „MehrWert Demokratie“ an der Planspielreihe „Der Landtag sind wir“ teil. Diese Reihe vermittelt die praktische Erfahrung, wie ein Gesetzesantrag im Bayerischen Landtag verhandelt wird. Dabei schlüpften die Schülerinnen und Schüler selbst in die Rolle eines bayerischen Landtagsabgeordneten, nachdem sie am Tag zuvor den Landtag besucht hatten.

Im Planspiel ging es dann um einen von der (fiktiven) eingebrachten Gesetzentwurf zur Schulreform. Dadurch, dass sich der Ablauf, die Rollenprofile und die Mehrheitsverhältnisse nach den realen Verhältnissen im Bayerischen Landtag richten, fühlten sich die Jugendlichen schnell wie „echte Landtagsabgeordnete“. Faszinierend war es für die meisten, echte Politik am eigenen Leib zu erfahren. Durch das gemeinsame Erlebnis konnte der Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern mit und ohne Förderbedarf positiv angeregt und die Integration beider Gruppen verstärkt werden. Für viele geriet das Planspiel damit zum Höhepunkt der Woche.


Diskussion in einer „Ausschusssitzung“

Schullandheim als Lernort der Integration

Der Lernort Schullandheim zeichnet sich über das alltägliche Zusammenleben der Jugendlichen als ein gutes Erfahrungs- und Übungsfeld für Inklusion aus. Dabei nimmt der Freistaat Bayern bei der Umsetzung der UN-Behindertenkonvention mit der Verabschiedung des reformierten Erziehungs- und Unterrichtsgesetzes vom 1. August 2011 eine Vorreiterrolle in Deutschland ein. Das Gesetz verankert unter anderem den inklusiven Unterricht als Aufgabe aller Schulen. Neben dieser gezielten Förderung der Schülerinnen und Schüler mit Behinderung bietet gerade eine gemeinsame Projektwoche im Schullandheim über die nicht-formalen Lernangebote und vielfältigen informellen Gelegenheiten intensivere Integrationsmöglichkeiten für die Jugendlichen.

Zum Autor

Erik Schlegel (Jg. 1987) hat das Planspiel vor Ort begleitet. Er studiert Master Politik in Europa an der TU-Chemnitz und absolviert vom 27. Februar bis zum 5. April ein sechswöchiges Praktikum bei der Forschungsgruppe Jugend und Europa am C·A·P.


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