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5. Gesellschaft und Soziales

5.1. Die Sozialstruktur der türkischen Bevölkerung

Die Verhältnisse und Lebensbedingungen in den einzelnen Provinzen sind in hohem Maße diskrepant. Dies wirkt sich unmittelbar auf die Sozialstruktur der türkischen Bevölkerung aus. Grundsätzlich unterteilt sich die Türkei in die westlichen und die östlichen Provinzen. Dies fällt schon bei der Verteilung der Städte auf die verschiedenen Provinzen auf: Während in der südostanatolischen Provinz Kilis lediglich fünf Städte liegen, zählt die zentralanatolische Provinz Konya 206 Städte. Die ländliche Prägung des Ostens und die Migrationsbewegung in Richtung Westen wird auch an der Siedlungsdichte und den Bevölkerungszahlen erkennbar: In den westlichen Siedlungen leben im Vergleich zum Südosten beinahe doppelt so viele Menschen. Dies hat direkten Einfluss auf den Entwicklungstand und die sozialen Bedingungen in den unterschiedlichen Provinzen. Die ländlich geprägten, südostanatolischen Provinzen sind im Vergleich zu den städtischen Provinzen im Südwesten deutlich unterentwickelt und können Dienstleistung, wie Bildungseinrichtungen und Krankenhäuser, kaum in ausreichendem Maße anbieten.

Dieser interprovinziellen Diskrepanz entspricht auch das Verhältnis zwischen Stadt und Land. Industrie und Dienstleistungsgewerbe sowie die damit verbundenen Arbeitsplätze sind vornehmlich in städtischen Gebieten angesiedelt. Die Mechanisierung der Landwirtschaft und dadurch die sinkende Zahl der Arbeitsplätze in Agrarbetrieben verschärfen die Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Räumen zusätzlich, sodass der Lebensstandard in den Städten der Türkei um ein vielfaches höher ist als in den ländlichen Siedlungen.

Die städtische Bevölkerung ist stärker westlich geprägt, während auf dem Land eher traditionelle, meist religiös geprägte Wertvorstellungen und ein niedriges Bildungsniveau herrschen. Landflucht, besonders gen Westen, und zunehmende Verstädterung (Urbanisierungsrate: 62 Prozent) sind die Folgen dieser Entwicklung. Doch die Städte können der Flut an Landflüchtlingen nicht Herr werden. So genannte Gecekondu, „über Nacht gebaute“, spartanische Siedlungen an den Stadträndern, in denen sehr niedrige soziale Standards herrschen, gehören mittlerweile zum Stadtbild vieler türkischer Städte.

Die Regierung trägt dieser Entwicklung noch zu wenig Rechnung. Während die Hauptstädte der Provinzen von der Regierung in Ankara finanziell unterstützt werden, gehen die kleineren Siedlung und Dörfer auf dem Land beinahe leer aus.

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