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Wenn das Parlament in der Turnhalle tagt

Schüler spielen "Bayerischer Landtag" - Wählen, diskutieren und Gesetze machen

Von Kristina Banasch

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27.10.2008 · Nürnberger Nachrichten


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Politik ist in Bayern im Moment eine ziemlich spannende Sache. Die Acht- und Neuntklässler der Schule im Nürnberger Knoblauchsland erlebten das hautnah: In einem Planspiel haben sie einen Tag lang Bayerischer Landtag gespielt. Die neue politische Situation im Freistaat sorgte dabei im Plenarsaal in der Turnhalle für reichlich Trubel – ganz wie in der weißblauen Wirklichkeit.

Was ist eigentlich ein Landtag, eine Koalition, eine Fraktion? Am Anfang des Planspiels gilt es, politische Begriffe zu klären. Die Mitarbeiter der Forschungsgruppe Jugend und Europa des Centrums für Politikforschung an der Uni München, die an diesem Morgen in der Knoblauchsland-Schule gekommen sind, bereiten ihre Schützlinge sanft auf ihre neue Rolle als Entscheidungsträger in Bayern vor. Zuerst wird jedem Schüler eine Persönlichkeit zugeordnet: Alter, Beruf, Wohnort, Wahlkreis, Partei.

Kohl ist ein Grüner

Aus Lukas (13) wird so der 50 Jahre alte Garten- und Landschaftsbauer Joe Kelly aus Würzburg, der für die Freien Wähler im bayerischen Parlament sitzt. Da sich jeder „Abgeordnete“ seinen Namen selbst wählen darf, sitzen ein Gerhard Schröder und Hans Meyer für die FDP im Landtag, der Fraktionsvorsitzende der CSU heißt Benjamin Blümchen und Helmut Kohl ist ein Grüner. Spaß darf Politik ja auch machen ...

Das Regieren selbst soll möglichst realitätsnah ablaufen. Gut, im echten Leben bringen die Abgeordneten nicht ihre eigenen Stühle in den Plenarsaal mit, jeder weiß auf Anhieb, dass er nicht ganz links sitzt, wenn er zur CSU-Fraktion gehört. Und im Maximilianeum in München hängen hinter dem Präsidium auch keine Basketballkörbe an der Wand. Beim Ablauf hat aber alles seine Ordnung: Daniele (13) eröffnet als 75-jähriger Alterspräsident die Sitzung, und die jüngsten Abgeordneten verlesen die Namen der Fraktionsmitglieder, also der Politiker, die für die Parteien ins Parlament gewählt wurden. Dann wird ein neuer Landtagspräsident gewählt. Gar nicht so leicht, sich auf einen Kandidaten zu einigen, wenn die CSU plötzlich keine absolute Mehrheit mehr hat und der künftige Koalitionspartner macht, was er will.

„Mit dem Planspiel wollen wir den Jugendlichen aufzeigen, wie wichtig es ist, einen eigenen politischen Willen zu bilden“, erklärt Bernd Knüfer, einer der Referenten. Rund 100 Schulen haben allein in diesem Jahr beim Landtagsspiel mitgemacht. So spannend wie in der Knoblauchsland-Schule war es wohl jedoch nur selten – schließlich ist auch in Realität bayerische Politik überraschend wie lange nicht mehr.


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