Europäische Identität
Gekreuzte Blicke zur europäischen Identität. Deutsche und französische Positionen zum EU-Beitritt der Türkei.
| In Zusammenarbeit mit dem Cerfa am Institut français des relations internationales (Ifri) in Paris. |
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16.06.2005 · Forschungsgruppe Deutschland
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Im Verlauf der kontroversen Debatte um einen EU-Beitritt der Türkei ist zu beobachten, dass sich trotz gemeinsamer Traditionslinien die Perzeptionen und Perspektiven zur Zukunft Europas in Deutschland und Frankreich unterscheiden. Auch wenn in der Sache selbst von bestimmten Akteuren ähnliche Positionen vertreten werden, differieren doch die Begründungen. Dies verweist auf unterschiedliche Identitätsmuster, die in konkreten Entscheidungssituationen aktualisiert werden und politische Deutungsmacht entfalten.
Die Türkei-Debatte verrät viel über nationale Einstellungen und Zielvorstellungen zur Europäischen Union: Soll z.B. die Frage beantwortet werden, ob die Türkei "europäisch" ist, so muss zunächst definiert werden, was "europäisch sein" überhaupt bedeutet. Soll eine Einschätzung gegeben werden, ob sich ein Beitritt der Türkei positiv auf die weitere Entwicklung der EU auswirken würde, so muss man sich zunächst über das eigene Finalitätskonzept im Klaren sein, also darüber, wohin die Entwicklung der EU eigentlich gehen soll.
Die Antworten auf diese Fragen fallen in Deutschland und Frankreich offensichtlich unterschiedlich aus. Der Debattenverlauf in beiden Ländern ist nicht kompatibel: So wird etwa von den deutschen Befürwortern eines Beitritts die Möglichkeit einer "Brückenbildung" zum Islam genannt – ein Argument, das sich auf französischer Seite so nicht wieder findet, da Frankreich prinzipiell nur zur Aufnahme einer säkularisierten Türkei bereit ist. Von den französischen Gegnern wird als unbedingte Vorbedingung eines türkischen Beitritts die Anerkennung des armenischen Völkermordes von 1915 durch die Türkei verlangt – ein Argument, das in der deutschen Debatte eine eher periphere Rolle einnimmt.
Darüber hinaus gibt es auch innerhalb der beiden Länder keinen Konsens. Die Parteien sind gespalten; gesellschaftliche Gruppen diskutieren kontrovers; in beiden Ländern hat die aktuelle Regierung den Beginn der Beitrittsverhandlungen bejaht, obwohl sich ein Großteil der Öffentlichen Meinung gegen eine Mitgliedschaft der Türkei in der Union ausspricht.
Ziel des Forschungsvorhabens
Anhand der Türkei-Debatte soll untersucht werden, inwiefern nationale und europäische Identitätsmuster in Frankreich und Deutschland als außenpolitische Einflussfaktoren wirkkräftig werden.
Das Projekt soll einen Beitrag leisten:
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zur Debatte über die europäische Identität
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zum gegenseitigen Verständnis der deutschen und französischen Gesellschaften
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zum Zusammenhang zwischen Öffentlichkeit und internationaler Politik
Außerdem will die Studie dazu beitragen, die politisch hochsensible Frage des Türkei-Beitritts zu entemotionalisieren. Durch eine klare Reflexion der identitären, kulturellen und politischen Befindlichkeiten soll der Weg zu einer sachlichen Diskussion bereitet werden.
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News zu diesem Projekt
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Europapolitik im Widerspruch Die Kluft zwischen Regierenden und Regierten 11.04.2011 |
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Nationals Debates on Turkey's Accession - A Franco-German Perspective Ein Artikel von Claire Demesmay and Simone Weske 10.12.2007 |
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Konferenz zum EU-Beitritt der Türkei in Paris C·A·P-Expertin Simone Weske vergleicht Debatte in Frankreich, Deutschland und der Türkei 02.04.2007 |








