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Ein sehnsuchtsvoller Blick

Ein Kommentar von Werner Weidenfeld zur Wahl des Bundespräsidenten

29.06.2010 · SPIEGEL ONLINE


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Der Bundespräsident hat eine große politisch-kulturelle Orientierungsleistung zu erbringen. Mitten in einer tiefen Sinnkrise der Gesellschaft ist das Amt des Bundespräsidenten ein unverzichtbarer Ort der Identität. In Zeiten spektakulärer Politikdistanz bietet sich die Chance eines präsidentiellen Brückenschlages – dafür steht sein spezifisches Kompetenzprofil.

Die Geschichte bietet reichhaltiges Anschauungsmaterial für die gelungene Amtswahrnehmung des Bundespräsidenten. Die unmittelbare Nachkriegsverortung der Bundesrepublik war nur schwer vorstellbar ohne Theodor Heuss als wichtige kulturelle Ergänzung Konrad Adenauers. Die sensible Wahrnehmung deutscher Geschichte und Identität vermittelte Richard von Weizsäcker. Der Aufbruch in die Reform-Ära wurde von Roman Herzog eröffnet.

Das politische System der Bundesrepublik Deutschland gibt dem Bundespräsidenten eine Schlüsselrolle. Jenseits der tagespolitischen Details braucht die Republik klare Orientierungen und deutliche Haltepunkte: Da ist die politische und kulturelle Verortung des Bundespräsidenten von hoher Bedeutung. Jede Gesellschaft sucht nach einer solchen Verankerung. Diese Position sui generis, diese Aufgabe klärender Selbstwahrnehmung jenseits des Tageskampfs ist für die Stabilität eines politischen Systems unverzichtbar.

So richtet sich nun ein sehnsuchtsvoller Blick auf den nächsten Bundespräsidenten.


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