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Wie geht Demokratie?

STREIT/FÖRDERER in Zeiten von zunehmendem Populismus – Workshop in Zorneding

01.07.2026 · C·A·P




Auftakt zum Workshop „Streiten lernen!" am 25.6.2026 in Zorneding; Foto: C·A·P

Wie lässt sich für die Demokratie konstruktiv streiten? Am 25. Juni 2026 fand im Sitzungssaal des Rathauses der Gemeinde Zorneding auf Initiative der Integrationsbeauftragten Alexandra Smirnova hierzu ein Workshop statt. Eva Feldmann-Wojtachnia vermittelte den Bürgern und Bürgerinnen, wie sich Streiten in und für die Demokratie lernen lässt.

STREIT/FÖRDERER

Streiten, ein oftmals negativ konnotierter Begriff, wird im Projekt STREIT/FÖRDERER zu einer konstruktiven und unverzichtbaren Methode, um die Demokratie zu stärken und Populismus Paroli zu bieten. Denn Streit bietet Weiterentwicklung, Kreativität und stärkt die sozialen Beziehungen sowie den gesellschaftlichen Austausch. Das C·A·P engagiert sich bei der Konzeptentwicklung und Umsetzung der STREIT/FÖRDERER als wissenschaftlicher Partner im Projekt vom Wertebündnis Bayern, welches vom Netzwerk Politische Bildung Bayern geleitet wird. Im Rahmen dessen werden verschiedene Workshops und Vorträge angeboten, alle mit dem Ziel, eine demokratische Streitkultur zu stärken. Am 24. Juni 2026 stellte der Bayerische Rundfunk das Projekt im Rahmen des Beitrags „Wie geht Demokratie?“ als eine Station verschiedener demokratiefördernder Initiativen vor. Er begleitete Eva Feldmann-Wojtachnia bei einem Vortrag in Augsburg beim der Jahrestagung des Katholischen Deutschen Frauenbund der starken Frauen für eine starke Demokratie.

Konstruktives Streiten lernen

Zwei gesellschaftliche Tendenzen gefährden konstruktives Streiten: zum einen die Streitvermeidung, die Problemen aus dem Weg geht, und die Feindseligkeit gegenüber Andersdenkenden. Ein Kursteilnehmer bestätigt dies: „Streiten auf politischer Ebene funktioniert in letzter Zeit nicht besonders gut“. Der Workshop in Zorneding hatte zum Ziel, die Fähigkeit mitzugeben, die nötige Balance zwischen Offenheit und dem Setzen von Grenzen zu finden. Dabei sollten sich die Teilnehmenden drei essentielle Phasen eines konstruktiven Streitgesprächs bewusster machen: Verstehen, Verständnis und Einverständnis. Die Phase des Verstehens bezeichnet zunächst das kognitive Erfassen der Aussagen des Gegenübers. Verständnis bedeutet im zweiten Schritt das Nachvollziehen der Positionen des anderen. Schließlich ist zu prüfen, ob auch Einverständnis zur eigenen Position herrscht oder ob (und wie) über die Vermittlung beider Positionen nachgedacht werden muss, wenn es gilt, eine Lösung zu finden. Dies ist die am schwierigsten zu erreichende Phase, denn sie setzt sowohl eine grundsätzliche Zustimmung zu den Werten der gegenteilig inhaltlichen Positionen des Gegenübers voraus wie auch eine eigene klare Positionierung.

Als Diskussionsgrundlage diente beim Workshop in Zorneding ein aktueller Fall aus einem Seebad in Halle (Saale). Der Betreiber hatte dort angekündigt, künftig Personen ohne ausreichende Deutschkenntnisse den Zutritt zu verwehren. Damit löste er eine bundesweite Debatte aus, die von Fragen des Hausrechts und der Badesicherheit bis hin zu Diskriminierungs- und Rassismusvorwürfen reicht.

Beim Übungsstreit in Dreiergruppen übernahmen die Teilnehmenden die Rolle einer Person, die eine zustimmende Meinung mittels populistischer Argumente vertritt, eines Streit/Förderers, bemüht um eine konstruktive Auseinandersetzung und einer beobachtenden Person. Anschließend reflektierten die Teilnehmenden ihr eigenes Verhalten sowie den Verlauf des Gesprächs. So nahmen die Teilnehmer nicht nur theoretische Impulse aus dem Workshop mit, sondern auch praktische Diskussionserfahrung bei einem strittigen gesellschaftspolitischen Thema.

Streiten als Chance

Der Workshop und die Arbeit der STREIT/FÖRDERER machen deutlich, dass man gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung dem Streit keinesfalls aus dem Weg gehen sollte. Im Gegenteil, es lohnt sich die Auseinandersetzung. Damit kann Streit ein wichtiger Beitrag werden, um die Demokratie zu unterstützen und besser mit extremen Positionen umzugehen, ohne sich auf Grenzverschiebungen im Sagbaren einzulassen.


Eva Feldmann-Wojtachnia, Aleksandra Smirnova (v.l.n.r.). Foto: C·A·P

Der Workshop „Streiten lernen!“ war die Abschlussveranstaltung nach drei Filmeabenden zum Thema Rassismus. Organisiert wurden die Veranstaltungen von Aleksandra Smirnova, der Integrationsbeauftragten der Gemeinde Zorneding.

Beitrag des Bayerischen Rundfunks: Wie geht Demokratie?

Autorin: Ilaria Kreher, Studentin der Internationalen Beziehungen mit Schwerpunkt Politikwissenschaft am Global Studies Institute der Universität Genf, absolviert zurzeit ein Praktikum bei der Forschungsgruppe Jugend und Europa am C·A·P.

Weitere Informationen zum Projekt STREIT/FÖRDERER

https://www.streitfoerderer.de

Das C·A·P ist Partner der Stiftung Wertebündnis Bayern.