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Verteidigung des digitalen Raums

Statements von Prof. Dr. Werner Weidenfeld

23.10.2013 · Behörden Spiegel


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Auch die Sicherheitspolitik kommt allmählich im digitalen Zeitalter an: Staatlicherseits bereite man sich, so der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Werner Weidenfeld, "heute weniger auf den Einsatz von Atomwaffen, als auf den Einsatz von Cyber-Angriffen vor, um die eigene Infrastruktur zu schützen und um Strategien für den Ernstfall parat zu haben." (21.10.2013)

Die Austragung gewaltsamer zwischenstaatlicher Konflikte ist damit nicht mehr auf klassische militärische Waffensysteme begrenzt. "Wirkung im Ziel" kann mittlerweile auch durch Cyber-Attacken erreicht werden. Man denke z.B. nur an den Zusammenbruch der nationalen Stromversorgung.

Allerdings führten Staaten diese kriegerisch motivierten digitalen Angriffe auf andere Staaten in der Regel nicht selbst durch, sondern – so ein deutscher IT-Sicherheitsexperte – beauftragten damit "zivile" Hacker. Wie Ende vergangenen Monats bekannt wurde, will Großbritannien wohl von dieser Regel abweichen und eine eigene "Cyber-Truppe" aufstellen.

Richard A. Clarke, 2001 erster Sonderberater des US-Präsidenten für "Cyber Security", schätzte vor drei Jahren, dass bereits damals bis zu 30 verschiedene Staaten über offensive Netzkrieg-Einheiten verfügten, darunter Großmächte wie die USA, Russland und China, aber auch Mittelmächte wie Frankreich und Israel. Nun bekennt sich Großbritannien öffentlich dazu, im Konfliktfall seine Gegner auch im Internet angreifen zu wollen.

Dazu plant das Londoner Verteidigungsministerium, gemeinsam mit dem Geheimdienst GCHQ ("Government Communications Headquarters"), für umgerechnet 600 Millionen Euro eine eigene Cyber-Truppe auszurüsten. Die britischen Streitkräfte suchen deshalb Hunderte von zivilen Computerexperten zum Aufbau einer Cyber-Sondereinheit. Die neue Truppe werde das Militär zu "Gegenangriffen im Cyberspace" befähigen, so Premierminister David Cameron.

"Jahrelang haben wir eine Verteidigung aufgebaut, um uns vor diesen Cyber-Attacken zu schützen. Das ist nicht mehr genug", erklärte neulich Verteidigungsminister Philip Hammond. Mit einer digitalen Angriffsfähigkeit könne man jeden potenziellen Gegner "abschrecken". Versage diese Abschreckung, so stünden den Befehlshabern in zukünftigen Konflikten "Cyber-Waffen zusammen mit konventionellen Waffen" zur Verfügung.

Schon im Januar hatte der britische Parlamentsausschuss zur Kontrolle der Verteidigungsfähigkeit Alarm geschlagen. Wegen der Abhängigkeit der Streitkräfte von Informationstechnologien könnten diese durch einen Cyber-Angriff "fatal geschwächt" werden: Logistik, Befehlssysteme, Flottenaufstellung, alles bis hinab zur Zielerfassung beruft auf mit dem Internet verbundenen Systemen. Zivile Infrastrukturen sind noch anfälliger. Die Rekrutierung der britischen IT-Experten soll deshalb bereits in diesem Monat beginnen.


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