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360° Journalismus

Fabian Neuen berichtet über sein Projekt Fairobserver

12.12.2011 · C·A·P


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Die Medienlandschaft ist seit einiger Zeit dramatischen Umbrüchen unterworfen, wobei sich vor allem das Internet als treibende Kraft erweist. Damit geht einerseits eine Zunahme an medialen Angeboten einher, zu denken ist dabei beispielweise an die Vielzahl von Blogs oder neuen Online-Magazinen: „Nachrichten von Überall und von Jedermann.“ Auch die etablierten Medien, insbesondere auch der so genannte Qualitäts-Journalismus, musste auf das Internet als primären Zugangskanal reagieren, und dies nicht nur in Form von Online-Ausgaben, sondern immer öfter auch über Apps für Smartphones und Tablet-PCs. Eine weitere Entwicklung ist in der zunehmenden Verschmelzung von Nachrichten und Unterhaltung, dem Infotainment, zu erkennen. Letztlich ist auch ein Auseinanderdriften der Medienlandschaft entlang zweier Dimensionen zu erkennen: Zum einen bestehen massive Unterschiede in Tiefe und Breite der Berichterstattung, also eine Kluft zwischen einer umfassenden aber eher oberflächlichen und einer verengten aber fundierten Darstellung unterschiedlicher Themen. Zum anderen lässt sich die Medienlandschaft aufgrund ihrer territorialen Verortung differenzieren. Hierbei kann zwischen einer eher regionalen Verwurzelung, nicht nur in Bezug auf die Themen sondern auch hinsichtlich der kulturellen Perspektive, und einem globalen Anspruch unterschieden werden.


Fabian Neuen und Prof. Dr. Werner Weidenfeld

Für Fabian Neuen, einen der Gründer von Fairobserver, sind in diesem Kontext drei Schlussfolgerungen von besonderer Bedeutung: Zum einen die Einsicht, dass die Einseitigkeit der Berichterstattung, bedingt durch die regional geprägte kulturelle Brille, ein Vertrauensproblem aufwirft bzw. zu sehr unterschiedlichen Konnotationen der Darstellung führt. Als Beispiel hierfür nannte Neuen die kontroversen Berichte über die Nutzung von Geodaten durch Mobiltelefone im Sommer. Während in Deutschland und Europa vor allem die Gefahren für den Datenschutz im Vordergrund standen, fokussierten US-amerikanischen Medien eher auf die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten geospatialer Anwendungen. Zweitens sehen die Macher von Fairobserver die ereignisbezogene Berichterstattung „mit geringer Halbwertszeit“ als problematisch an. Viele Themen, die hohe öffentliche Aufmerksamkeit erwecken, verschwinden ebenso schnell wieder aus der Betrachtung, da sie von anderen „Events“ verdrängt werden. Damit verbunden sei aber drittens, ein Mangel an nachhaltiger Information verbunden. Während insbesondere bei tragischen Ereignissen zwar die Schlagzeilen bei den Lesern verfangen, werden die Hintergründe und Zusammenhänge zu oft gar nicht vermittelt oder schnell wieder vergessen.

Fabian Neuen, der bis vor kurzem noch im Management der Siemens AG tätig war, hat daher zusammen mit Atul Singh im August 2010 den Fairobserver ins Leben gerufen. Aus Sicht der Gründer sind „360° Analysen“ das wichtigste Instrument zur Beseitigung der Defizite in der gegenwärtigen medialen Berichterstattung. Das zentrale Element dabei sind mehrere Artikel, die einen Themenkomplex aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Neben einer redaktionellen Qualitätskontrolle sieht Neuen dafür auch die divergenten regionalen und kulturellen Hintergründe der Autoren als wesentlich an. Indem Experten aus verschiedenen Ländern und mit verschiedenen Professionen ein und dasselbe Thema bearbeiten, gewährleiste eine ganzheitliche Information, die so bislang nicht existiere.

Der Fairobserver befindet sich seit Mitte diesen Jahres in der „Beta Phase“ und damit noch ziemlich am Anfang seiner Entwicklung. Derzeit sind rund 250 Autoren für das Projekt aktiv. Neuen rechnet aber damit, dass diese Zahl in den kommenden Monaten noch deutlich gesteigert werden kann. Voraussetzung dafür ist, dass sich der Fairobserver bald auch selbst finanziell tragen kann. Das Positive dabei ist, dass auch in Zukunft die Inhalte für die Leser kostenlos bleiben werden.


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