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Forschungsvorhaben zur Flüchtlings- und Asylpolitik

Bundeskanzler-Stipendiatin Joyce Man (Hongkong) der Alexander.-v.-Humboldt Stiftung am C·A·P

11.11.2014 · C·A·P


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Prof. Weidenfeld begrüßt die Bundeskanzler-Stipendiatin Joyce Man am CAP

Joyce Man (Hongkong) ist seit November 2014 als Bundeskanzler-Stipendiatin der Alexander.-v.-Humboldt Stiftung am C·A·P zu einem einjährigen Forschungsaufenthalt zum Thema "Flüchtlings- und Asylpolitik in der Bundesrepublik Deutschland". Im nachfolgenden Interview werden die Stipendiatin, ihr persönlicher Hintergrund und ihr Forschungsvorhaben ausführlicher vorgestellt.


Frage: Wie wurde Ihr Interesse an Deutschland und Themen der deutschen Politik geweckt?

Joyce Man: Ich war zum ersten Mal in Deutschland im Zuge eines Intensiv-Deutschkurses. Es hat mir Spaß gemacht, Deutsch zu lernen. Mein Interesse an Deutschland habe ich durch die Sprache entdeckt. Die Menschen in Deutschland haben mich beeindruckt mit ihrer  Freundlichkeit und Offenheit. Ich hatte das Gefühl, dass die Deutschen sich sehr viel Mühe geben, anderen Menschen einen Zugang zu ihrer Kultur zu ermöglichen. Bei meinen zweiten Aufenthalt in Deutschland habe ich am Internationalen Journalisten Programm (IJP) teilgenommen. Im Zuge dieses Stipendiums habe ich ein Praktikum im Medienbereich gemacht. Die deutschen Medien machten auf mich den Eindruck, als seien sie ganz anders als in Hongkong. Denn wir konnten an allen Treffen der Redakteure teilnehmen. In Hongkong wäre dies nie möglich. Die Journalisten waren auch immer offen für die Kritik ihrer Kollegen. Das halte ich für ein sehr gutes Arbeitsklima.

Sie haben die deutsche Kultur kennengelernt, inwiefern unterscheidet sie sich von der chinesischen Kultur? Was halten Sie für Besonderheiten der beiden Kulturen?

Ich denke der große Unterschied liegt in der Kommunikation. Die Stereotypen, dass Deutsche sehr offen reden und Chinesen eher zurückhaltend kommunizieren, sind gar nicht so falsch. Diese verschiedenen Kommunikationsstile passen meiner Meinung nach nicht immer perfekt zusammen. Die Gemeinsamkeiten liegen meiner Ansicht nach bei dem Wert, der Familie zugeschrieben wird. In China leben oft drei Generationen in einem Haushalt zusammen. Die Verwandtschaft spielt in beiden Kulturen eine große Rolle.

In Ihrer Kindheit haben Sie eine Zeit lang in Kanada gelebt. Sie haben in den USA International Studies studiert und nach ihrem Studium in Hongkong, Deutschland und Russland gearbeitet. Wie haben diese internationalen Erfahrungen die Beziehung zu Ihrer Heimat beeinflusst?

Die Zeit im Ausland hat mich stark geprägt. Als ich mit fünf Jahren nach Kanada gezogen bin, war Kantonesisch meine Muttersprache. Als ich zurück nach Hongkong kam, war dies Englisch. Deswegen hatte ich damals das Gefühl, nicht wirklich zur Kultur der Honkong-Chinesen zu passen. Als ich dort zu arbeiten anfing, habe ich mich wieder in die Kultur eingelebt und mit der Zeit fühlte ich mich wieder sehr wohl. Viele Hongkonger halten sich nicht für Festland-Chinesen, sondern für Hongkong-Chinesen. Dieses Gefühl anders zu sein, wurde mit der Zeit immer stärker, besonders seit der Wiedervereinigung mit China 1997. Auch die Proteste der Studenten haben diese Einstellung noch einmal verstärkt. Es besteht ein Verlangen nach einer eigenen Regierung, einer eigenen Gerichtsbarkeit und einer eigenen Identität.

