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Der politische Islam in Deutschland

Dr. Stefan Meining zu Gast am C·A·P-Forschungskolloquium

21.11.2011 · C·A·P


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Stefan Meining, Redakteur beim Bayerischen Fernsehen, sorgte im Frühjahr mit seinem Buch „Eine Moschee in Deutschland – Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam im Westen“ in der Fachwelt für viel Aufsehen. Darin zeichnet er die Entwicklungslinie von den islamischen Freiwilligenverbänden in der Wehrmacht bis zum heutigen politischen Islam in der Bundesrepublik nach. München, nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst die deutsche Stadt mit den meisten Muslimen, spielt bei der Herausbildung des organisierten Islam in Europa eine besondere Rolle.


Prof. Dr. Werner Weidenfeld und Stefan Meining

Bereits in den späten 1950er Jahren war in der bayerischen Landeshauptstadt, auch auf Betreiben staatlicher Akteure sowie amerikanischer Stellen, ein islamisches Zentrum und schließlich 1960 die Moscheebau-Kommission gegründet. Einer der bekanntesten Repräsentanten dieser Organisation war Said Ramadan, der außerdem zu den zentralen Figuren der Muslimbruderschaft zählte. Mit der Fertigstellung der Moschee in München-Freimann und der feierlichen Eröffnung des Islamischen Zentrums wurde die Gruppe endgültig zu einem Sammelbecken der islamischen Wehrmachtsfreiwilligen in Deutschland.

Entscheidend ist dabei, so Meining, dass dieses Zentrum und seine Ableger beste Verbindungen zur deutschen Politik hatte und daher die Vertretung islamischer Interessen in Deutschland ein Stück weit monopolisieren konnten. Für die Bundesregierung waren die guten Beziehungen zu den deutschen Muslimen vor allem eine Möglichkeit die junge Bundesrepublik als Staat zu etablieren, in dem die Religionsfreiheit groß geschrieben wird. Für die USA waren vor allem die russischen Exil-Muslime von Interesse, um im Kalten Krieg die Überlegenheit des westlichen Systems gegenüber der Sowjetunion zu belegen. Trotz einer gewissen Offenheit fehlte es den islamischen Zentren in dieser Zeit aber an Transparenz hinsichtlich der Ziele und Aktivitäten dieser Gruppen. So entwickelte sich beispielsweise um deutsche Moscheen zumeist ein unübersichtliches Geflecht an Vereinen und Organisationen, ohne dass von außen genau ersichtlich ist, wer welche Interessen verfolgt.

Einer der zentralen Befunde von Meinings Recherchen ist, das bis heute die gesellschaftspolitische Auseinandersetzung mit dem Islam in Deutschland kaum stattfindet. Während, spätestens seit dem 11. September 2001, der islamistische Terrorismus im Fokus steht, werden viele andere Probleme vernachlässigt. Als Beispiele hierfür nannte er etwa die Stellung der Frau oder die Meinungsfreiheit, wo der politische Islam doch erheblich von den Prinzipien einer westlichen Demokratie abweiche. Meining erkennt darin ein gewichtiges Problem, dem sich die deutsche Politik nun endlich stellen müsse.


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