Alle Gemäßigten müssen Militante entwaffnen
Droht der Welt ein neuer Nahost-Krieg? Von Werner Weidenfeld
21.07.2006 · FORMAT 29/06
| < Vorige C·A·P-News | Nächste C·A·P-News > |
Die Kämpfe zwischen der vom Iran finanzierten Hisbollah-Miliz und der israelischen Armee eskalieren. Hunderttausende sind auf der Flucht.
In der aktuellen Dramatik haben sich die Konfliktparteien in ihrer eigenen Eskalationslogik verfangen. Weder die radikalen Teile der Hamas noch die libanesische Hisbollah-Miliz werden den Konflikt gewinnen. Israels überlegene militärische Stärke kann die beiden radikalen Gruppen mit ihrer sozialpolitischen Verwurzelung in den jeweiligen Gesellschaften nur schwächen, jedoch nicht besiegen. Aus dieser asymmetrischen Pattsituation führt kein einfacher Weg hinaus. Initiativen von dritter Seite können die prekäre Lage aufbrechen, indem sie an den gemeinsamen Interessen unterschiedlicher Akteure anknüpfen: Kaum jemand will die Ausdehnung des Konflikts. Im Libanon, in Israel wie unter den Palästinensern besteht ein Interesse an der Entwaffnung der Milizen.
Sensibles Konfliktmanagement ist gefragt, da die Regelungskapazität der Konfliktparteien nicht ausreicht. Den wirksamsten Beitrag können die Vermittler des Nahost-Quartetts, bestehend aus Diplomaten der UNO, den USA, Russland und der EU, leisten. Über seine Rolle als politischer Vermittler hinaus sollte das Quartett sicherheitsrelevante und stabilitätsgarantierende Maßnahmen vorbereiten und verhandeln. Dazu müssen auch die Europäer beitragen, die ja die größten Ressourcen für den Aufbau palästinensischer Verwaltung aufgebracht haben. Für den Südlibanon könnte dies die Stationierung einer Quartett-Stabilisierungstruppe bedeuten. Anders als die derzeitige UN-Friedenstruppe, muss diese Truppe der libanesischen Armee helfen, die Grenze zu Israel selbst zu sichern, Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden und die vom Sicherheitsrat beschlossene Entwaffnung der Milizen einzuleiten.
Bei der Entwaffnung militanter Gruppen müssen alle gemäßigten Kräfte und Regierungen der Region zusammenarbeiten. Der Kronberger Nahostgipfel der Bertelsmann Stiftung hat ergeben, dass sich auch arabische Staaten von islamistischen Extremisten bedroht sehen. Neben dem Quartett sind es deshalb vor allem Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien, die ihrerseits einen aktiven und sichtbaren Beitrag zum Konfliktmanagement leisten sollten.
Weitere Links zum Thema
![]() |
Was kommt nach dem arabischen Frühling? Wolfgang Kreissl-Dörfler, Mitglied des Europäischen Parlaments, gibt Antworten 15.05.2012 · C·A·P |
![]() |
Renforcer la démocratie en Tunisie Recommandations pour un système politique transparent, inclusif et responsable - C·A·P Aktuell 01/2012 09.05.2012 · E. Ratka, M. Rousselin, R. Rummel, T. Sililo (éd.) |
![]() |
New Arabia A training- and networking-project for young leaders 08.05.2012 · Forschungsgruppe Europa |
![]() |
The Military Option in the Iranian Nuclear Crisis C·A·Perspectives · 2 · 2012 19.04.2012 · René Rieger |
![]() |
„Ära des Terrorismus nicht vorbei“ Politikexperte Bauer: Aber den gewaltbereiten Gruppierungen wurde der Boden entzogen 20.02.2012 · Stuttgarter Nachrichten |












