C·A·P Home > Aktuell > Meldungen > 2010 > Roland-Berger-Preis für Helmut Kohl

Helmut Kohl erhält den mit 1 Mio. Euro dotierten "Roland Berger Preis für Menschenwürde 2010"

Werner Weidenfeld würdigt seine Leistung

19.02.2010 · C·A·P


< Vorige NewsNächste News >

Der mit 1 Mio. Euro dotierte renommierte "Roland Berger Preis für Menschenwürde 2010" wird an Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl verliehen.

Dies gab der Stifter und Vorsitzende des Kuratoriums der Roland Berger Stiftung, Prof. Dr. h.c. Roland Berger heute in Berlin bekannt. Bundespräsident Horst Köhler wird die Auszeichnung am Abend des 26. April bei einem Festakt in Berlin dem ehemaligen deutschen Bundeskanzler überreichen.

Helmut Kohl erhält diese hohe Auszeichnung "für sein historisches politisches Lebenswerk, das in der Vertiefung der europäischen Integration und in der Wiedervereinigung Deutschlands sowie dessen Eingliederung in das vereinigte Europa und das westliche Bündnissystem seinen Höhepunkt gefunden hat. Helmut Kohl vollendete die deutsche Einheit, als sich die historische Chance dazu bot. Damit wurde für die fast 17 Mio. deutschen Bürger des ehemaligen Unrechtsstaates DDR ein Leben in Freiheit und Menschenwürde Wirklichkeit. Auch sie stehen seither unter dem Schutz von Artikel 1 des deutschen Grundgesetzes: 'Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt'."

So die Begründung des Preisvergabekomitees der Roland Berger Stiftung. Dem Preisvergabekomitee gehören neben dem Stifter selbst an: Der Ex-UNO-Generalsekretär Kofi Annan, die beiden Nobelpreisträger Frau Dr. Shirin Ebadi und Prof. Muhammad Yunus, die Ärztin und Schauspielerin Dr. Maria Furtwängler, der ehemalige deutsche Außenminister und Vizekanzler Dr. h.c. Joschka Fischer, Staatssekretär a. D. Dr. Gert Haller, bis 2009 Chef des Bundespräsidialamtes.

Den promovierten Historiker Helmut Kohl, der am 3. April 2010 seinen 80. Geburtstag feiern wird, prägt seit jeher die tiefe Überzeugung, dass die Einheit Deutschlands eine europäische Integration erst bedingt. Das Unrechtsregime in einem Teil Deutschlands, in dem staatliche Willkür und systematische Unterdrückung zum Alltag gehörten, widersprach Kohls christlichem, freiheitlichem und demokratischem Grundverständnis zutiefst. Menschenrechte und Menschenwürde zu fördern und der Wille, Deutschland als verlässlichen Bündnispartner in der NATO und Europäischen Gemeinschaft zu verankern, begründet sein politisches Handeln. Letztlich hat die Vision eines einigen Europas den Kanzler der Einheit nach dem Mauerfall auch auf seinem Weg zur Vollendung der Einheit Deutschlands angetrieben: "Das einstimmige Votum des Preisvergabekomitees würdigt im 20. Jahr der deutschen Einheit auch die Leistung eines großen Europäers", sagte Roland Berger.

Der Politikwissenschaftler Prof. Werner Weidenfeld dazu: "Die welthistorische Umwälzung des Jahres 1989/90 hat viele Väter: Die Solidarnosz-Bewegung Polens als Stachel im kommunistischen Fleisch seit 1980; Michael Gorbatschows Reformen im Zeichen von Offenheit (Glasnost) und Umbau (Perestroika), die 1987 im sowjetischen Verzicht auf das Monopol der Wahrheit und damit konsequenterweise der Macht gipfelten; Ungarns Öffnung des Eisernen Vorhangs zu Österreich im Frühjahr 1989, der vielen DDR-Bürgern den Weg in die Freiheit ebnete; schließlich die Menschen der DDR, die im Herbst 1989 mutig und entschlossen die menschenverachtende Mauer zwischen Ost und West zum Einsturz brachten und das SED-Regime in die Knie zwangen. Helmut Kohl jedoch erkannte als erster Politiker die Größe und Chance dieses historischen Augenblicks.

