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Mitten im Flug darf man nicht aussteigen

Ein Kommentar von Thomas Bauer zur Debatte um das Transportflugzeug A400M

12.03.2009 · Financial Times Deutschland


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Ein Abbruch des Programms für das Transportflugzeug A400M wäre fatal. Stattdessen müssen die Beteiligten stärker kooperieren.

Dass sich der A400M-Transporter noch vor seinem Erstflug in heftigen Turbulenzen befinden würde, war eigentlich von Beginn an zu erwarten. Das Projekt, mit dem die Europäer sich eine gewisse Autarkie beim strategischen Lufttransport erarbeiten wollen, ist in technischer, finanzieller und zeitlicher Hinsicht höchst ambitioniert. Arbeits- und Budgetpläne wurden mit heißer Nadel gestrickt. Doch die Kunden konnten bei der Stange gehalten werden – bis jetzt. Nun zeigen sich erste konkrete Hindernisse bei diesem Vorhaben, das zu den wichtigsten in der europäischen Rüstungskooperation gehört. Es gibt technischen Probleme bei der Triebwerksaufhängung und der Triebwerkssteuerung Zudem wurde bekannt, dass die Maschine deutlich schwerer wird als ursprünglich geplant.

Viele Kritiker verlangen bereits einen Abbruch des Programms und den Kauf alternativer, schon verfügbarer Modelle. Doch ein solcher Schritt wäre nicht nur unsinnig, sondern auch verantwortungslos.

Ein sofortiger Ausstieg aus dem Programm wäre fatal. Die Forschungs- und Entwicklungsgelder der letzten Jahrzehnte wären für immer verloren. Die Fähigkeit Europas, ein eigenes Transportflugzeug in dieser Größenklasse zu bauen, wäre auf lange Sicht dahin. Mit dem Rivalen USA ließe sich nicht mehr auf Augenhöhe konkurrieren.

Der Einsatz in Afghanistan hat die Notwendigkeit von mehr Transportvolumen und größerer Transportreichweite offenbart. Dies können die Hercules und die Transall nicht leisten. Andere Schauplätze wie im Irak oder in Afrika haben aber auch gezeigt, dass nicht immer mit gut ausgebauten und befestigten Start- und Landebahnen zu rechnen ist, weswegen auch die C-17 und die Il-76 an ihre Grenzen stoßen.

Doch selbst wenn man sich jetzt auf die Schnelle für die C-17 entschiede, würde sich in einigen Jahren die Frage eines Nachfolgers für Hercules und Transall stellen. Für diesen Fall verweisen Kritiker des A400M gerne auf die Antonow An-70, die seit Mitte der 90er-Jahre in Russland entwickelt wird. Doch selbst die russische Regierung ist aus dem Projekt ausgestiegen, da man die Maschine für ungeeignet, zu schwer und zu teuer hält.

Grundsätzlich gilt es nun, die Fehler beim A400M ehrlich anzugehen. Dabei darf man nicht nur auf die EADS-Spitze zeigen, die wohl über Jahre hinweg Warnungen hinsichtlich technischer Probleme aus den eigenen Reihen ignoriert hat – bis sie nicht mehr zu übersehen waren. Auch die Auftraggeber, also die europäischen Regierungen, müssen sich fragen lassen, ob sie nicht zur gegenwärtigen Schieflage beigetragen haben, indem sie auf nationale industriepolitische Interessen pochten und ihre Rüstungsmärkte abzuschotten versuchten.

Die EU-Kommission und die Europäische Verteidigungsagentur machen sich seit Jahren für mehr Transparenz in der Rüstungspolitik stark. Projekte wie der A400M offenbaren jedoch immer wieder das eigentliche Dilemma: Es mangelt an der Bereitschaft, nationale Statussymbole wie die Industrie für Verteidigungsgüter mit anderen zu teilen.

Für künftige Projekte muss eine neue Form der strategischen Kooperation entwickelt werden. Hierfür benötigt man Zeit, die gewiss nicht durch einen Ausstieg aus dem A400M-Programm gewonnen würde.

Der A400M ist sicher nicht die einfachste Lösung für den strategischen Lufttransport in Europa. Aber er ist bestimmt die vernünftigste.


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