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Plenarsitzung im Klassenzimmer

Landtagsplanspiel in Kösching

Kösching (DK) Das Zentrum der Macht liegt in Kösching. Zumindest einen Vormittag lang. Denn dort lief gestern ein Planspiel des Landtages ab, bei dem rund 50 Realschüler zu Politikern wurden, Fraktion bildeten und abstimmen mussten – ganz nach dem Vorbild des Münchner Politikbetriebes.

23.11.2009 · donaukurier.de


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Dabei konnten die Zehntklässler eine Menge über die Arbeit und Aufgaben von Landtagsabgeordneten lernen. Zum Schluss der Plenarsitzung im Klassenzimmer stand MdL Eva Gottstein (Freie Wähler) den Schülern Rede und Antwort.

"Wer will denn Schriftführer sein", fragt der Ausschussvorsitzende in die Runde. Betretenes Schweigen. Für viele der Zehntklässler sind die Abläufe in Fraktionssitzungen und Ausschussdebatten noch Neuland. Schließlich übernimmt die 16-jährige Christin aus Kasing diese Rolle. Auf ihrem Namensschild steht jedoch Mandy von Hohenzollern. Das ist die Rolle, die sie als Politikerin für einen Vormittag übernehmen wird. Das Thema steht schon fest: Es soll um Videoüberwachung in Bayern gehen.

Beim Planspiel, veranstaltet von der Forschungsgruppe Jugend und Europa des Münchner Centrums für angewandte Politikforschung, wird diskutiert wie im echten Landtag. "Die Kosten für Anschaffung und Wartung von Überwachungskameras sind viel zu hoch", ruft die Sprecherin der SPD-Fraktion im Justizausschuss. "Außerdem wollen wir lieber mehr Polizisten, die auch eingreifen können, anstelle von Kameras." Die Mitschüler aus der CSU-Fraktion sehen das ganz anders: Sie wollen die Videoüberwachung durchboxen.

Nun muss abgestimmt werden. Die Schüler werden nach dem Zufallsprinzip in Fraktionen eingeteilt; deren Größe orientiert sich an der Wirklichkeit. Im Justizausschuss sitzt deshalb nur eine FDP-Politikerin, die von ihren Kollegen von der CSU überstimmt wird. "Hey, das ist ja unfair, die sind ja viel mehr", empört sich Christin. Doch so läuft das nun mal in der Politik – wer von vielen gewählt wurde, darf auch vieles entscheiden.

"Ich habe immer gedacht, die Politiker hocken bloß rum und hören sich beim Reden zu", sagt die 16-Jährige. "Dass das so viel Arbeit ist mit einem Gesetzesentwurf in der ersten und zweiten Lesung, hätte ich nicht gedacht."

Nachdem die Spielleiter der Forschungsgruppe Jugend und Europa den Schülern einen theoretischen Überblick über die Abläufe im Landtag gegeben hatten, geht es an die Praxis. Die Schülerfraktionen müssen zum Gesetztestext Stellung nehmen und miteinander verhandeln. "Es ist echt schwierig, die richtigen Argumente und Beispiele zu finden, um die anderen zu überzeugen", sagt Christin.

Zur politischen Arbeit gehören aber nicht nur Fraktionssitzungen, sondern auch Pressegespräche. Deswegen wird das Planspiel eigens von einer Schülerredaktion des "Köschinger Newspaper" begleitet. Mitarbeiter der Zeitung führen mit den Politikern Interviews, die auf einer Tafel im Lichthof der Schule veröffentlicht werden. "CSU kooperiert nicht mit Presse", ist dort zu lesen. "Bei der Pressarbeit ist die Arbeitsteilung das Wichtigste", weiß Parlamentsreporterin Julia Woisetschläger, "einer fotografiert, einer schreibt und die Jungs machen die Computerarbeit".

Arbeitsteilung ist auch für die Schülerpolitiker wichtig. Um das Gesetz zur Videoüberwachung doch noch zu kippen, hat sich die SPD-Fraktion nun mit den Grünen zusammengeschlossen. "Hört mal zu, liebe Genossen", ruft der Fraktionssprecher, "wenn wir zusammen noch die Freien Wähler überzeugen, dann haben wir mehr als 50 Prozent der Stimmen". Eine laute Diskussion beginnt, jeder will den anderen überzeugen. Aber die Freien Wähler wollen mit Rot-Grün nicht koalieren – und die FDP ist schon mit der CSU im Bunde. In der zweiten Lesung wird das Gesetz beschlossen. "Das Planspiel ermöglicht den Schülern einen Rollenwechsel. Sie können sich so mit den Politikern identifizieren", sagt Schulleiter Bernhard Buchhorn. Er hatte die Planspielleiter eingeladen, um den Sozialkundeunterricht für die Zehntklässler aufzulockern.

Im Anschluss an das Spiel erzählt die Landtagsabgeordnete Eva Gottstein von ihrer politischen Arbeit. "Auch im richtigen Landtag stimmen wir meistens geschlossen in Fraktion ab", so Gottstein. "Dabei ist jeder Abgeordnete aber nur seinem eigenen Gewissen verpflichtet."

In einer Fragestunde wollen die Schüler von Gottstein wissen, wie viel sie als Abgeordnete verdiene und ob sie einen Dienstwagen habe. Vielleicht liebäugelt der eine oder die andere ja jetzt mit einer Karriere in der Politik.

Von Jessica Schober


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