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Zwei Jahre TAPIR-Fellow: Spannende Einblicke in die Welt der Think Tanks

Von Dominik Tolksdorf

03.03.2014 · C·A·P


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Fotounterschrift: Dominik Tolksdorf (r.) als Moderator einer Veranstaltung der Paul H. Nitze School of Advanced International Studies der John Hopkins University Washington.

Politikberatung ist in einer Welt immer komplexer werdender Probleme ohne Alternative. In Deutschland decken „Denkfabriken“ wie das Centrum für angewandte Politikforschung (C·A·P) die steigende Nachfrage nach wissenschaftlich fundierter und gleichzeitiger praxistauglicher Expertise ab. Einblicke in die Praxis der Politikberatung in den Vereinigten Staaten und im europäischen Ausland verspricht hingegen das Transatlantic Post-Doc Fellowship for International Relations and Security (TAPIR).

TAPIR bietet seinen Fellows wie mir die Möglichkeit, in einem Zeitraum von zwei Jahren an gleich drei Think Tanks in Europa und den USA zu arbeiten. In der Regel werden jedes Jahr fünf neue „Tapire“ aufgenommen, die Bewerbung erfolgt jährlich im Februar, wobei das eingereichte Forschungsthema Bezug zu transatlantischen Beziehungen und sicherheitspolitischen Themen haben sollte. Während die neuen Fellows von den amerikanischen und europäischen Instituten gemeinsam ausgewählt werden, obliegt die praktische Koordinierung des Programms der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, an die man sich auch mit allen praktischen Fragen während des Fellowships wenden kann.

Die 15 an dem Programm teilnehmenden Institute unterscheiden sich nicht nur in Bezug auf Größe, Struktur und Finanzmittel teilweise erheblich voneinander. Auch in ihren Forschungsprioritäten setzten sie verschiedene Schwerpunkte.

  • Das Center for Transatlantic Relations (CTR) der Johns Hopkins University Washington D.C. - erste Station meines TAPIR-Fellowships – wird geleitet vom ehemaligen Top-Diplomaten Dan Hamilton. Als relativ kleiner, aber dynamischer Think Tank beschäftigt sich das Center derzeit verstärkt mit den Verhandlungen zu einem Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP). (Platz 48 im von der University of Pennsylvania 2013 erstellten Ranking der „Top Think Tanks in the United States“)

  • Das Pariser Institut Français des Relations Internationales (IFRI), dem ich als zweite Station meines TAPIR-Fellowships angehörte, gilt als einer der renommiertesten Think Tanks in Europa (Platz 12 im aktuellen Ranking der „Top Think Tanks Worldwide Non-U.S.“). Mit seinen drei Forschungszentren befasst es sich mit einer Vielzahl von Fragen internationaler Politik, setzt aber auch Schwerpunkte, beispielsweise mit einer großen Forschungsgruppe zu Afrika.

  • Das U.S. Institute of Peace (USIP), abermals in Washington, wird schließlich ab März 2014 dritte und letzte Station meines TAPIR-Fellowships sein. Mit seiner Forschung insbesondere zu den Themen internationale Friedenssicherung und Konfliktlösung hat es sich weltweit Renommee erworben (Platz 17 im Ranking „Top Think Tanks in the United States“). Als amerikanische Bundeseinrichtung nimmt es auch in seiner Organisationsform eine Sonderrolle innerhalb der US-amerikanischen Think Tanks ein.


Die Möglichkeit, an derart unterschiedlichen Einrichtungen von höchster Reputation arbeiten zu dürfen, macht den Reiz des TAPIR-Programms aus. Darüber hinaus ist bieten sich vielfältige Gelegenheiten, Einblicke in die Arbeit auch anderer Institutionen zu erhalten. Das CTR beispielsweise liegt in direkter Nachbarschaft zu verschiedenen Forschungseinrichtungen und anderen Denkfabriken (z.B. Brookings Institution oder der Carnegie Endowment), weshalb man von hier aus leicht die quirlige „Think Tank-Szene“ Washingtons entdecken kann. Die Vielzahl politischer Veranstaltungen, bei der tagtäglich Wissenschaftler, Journalisten, Studierende und Politiker zusammenkommen, ist beeindruckend.

Als TAPIR-Fellow ist man weitgehend unabhängig in seiner Arbeitsweise. Allerdings besteht jederzeit die Möglichkeit, sich bei den Gastinstituten einer Forschungsgruppe anzuschließen oder mit einzelnen Mitarbeitern zusammenzuarbeiten. Ich bin während meines Fellowship bisher einerseits typischen Think Tank-Tätigkeiten nachgegangen: So habe ich Podiumsdiskussionen organisiert, Veranstaltungen moderiert, Policy-Papiere verfasst, Blogeinträge geschrieben und Gastvorlesungen gehalten. Daneben aber blieb mir auch genügend Zeit für „klassische“ akademische Tätigkeiten wie dem Verfassen von Artikeln für Fachzeitschriften oder der Teilnahme an Konferenzen. Das TAPIR-Programm ist so eine hervorragende Möglichkeit, das Berufsfeld Politikberatung besser kennen zu lernen und seine internationalen Kontakte auszubauen.

Das Programm bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, in die Forschungs- und Think Tank-Kultur in verschiedenen Staaten einzutauchen, seine Sprachkenntnisse zu verbessern und seine akademischen Netzwerke auszubauen. Da man jeweils nur acht Monate vor Ort ist, verlangt das Programm aber auch eine gewisse Flexibilität von den Teilnehmern. Ebenso sollte der organisatorische Aufwand während des Fellowships – zum Beispiel die häufige Wohnungssuche oder die Beschaffung von Visa für die USA – nicht unterschätzt werden.


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