Erasmus+ macht den Unterschied
Partnerschaftsfest München-Bordeaux
02.06.2026 · C·A·P
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Fotomontage: Eva Feldmann-Wojtachnia (C·A·P) und die Veranstalterin Mireille Schmich-Faurie, Initiative München-Bordeaux e.V.
Die Initiative München-Bordeaux e.V. hatte am 30.5.2026 zum deutsch-französischen Fest auf dem Bordeaux Platz zu einem abwechslungsreichen Programm geladen. Hierzu gehörte auch der Blick auf die lange, fast vierzigjährige Erfolgsgeschichte von Erasmus+, zu der Eva Feldmann-Wojtachnia, Leiterin der Forschungsgruppe Jugend und Europa am C·A·P, auf dem Podium sprach. Sie zeichnete den erfolgreichen Weg des Programms Erasmus+ von seinen Anfängen des Studentenaustauschs bis zu seinem jetzigen Umfang nach. Zudem unterstrich sie, dass in den aktuellen Verhandlungen der EU-Kommission zur Fortführung ab 2028 dem friedensstiftenden Charakter und der nachweislich demokratiefördernden Wirkung von Erasmus+ insbesondere im Programmsektor JUGEND mit einer ausreichenden finanziellen Ausstattung entsprochen werden muss.
Austausch und Verständigung in Europa
Wer hätte vor knapp 40 Jahren gedacht, welche Tragweite und welchen Erfolg die Verordnung 87/327/EWG vom Juni 1987 einmal haben würde? Mittlerweile ist seit 2014 aus dem einstigen Austausch für Studenten mit dem + im Namen des Programms ein umfangreiches Förderungsprogramm der EU geworden, das alle Bildungsbereiche - von der beruflichen Bildung, Erwachsenenbildung, Hochschulbildung, Schule, Jugend bis zum Sport -umfasst und somit alle Lerndimensionen, also die formale, nicht-formale und informelle Bildung, einschließt und fördert. Erasmus+ verfügt hierzu aktuell über ein Budget von über 26 Mrd. Euro für den Zeitraum 2021-2027. Seit knapp 40 Jahren verkörpert Erasmus wie kein anderes Programm der EU die gemeinsame europäische Idee. Es gilt als Aushängeschild für Austausch und Verständigung, das Resilienz und Demokratiebewusstsein in Europa stärkt. Gerade in den heutigen Zeiten von Krieg und zunehmenden Populismus ist dies wichtiger denn je.
Wie wirkt Erasmus+?
Das Programm hat mehr als 15 Mio. junge Menschen erreicht (2023). Aber wie wirkt das Programm? Heißt die Teilnahme am Programm automatisch, dass die europäischen Werte als solche geschätzt und gelebt werden? Studien zeigen: Wer einmal mitgemacht hat, den lässt die Erfahrung nicht mehr los. Allerdings braucht es hierfür Fachkräfte, die den Austausch pädagogisch begleiten und Projekte, die die Teilnehmenden gemeinsam entwickeln. Erasmus+ hat zum Ziel, allen jungen Menschen erfolgreich die Möglichkeit zu bieten, im Ausland zu studieren, zu lernen und dabei neue Erfahrungen zu machen. Erfahrungen, die erwiesenermaßen lange nachwirken und die Persönlichkeit prägen. Denn ins Ausland gehen, sich auf den Weg machen, zu reisen, heißt: sich zu öffnen für neue Menschen und andere Kulturen kennenlernen – und darin steckt auch immer etwas zu „lernen“.
Das C·A·P ist der deutsche Forschungspartner im RAY-Netzwerk, welches die Wirkungsweise der EU-Jugendprogramme wissenschaftlich begleitet. Die Zahlen aus der RAY-Begleitforschung der EU-Jugendprogramme (RAY DE 2023) sprechen für sich:
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Über 90 % der Teilnehmenden sind mit Erasmus+ Jugend zufrieden.
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87 % der Teilnehmenden geben an, bessere interkulturelle Kompetenzen entwickelt zu haben.
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78 % der Teilnehmenden berichten von einer gestärkten persönlichen Entwicklung.
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65 % der Teilnehmenden sehen eine Förderung ihrer aktiven Bürgerschaft.
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82 % der Fachkräfte der Jugendarbeit sehen eine positive Wirkung der Trainings auf ihre berufliche Praxis.
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85 % der Fachkräfte konnten ihre Netzwerke durch Erasmus+ deutlich erweitern.
Erasmus von Rotterdam
Der Vorname Erasmus kommt ursprünglich aus dem Griechischen und geht erásmios „liebenswürdig, begehrenswert" zurück. Der Namensgeber für das EU-Programm, Erasmus von Rotterdam (um 1467 bis 1536), war ein großer Freigeist und kritischer Denker. In den heutigen Zeiten von Fake News, Deep Fakes, Desinformation ein sehr passender Patron, er hätte sich sicherlich sehr kritisch damit auseinandergesetzt. Denn als Philologe, Philosoph und Theologe setzte er sich für die freie Meinungs- und Willensbildung ein. Er war das uneheliche Kind eines katholischen Priesters und seiner Haushälterin und wusste, was es heißt, ausgeschlossen zu sein und für die eigenen Rechte und Bildungschancen kämpfen zu müssen. Viele Karrieren waren ihm aufgrund seiner Herkunft verwehrt. Es heißt, Erasmus sei kein „Stubengelehrter" gewesen: in einem von Pest und Kriegen gebeutelten Europa war er als Gelehrter und Lernender Tausende von Kilometern unterwegs. Dabei spielten seine Sprachkenntnisse, insbesondere Latein eine Schlüsselrolle für Verständnis und Verständigung – auch das ist heute für junge Menschen eine Erfahrung, die sie am Programm Erasmus+ besonders schätzen: die Zusammenarbeit in Europa, sich kreativ und in einer anderen Sprache auszudrücken, dabei auch Empathie zu zeigen, Argumente zu entwickeln und kritisch zu denken.
Noch mal Erasmus...
Ein Zeitgenosse von Erasmus von Rotterdam war Erasmus Grasser, der mit München verbunden ist, und heute eine gewisse Rolle für den Austausch München-Bordeaux spielt. Er war Holzbildhauer und faszinierte durch die außergewöhnliche Ausdruckskraft, Dynamik und Vielfalt seiner Figuren – etwas, was auch heute beeindruckt und ganz im Geiste der europäischen Jugendprogramme gelesen werden kann. Denn kreative Ausdrucksformen, künstlerische Auseinandersetzung mit individueller Vielfalt und Handlungsorientierung sind die Kernelemente vieler Erasmus-Projekte Erasmus-Grasser-Gymnasium in München. Im März 2026 begaben sich Schülerinnen und Schüler auf einen Schulaustausch mit dem Lycée François Magendie in Bordeaux. Sie arbeiteten gemeinsam im Rahmen eines Erasmus+ Programms an einem Projekt zur nachhaltigen Stadtentwicklung in München und Bordeaux. Das dies für alle eine nachhaltige Lernerfahrung weit über den Schulalltag hinaus war, zeigt der eindrucksvolle Bericht, der den bezeichnenden Titel trägt „Zu Gast bei Freunden: Austausch mit Bordeaux“.
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