Wie stehen Sie als gebürtige Hongkongerin zu den Prosteten der Studenten in der Stadt und was halten Sie vom Ausgang des Dialogs zwischen Studentenvertretern und  Regierung?

Die Erinnerungen an das Jahr 1989, also an das Tianamen–Massaker, ist bei jedem Hongkonger in meinen Alter noch wach. Unsere Eltern haben mit uns viel darüber geredet. Denn damals sind sie auf die Straße gegangen um zu protestieren. Schon in unserer Kindheit hatten wir immer das Gefühl, dass wir sehr friedlich protestieren und auch gegen die chinesische Regierung unsere Meinung äußern können. Ich hätte mir trotzdem so etwas wie nun in Hongkong nicht vorstellen können. Aufgrund unserer Vergangenheit verstehe ich aber, warum es so friedlich abgelaufen ist. Gleichzeitig bin ich auch überrascht, dass die Studenten so lange ihre Position halten. Ich bin stolz darauf, dass diese Proteste in Hongkong friedlich ablaufen.

Sie werden sich nun im Rahmen des Bundeskanzler-Stipendiums  ein Jahr lang am C·A·P mit der deutschen Asylpolitik beschäftigen. Aus welchen Gründen haben Sie Deutschland beziehungsweise München als Ausgangspunkt für Ihre Nachforschungen gewählt?

Ich habe Deutschland gewählt, weil hier viele Erfahrungen mit Flüchtlingen gemacht wurden. Seit vielen Jahren hat Deutschland eine der höchsten Asylbewerberzahlen. Dieses Jahr werden sie die der USA übersteigen und somit liegt dann Deutschland an der Weltspitze. Daher bietet ein Aufenthalt in Deutschland für mich viele Informationen und ein gutes Umfeld für meine Nachforschungen. Im Gegensatz hierzu verfügt Hongkong nur über sehr wenig Erfahrung mit der Thematik. Asylpolitik ist ein ganz neues Thema in Hongkong.

München bietet für mich und meine Arbeit eine gute Ausgangsposition. Nicht nur, da Bayern eines der Bundesländer mit der höchsten Anzahl von Asylbewerbern ist. Ich möchte auch gerne am C·A·P arbeiten, welches ich bislang durch zahlreiche Berichte und Forschungsarbeiten kenne. Nach meiner bisherigen siebenjährigen Berufserfahrung als Journalistin möchte ich nun in Richtung der Politikwissenschaft und Politikanalyse arbeiten. Ich denke, damit bin ich hier am C·A·P genau richtig.

Inwiefern haben Sie sich bereits mit der Situation von Flüchtlingen und Asylsuchenden in der Bundesrepublik Deutschland auseinander gesetzt?

In Hongkong war ich 5 Jahre lang Gerichtsreporterin für der South Chinese Morning Post. Hier hatte ich die Möglichkeit, über Menschenrechte und besondere Fälle im Gericht zu schreiben. Dazu gehört auch das Thema Asylrecht. Am Hongkonger Obersten Gericht gab es einige Fälle, welche die Regierung zwangen, die Asylpolitik zu verändern. Mich hat beeindruckt, wie sehr sich die Rechtsanwälte für mehr Rechte der Asylsuchenden eingesetzt haben. An dieser Stelle möchte ich nun mit meiner Forschungsarbeit in Deutschland auch etwas beitragen.

Was erwarten Sie sich von Ihrer Arbeit am C·A·P und welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich war bereits früher Mitarbeiterin bei der NGO Oxfam in Hongkong. Die wissenschaftliche Politikanalyse ist jetzt ein neuer Schritt. Ich plane, mich nach diesem Stipendienjahr für eine Masterarbeit im Bereich Public Policy zu bewerben und dorthin meinen beruflichen Arbeitsschwerpunkt zu verlegen. Journalismus ist jedoch weiterhin ein attraktiver Beruf für mich. Dennoch möchte ich einen besseren Einblick in die politischen Hintergründe erhalten.

Das Interview mit Joyce Man führte Basil Linde, Forschungsgruppe Jugend und Europa am C·A·P.


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