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Globalisierung stützt Trend zur Demokratie

Vorstellung des Bertelsmann Transformation Index in Berlin

Von Nikolaus Röttger, Berlin

06.10.2005 · Financial Times Deutschland


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Die Welt wird immer demokratischer. Dies zeigt der Bertelsmann Transformation Index 2006 (BTI), der heute in Berlin vorgestellt wird. "Zwar vollziehen sich die Fortschritte deutlich langsamer als noch in den 90er Jahren" , heißt es in der Studie. Fast überall hätten sich aber bestehende demokratische Errungenschaften bewährt. Zudem erfasse die Demokratisierung immer mehr Länder, sagte Werner Weidenfeld, ein Münchner Politikwissenschaftler und Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, gegenüber der FTD: "In den vergangenen zwei Jahren sind 18 Länder deutlich demokratischer geworden, das ist ein Sprung nach oben." Zu diesen Ländern zählt der BTI das EU-Neumitglied Slowakei sowie die Beitrittskandidaten Kroatien und Türkei. Insgesamt werden dem Bericht zufolge mittlerweile 62 Prozent der Weltbevölkerung demokratisch regiert. Vor allem weltweiter Wettbewerb und technischer Fortschritt erweisen sich dabei als treibende Kräfte. "Globalisierung und moderne Kommunikationstechnologien erzeugen Modernisierungsdruck", so Weidenfeld: "Kein Land kann sich davon abschirmen."

Der BTI wird zum zweiten Mal nach 2003 veröffentlicht. Die Studie untersucht, ob und wie sich 119 Schwellen- und Entwicklungsländer in Richtung marktwirtschaftlicher Demokratie entwickeln. Dabei berücksichtigen die Bertelsmann-Forscher nicht nur den bereits erreichten Stand der Transformation: Mit ihrem "Managementindex" beurteilen sie darüber hinaus die Reformbemühungen von Regierungen - und berücksichtigen dabei ausdrücklich auch die Rahmenbedingungen, in denen die Herrschenden agieren.  Spitzenreiter im Management-Index ist der afrikanische Inselstaat Mauritius. Unter den Top Ten finden sich außerdem fünf der Länder, die im vergangenen Jahr der EU beigetreten sind.

Dramatische Umbrüche mit Dominoeffekten wie in Osteuropa im Jahr 1989 werden immer seltener, argumentieren die Autoren des BTI. Umso mehr seien Fortschritte auf dem Weg zu Demokratie und Marktwirtschaft von gezielter Reformpolitik abhängig. Die Studie fordert daher, die Entwicklungspolitik in Zukunft stärker auf Länder auszurichten, die aus eigenem Antrieb einem Liberalisierungskurs folgen: "Die Reformer müssen gezielt gefördert werden", sagte Weidenfeld.

Bei allen Fortschritten zeigen sich allerdings auch bedenkliche Entwicklungen. So gibt es laut Studie eine ganze Reihe von "Transformationsverweigerern", die "bislang jeglicher Liberalisierungsdynamik widerstanden" hätten. "Während sich die Lage insgesamt verbessert, fallen die Schlusslichter weiter zurück", erläuterte Weidenfeld.

Zudem sind deutliche Gefälle innerhalb der Weltregionen feststellbar. In Ost- und Südosteuropa beispielsweise machen dem Bericht zufolge neben Kroatien auch die EU-Beitrittskandidaten Bulgarien und Rumänien Fortschritte, während Länder wie Albanien und Mazedonien im Ranking zurückgefallen sind.

In den Staaten der ehemaligen Sowjetunion driften die Verhältnisse ebenfalls auseinander: In Georgien und der Ukraine gebe es zunehmend demokratische Bestrebungen; in einer Reihe von zentralasiatischen Länder dagegen seien autokratische Tendenzen festzustellen.

Deutliche Kritik übt die Studie auch am Reformwillen der Regierungen in Nordafrika und im Nahen Osten: "Zwar versprechen die Eliten in den letzten Jahren Liberalisierung. Diese Tendenzen stoßen jedoch bisher dort an Grenzen, wo sie die Stabilität bestehender Herrschaftsstrukturen gefährden."


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