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Jugendparlament für Europa

Auch Politiker sind manchmal ratlos

Von Birte Betzendahl

06.12.2001 · fluter.de


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"Politik ist Einmischung in die eigenen Angelegenheiten." Zur Eröffnung des Jugendparlaments für Europa zitierte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse den Schriftsteller Max Frisch. Ordentlich eingemischt haben sie sich, die rund 140 Teilnehmer des Jugendparlaments. Vom 26. bis zum 28. November 2001 griffen sie in Berlin nicht nur in ihre eigenen Belange, sondern vor allem in den Fall Europa ein. Politikeralltag leicht gemacht. In sechs Ausschüssen diskutierten die Jugendlichen im Alter von 18 bis 24 Jahren über Humangenetik, Zuwanderung, über die neue Arbeitswelt, Nachhaltigkeit, die Osterweiterung der EU und über eine europäische Verfassung. Ziel war es, innerhalb von zwei Tagen eine Resolution mit den wichtigsten Ergebnissen aus den Arbeitskreisen zu verfassen, abschließend im Plenum vorzustellen und im besten Falle eine Mehrheit für die Vorschläge zu finden. "Politik ist kein Sandkastenspiel", warnte gleich zu Anfang Rita Süssmuth (CDU).

Geladen hatten das Centrum für angewandte Politikforschung in München und die Bundeszentrale für politische Bildung. Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Deutschen Bundestag und der Europäischen Kommission. Wie echte Politiker konnten sich die jungen Gäste fühlen, tagten sie doch am Ort des wirklichen Geschehens. Im gerade eingeweihten Paul-Löbe-Haus, in direkter Nachbarschaft zum Reichstagsgebäude fanden sich die Ausschüsse zusammen, debattiert wurde schließlich im Plenum des Berliner Abgeordnetenhauses, im Preußischen Landtag. Auch die Journaille war wie im wirklichen Politikerleben natürlich präsent: Ein Jugendpresseteam begleitete die Veranstaltung "rund um die Uhr".

Doch Lokalitäten und Liveberichterstatter waren nicht das einzige, was an das wahre Abgeordnetendasein erstaunlich deutlich erinnerte. Der Zeitmangel dominierte das Geschehen. Alles war in den einzelnen Gruppen präzise durchgeplant. Eine Stunde für's Kennenlernen, eine Stunde um die Grundlagen der Thematik abzugleichen, dann standen schon Fachpolitiker aus dem Europäischen Parlament oder aus dem Bundestag vor der Tür, um mit den Jungparlamentariern zu diskutieren. Am nächsten Morgen nochmals drei Stunden für die Diskussion und die Erarbeitung einer Resolution. Für viele Gäste eine der schwierigsten Erfahrungen. Beim Versuch, viele Positionen unter Zeitdruck in Behördendeutsch umzusetzen, wurden Grenzerfahrungen gemacht. "Verschiedene Meinungen konsensfähig zu machen, war eine gute Lebenserfahrung", resümierte Christina, 24, aus Berlin. Im Plenum selbst sahen sich die Teilnehmer mit einer weiteren Herausforderung aus dem Politikeralltag konfrontiert: Abstimmen über etwas, von dem man eigentlich gar keine Ahnung. hat. Abhilfe leisteten die Vorbilder höchstpersönlich. Michael Roth (SPD), Peter Altmeier (CDU), Christian Sterzing (Bündnis 90/Die Grünen), Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Uwe Hiksch (PDS) gaben ihren potenziellen Nachfolgern praxisnahe Tipps und Verhaltensratschläge. Roth: "Auch wir sind zuweilen ratlos."

Viel lernen konnten die jungen Politiker auch von ihren weithergereisten Kollegen, den Gästen aus dem europäischen Ausland. "Das Schönste für mich war der Kontakt zu anderen Europäern", sagte Daniel, 19, aus dem Saarland. Eva, 22, aus Prag zeigte sich umgekehrt beeindruckt von den Gastgebern: "Es ist sehr interessant festzustellen, wie die Jugendlichen hier denken, was sie in Deutschland beschäftigt." Untereinander- und eingemischt haben sie sich also, die Politiker von Morgen. Mission "Demokratie" erfüllt.


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