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Obama verspricht Wandel in der Außenpolitik

Viele Deutsche wünschen sich besseres Verhältnis zu USA

04.06.2008 · Täglicher Anzeiger


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Die Sehnsucht nach Wandel, die der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama verkörpert, ist nicht das alleinige Vorrecht seiner Wähler. Viele Bundesbürger wünschen sich nach der bitteren Entfremdung der Bush-Jahre ebenfalls einen Neuanfang im Verhältnis zu den USA. In Umfragen gaben die Deutschen dem jungen Senator dementsprechend den Vorzug, ungeachtet der Beliebtheit, der sich das Politikerpaar Bill und Hillary Clinton hierzulande seit Jahren erfreute. Jetzt wird es konkret mit dem Wandel, und es fragt sich, was für Deutschland dabei eigentlich herausspringen wird.

Obamas Popularität hat viel mit seinem Stil zu tun, der als scharfer Kontrast zur amtierenden US-Regierung empfunden wird. "Es geht ihm darum, Menschen zusammenzubringen, und das kommt bei den Europäern gut an", sagt Bill Downey, ein Anhänger der Demokratischen Partei, der seit drei Jahrzehnten in Berlin lebt. Auch Alexander Skiba, Experte für transatlantische Beziehungen bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), setzt darauf, dass der voraussichtliche Spitzenkandidat der Demokraten nicht nur reden, sondern auch zuhören kann. "Allein das ist eine so radikale Abkehr, dass man sich da als Deutscher auch emotional angesprochen fühlt."

Skiba beschreibt Obama als international geprägten Politiker, "der die Hand ausstreckt und auch Brücken bauen kann." Er werde eine neue Glaubwürdigkeit ins Weiße Haus bringen. Sein republikanischer Konkurrent John McCain sei zwar in Europa sehr gut vernetzt, als politischer Querdenker jedoch nicht unbedingt berechenbarer. Der Direktor des Centrums für angewandte Politikforschung (C·A·P), Werner Weidenfeld, hält McCain für den eher militärisch geprägten Strategen. Er glaubt, dass Obama als Präsident eher situationsabhängig handeln wird.

Mitreden heißt meist auch Mitmachen, und da können sich die Europäer nach Ansicht der Fachleute durch den bevorstehenden Wachwechsel im Weißen Haus auf einiges gefasst machen. Werde das Gespräch auf Augenhöhe wieder die Maxime der transatlantischen Beziehungen, dann müssten sich die Deutschen auch offener mit der Forderung nach einem stärkeren Engagement in Afghanistan auseinander setzen, gibt Skiba zu bedenken. Aus Sicht von Weidenfeld gilt dies sowohl für Obama als auch für McCain: "Unterm Strich wird sich das als sehr ähnlich herausstellen."

Überhaupt hält Weidenfeld nichts davon, die Präsidentenfrage zu sehr zu personalisieren, weil die strategischen Festlegungen der USA letztlich nicht von Personen abhingen. Derzeit gibt es indes noch klare Unterschiede in den außenpolitischen Philosophien der beiden Bewerber. Obama würde auch mit feindlich gesinnten Staaten wie Iran und Kuba sprechen. Ganz anders sein republikanischer Kontrahent. McCain würde Russland gerne aus der Gruppe der führenden Industrienationen (G-8) herauswerfen. Dies sei eine gefährliche "potenzielle Fußangel" für das transatlantische Verhältnis, warnt Skiba.

Was die konkrete Gestaltung von Außenpolitik angeht, sind die Unterschiede zwischen Obama und McCain beim Irak und beim Freihandel vielleicht am größten. Während der demokratische Präsidentschaftskandidat am Dienstag wiederholte, dass er die Truppen auf keinen Fall für die nächsten hundert Jahre im Irak belassen will, schwört der Republikaner, auf keinen Fall zu kapitulieren. Auf der anderen Seite bekennt sich McCain offen zu den beim US-Wahlvolk unpopulären Freihandelsabkommen, während Obama sich für "fairen Handel" stark macht.

Und welcher der beiden US-Präsidentschaftskandidaten wäre der bessere Partner für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)? "Von der politischen Ausrichtung kann man mit Obama mehr machen, aber von der Persönlichkeit ist ihr sicher McCain näher", meint Skiba. Ob die Chemie stimmt, wird sich beim ersten längeren Zusammentreffen von Merkel und Obama zeigen. Downey und seine Demokraten in Berlin hoffen jedenfalls immer noch auf einen baldigen Besuch des Politstars.


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