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US-Präsident Obama besucht Ground Zero in New York

Mit Statements von Michael Bauer

US-Präsident Obama reist zum Ground Zero. Die Fotos von der Leiche Bin Ladens werden nicht veröffentlicht. Die im Versteck des Terrorchefs sichergestellten Computer bewerten Ermittler als mögliche Goldgrube.

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05.05.2011 · Handelsblatt


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New York/WashingtonVier Tage nach der Tötung von Terroristenchef Osama bin Laden besucht US-Präsident Barack Obama am Donnerstag Ground Zero in New York.

Wo am 11. September 2001 Terroristen zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Center steuerten, will sich der Präsident mit Angehörigen der Opfer treffen und einen Kranz niederlegen.

Bin Laden gilt als Hauptdrahtzieher der Anschläge, bei denen allein in New York etwa 2600 Menschen ums Leben gekommen waren. Bei der Bekanntgabe des Todes Bin Ladens in der Nacht zum Montag hatte Obama die Hoffnung geäußert, dass die Familien der Opfer nun zumindest etwas Frieden finden könnten.

Das Weiße Haus wird die Fotos vom toten Bin Laden nicht freigeben. „Es ist uns sehr wichtig, dass sehr eindringliche Fotos von jemandem, der in den Kopf geschossen wurde, nicht zur Anstachelung weiterer Gewalt oder als Propaganda-Werkzeug im Umlauf sind“, sagte Obama in einem Interview des Senders CBS. Es gebe keinen Zweifel, dass Bin Laden tot sei. Auch Mitglieder des Terrornetzes Al-Kaida bezweifelten das nicht. Ob die Fotos veröffentlicht würden oder nicht, mache keinen Unterschied. Wer noch immer nicht vom Tod des Terroristenchefs überzeugt sei, werde auch nicht von Bildern umgestimmt, sagte Obama.

Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte, Obama sei der Meinung, dass eine Veröffentlichung Auslöser für Gewalt sein könne - was der Präsident nicht wolle. Auch könne ein Foto als missbraucht werden. Skeptiker hatten zu bedenken gegeben, dass die Bilder "zu grauenhaft" seien, um sie zu veröffentlichen. US-Sender zitierten ungenannte Quellen, nach denen auf den Aufnahmen eine klaffende Schusswunde am Kopf sowie Gehirnmasse zu sehen seien.

In einem Interview mit dem Sender CBS, das an diesem Sonntag in der Nachrichtensendung "60 Minutes" erscheinen soll, hat Präsident Obama den Schritt angekündigt. Der republikanische Vorsitzende des Geheimdienste-Ausschusses des US-Kongress, Mike Rogers, sagte CBS er habe eines der Fotos gesehen und sei der Meinung, die die US-Regierung solle die Bilder nicht freigeben, da sie die Gefahr für US-Streitkräfte im Ausland erhöhen könnten. "Die Risiken sind größer als die Vorteile", sagte Rogers.

"Verschwörungstheoretiker überall auf der Welt würden sowieso behaupten, die Fotos seien gefälscht." Gleichzeitig bestünde eine reale Gefahr, dass die Fotos nur die öffentliche Meinung im Nahen Osten gegen die USA aufbringen würden. Stellen Sie sich vor, wie das für das amerikanische Volk wäre, wenn Al-Kaida Fotos von getöteten US-Soldaten ins Internet stellen würde", sagte Rogers. Osama bin Laden sei keine Trophäe, sondern tot. Nun müssten sich die USA darauf konzentrieren, den Kampf solange fortzusetzen, bis Al-Kaida vernichtet sei.

CBS-Korrespondent David Martin sagte: "Mir wurden die Fotos beschrieben - sie sind ziemlich grausig." Auf Bin Laden sei zweimal aus nächster Nähe geschossen worden: Einmal in die Brust und einmal in den Kopf direkt über dem linken Auge. "Diese Kugel hat seinen Schädel zertrümmert, so dass auch Gehirn ausgetreten ist, und hat auch sein linkes Auge zerstört. Das sind mit Sicherheit keine Fotos für Zartbesaitete", sagte Martin.

Auch deutsche Experten hatten eine mögliche Veröffentlichung skeptisch gesehen. Das Hauptargument für eine Veröffentlichung war, dass damit Verschwörungstheorien entkräftet werden könnten. Theorien, wonach Bin Laden in Wahrheit gar nicht tot ist, sondern die USA seinen Tod nur vorgetäuscht oder an seiner Stelle jemand anders umgebracht haben - je nachdem welcher Phantasievorstellung man glauben will.

Michael Bauer vom Centrum für angewandte Politikforschung in München glaubt: "Wenn Sie sich Verschwörungstheorien mal anschauen, dann wird es da geradezu als Beweis für die Theorie gesehen, wenn ein Staat hingeht und versucht, das zu entkräften."

Gudrun Krämer, eine der bekanntesten deutschen Islamwissenschaftlerinnen, hatte eindringlich vor einer Veröffentlichung gewarnt. "Ich würde ganz entschieden abraten, weil es sich nur um einen Akt der Pietätlosigkeit handeln kann." Zweifler würden damit nicht überzeugt, "und die Taliban brauchen keine Bilder, die haben andere Informationsquellen."

Auf viele Muslime würden die Bilder abstoßend wirken und als weiterer Beweis dafür gewertet, dass der Westen den Islam missachte, sagte Krämer. "Viele in der islamischen Welt sind froh, dass Osama bin Laden tot ist. Im Stillen ist auch in der islamischen Welt viel Genugtuung." All diese Menschen bräuchten keine Fotos.


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