Um sinnloses Blutvergießen zu vermeiden, setzte er nach dem Mauerfall zunächst auf die Vermeidung eines anarchistischen Chaos. Noch war unabsehbar, wie die Ost-Berliner Staatsführung, aber auch wie Moskau reagieren würde. Gleichzeitig wagte er mit seinem Zehn-Punkte-Plan vom 28. November 1989 als erster Politiker, die deutsche Einheit nicht nur zu erhoffen und zu erträumen, sondern ihre Verwirklichung auch praktisch, operativ in Angriff zu nehmen. Die Reaktion der Ostdeutschen auf seinen Besuch in Dresden am 19. Dezember 1989 überwältigte Helmut Kohl. Die Chöre 'Wir sind das Volk' und 'Wir sind ein Volk' bestätigten ihn. Ab jetzt agierte er strategisch zielgenau, handfest und praktisch auf die deutsche Einheit hin; eine Einheit, die keine Ängste vor einem neuen großen Deutschland schüren, sondern Deutschlands historische Verantwortung für eine friedliche und demokratische Welt zementieren sollte. Der 'Zwei-plus-Vier'-Prozess zur deutschen Einheit konnte auch deswegen erfolgreich geführt werden, weil das Deutschland Helmut Kohls internationales Vertrauen genoss. Der signalisierte Wille zur Vertiefung der europäischen Einheit, der Verzicht auf atomare, chemische und biologische Waffen und die Reduzierung der deutschen Streitkräfte waren Beleg der deutschen Verlässlichkeit.

Die Eigenerfahrungen in Kriegs- und Nachkriegszeit haben Helmut Kohl den Wert von Menschenwürde, Freiheit und Demokratie gelehrt. Und so war der 3. Oktober 1990 für ihn die Erfüllung nicht nur seines politischen Lebens. 'Für mich ist dieser Augenblick einer der glücklichsten in meinem Leben'.

Die Einheit stellt ein nationales Ereignis von weltpolitischer Bedeutung dar. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands war auch das Ende von Fremdherrschaft und Unterdrückung in den ehemaligen sowjetischen Satellitenstaaten unumkehrbar geworden. Das Ende des Ost-West-Konfliktes markierte den Beginn einer freiheitlicheren Welt. Bundeskanzler Helmut Kohl trug entscheidend dazu bei, dass die Menschen im Osten Deutschlands und Europas ihre Würde in Freiheit zurückerlangt haben." Soweit Werner Weidenfeld.

"Für diese einmalige historische und staatsmännische Leistung für die Durchsetzung von Menschenwürde und Menschenrechten für die Bürger Ostdeutschlands, aber auch weite Teile Osteuropas erhält Helmut Kohl den Roland Berger Preis für Menschenwürde 2010", so Roland Berger. Helmut Kohl wird das Preisgeld in voller Höhe im Sinne der Satzung und der Preisvergaberichtlinien der Roland Berger Stiftung zur Förderung von Menschenwürde und Menschenrechten einsetzen. Seine konkreten Pläne dazu wird Helmut Kohl bei der Preisverleihung am 26. April verkünden.

Der Roland Berger Preis für Menschenwürde wird 2010 zum dritten Mal vergeben. Er ehrt natürliche oder juristische Personen, die sich vorbildlich und erfolgreich um die Achtung, Förderung und den Schutz von Menschenwürde und Menschenrechten verdient gemacht haben und dies auch künftig tun werden. Preisträger der letzten Jahre waren die Kambodschanerin Somaly Mam, die sich gegen die sexuelle Versklavung von Kindern und jungen Frauen vor allem in Asien einsetzt. Die internationale Organisation "Reporter ohne Grenzen", weltweit engagiert für die Pressefreiheit und sie hochhaltende Journalisten und Medien, sowie die iranische Menschenrechtsaktivistin und Nobelpreisträgerin Dr. Shirin Ebadi sind weitere Preisträger.Die Roland Berger Stiftung ist eine rechtsfähige öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in München. Sie wurde von Prof. Dr. h.c. Roland Berger am 27. März 2008 gegründet. Die Roland Berger Stiftung ist mit einem Stiftungskapital von zunächst 50 Millionen Euro aus dem persönlichen Vermögen des Stifters dotiert und wird von einem Vorstand und einem Kuratorium geleitet.

Der Stiftungszweck widmet sich der Würde des Menschen: Zum einen wird jährlich der mit 1 Mio. Euro dotierte "Roland Berger Preis für Menschenwürde" verliehen, um Achtung, Förderung und Schutz der Menschenwürde und Menschenrechte weltweit zu befördern. Zum anderen zielen die Aktivitäten der Bildungsförderung darauf, begabten und engagierten jungen Menschen aus sozial benachteiligten Schichten durch hochwertige Ausbildung ein selbstbestimmtes Leben in Würde zu ermöglichen.

Weitere Informationen unter: www.rolandbergerstiftung.org


Webdesign EGENCY München