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Das neue Europa

Ein Artikel von Uli Piehler über das Projekt "Grenzregionale Identitäten" der Forschungsgruppe Deutschland.

12.07.2004 · Der neue Tag


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Amberg/Weiden. Von der Randlage in den Mittelpunkt, vom Niemandsland zur Drehscheibe. So epochale Veränderungen, wie sie der Oberpfalz widerfahren, fordern nicht nur die Oberpfälzer, sondern jetzt auch Wissenschaftler heraus.

Am Centrum für angewandte Politikforschung (C·A·P) in München stellen sich Wissenschaftler die Frage, ob Bayern und Böhmen wieder zusammenwachsen können. "Gerade zwischen Bayern und Böhmen gab es Zeiten, in denen die Nachbarschaft so selbstverständlich war, dass die Grenze kaum wahrgenommen wurde", erklärt Dr. Michael Weigl vom C·A·P.

Langjähriges Projekt

"Soweit ist es noch lange nicht", konstatiert Weigl: "Die Vorurteile gegenüber den Tschechen sind nicht weniger geworden." Mit Akribie verfolgt der Politikwissenschaftler die deutsche-tschechische Annäherung seit mehreren Jahren und leitet zurzeit das Projekt Grenzregionale Identitäten an der Uni München.

Dabei hat er interessante Beobachtungen gemacht: "Der Normalisierung der deutsch-tschechischen Nachbarschaft sind Grenzen gesetzt, die beklagt und bedauert, aber nicht eingerissen werden können - auch nicht von noch so vielen gesellschaftlichen Initiativen für eine Annäherung." Eine Absage an die vielfältigen deutschtschechischen Aktivitäten im Grenzland?

"In keinster Weise", erklärt Weigl. Er will seine Feststellung als Aufruf zur Gelassenheit verstanden wissen, wenn es mit der deutsch-tschechischen Aussöhnung eben nicht von heute auf morgen klappt. "Es wäre nicht nur langweilig und verlogen, sondern auch widersinnig, in grenzüberschreitenden Dialogen immer einen Gleichklang der Meinungen zu erwarten."

Anfang August vor Ort

Bei dem Projekt "Grenzregionale Identitäten" geht es um das Bild, das die Deutschen im Bayerischen Wald, im Oberpfälzer Wald und im Fichtelgebirge von ihren tschechischen Nachbarn haben - ein Bild, das nach Weigls bisherigen Erkenntnissen je nach Region stark variiert. "Je nördlicher man kommt, desto stärker sind die Vorbehalte gegen die Tschechen", sagt er. Woran das liest, das will er noch genau herausfinden. Anfang August kommt er mit einem Studententeam in die Oberpfalz, um vor Ort zu recherchieren. Weigl und seine Mitarbeiter wollen die Oberpfälzer zu ihrem Heimatverständnis sowie dem Verhältnis zu ihren alten und doch neuen tschechischen Nachbarn befragen. Insgesamt sind 45 ausführliche Interviews geplant.

Das gesamt Projekt "Grenzregionale Identitäten" mündet in einer Studie, die im nächsten Jahr zusammen mit der Akademie der Wissenschaften in Prag vorgestellt werden soll.


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