Europa im Fokus
Hochkarätiger Diskurs mit Prof. Weidenfeld und Edmund Stoiber in Wolfratshausen
29.01.2026 · C·A·P

Foto v-l.n.r:: EU-Kreisvorsitzender Alexander Lippert, Prof. Werner Weidenfeld, Ministerpräsident a.D. Edmund Stoiber sowie der Bezirksvorsitzende der EU Oberbayern Walter Göbl
Zu einem besonderen politischen Abend lud die Europa-Union Bad Tölz-Wolfratshausen in das Wirtshaus Flößerei ein. Als Hauptreferenten konnte der Kreisverband den renommierten Politikwissenschaftler und langjährigen Regierungsberater Prof. Werner Weidenfeld gewinnen. Unter den Gästen befand sich auch ein prominentes Mitglied des Verbandes: Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber ließ es sich nicht nehmen, der Veranstaltung in seinem Heimatort beizuwohnen und den europapolitischen Dialog persönlich zu unterstützen. Er stellte insbesondere die Leistungen des Kreisvorsitzenden Alexander Lippert heraus, der immer wieder interessante europäische Themen anbietet.
In seinem Vortrag schlug Prof. Weidenfeld einen weiten Bogen von den historischen Meilensteinen der Integration bis hin zu den aktuellen Krisen. Er erinnerte an schicksalhafte Momente, wie die von Konrad Adenauer gegen massive Widerstände durchgesetzte Wiederbewaffnung, die erst die Einbettung der Bundesrepublik in die NATO ermöglichte. Auch die Überwindung der „Eurosklerose“ in den 1980er Jahren thematisierte er: Damals gelang es dem Gespann aus Helmut Kohl, François Mitterrand und dem Strategen Jacques Delors, die europäische Integration trotz schwerer wirtschaftlicher Turbulenzen durch beherztes Zusammenwirken zu retten.
Mit Blick auf die Gegenwart konstatierte Weidenfeld, dass wir in einem „Zeitalter der Komplexität“ leben. Globalisierung, Digitalisierung und weltweite Vernetzung machten die Suche nach einfachen Lösungen für die multiplen Krisen unserer Zeit nahezu unmöglich. Sein Plädoyer für die Zukunft: Europa müsse mehr als nur wirtschaftliche Attraktivität („Soft Power“) bieten. Um global bestehen zu können, sei „Smart Power“ vonnöten – die kluge Verbindung von wirtschaftlichem Gewicht und militärischer Stärke („Hard Power“). Trotz aller Hürden zeigte sich Weidenfeld optimistisch, dass Europa gerade unter äußerem Druck zu schneller, pragmatischer Handlungsfähigkeit finde.
Stoiber warnt vor Erosion der Weltordnung
Edmund Stoiber ergänzte die Ausführungen durch persönliche Einschätzungen zur aktuellen geopolitischen Lage. Mit deutlichen Worten kritisierte er das erratische Gebaren von US-Präsident Trump, welches die bewährte, seit Ende des Zweiten Weltkriegs bestehende Weltordnung zutiefst erschüttert habe. Europa stehe heute mehr denn je in der Pflicht, seine Rolle in einer Welt, die zunehmend „kopfsteht“, neu zu definieren und zu festigen.
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