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Werner Weidenfeld beim Europäischen Forum Alpbach

"Europa muss Strategiegemeinschaft werden"

Werner Weidenfeld, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und Direktor des Centrums für angewandte Politikforschung (C·A·P), sprach am zweiten Tag des Europäischen Forums Alpbach 2008 über die Zukunft Europas. Aus seiner Sicht besteht das zentrale Dilemma darin, dass Europa die Wucht einer alles überragenden Konstellation verloren habe. Zur Beseitigung der strategischen Orientierungslosigkeit müsse Europa die innenpolitische Handlungsfähigkeit zurückerlangen und sich in Zukunft klarer positionieren.

 

18.08.2008 · C·A·P


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Scheitern bringt Aufbruch

Alpbach News, Nummer 1, Samstag 16/08/2008

Werner Weidenfeld, Leiter des Centrum für angewandte Politikforschung in München und Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, sprach am zweiten Tag des Europäischen Forum Alpbach über die Zukunft Europas.

"Orientierungslosigkeit ist das Markenzeichen des Kontinents." Der Wissenschaftler Werner Weidenfeld ging in seinem Vortrag zum Thema "Strategische Entscheidungen für den Kontinent" mit Europa hart ins Gericht. "In einem einzigen historischen Augenblick" habe sich in den letzten Wochen im Krieg um Südossetien Europas "strategisches Dilemma" gezeigt. Der Kontinent sei in dem russisch-georgischen Konflikt "auf das Zuschauen reduziert" gewesen, unfähig zu einer gemeinsamen Lagebeurteilung oder zu operativen Handlungsstrategien, aber mit nicht unwesentlicher "rohstoffrelevanter Abhängigkeit von den Konsequenzen." Europa, so kritisierte Weidenfeld, habe seine "Wucht als dominierende Struktur verloren" und sei "strategisch verwirrt." Diese Verwirrung wiederum habe viel mit dem diesjährigen Thema des Europäischen Forum Alpbach "Wahrnehmung und Entscheidung" zu tun. Schließlich werde insbesondere Wahrnehmung "das politische A und O der Zukunft" sein. Zum Beispiel gehe es auch im problematischen Verhältnis zwischen dem Islam und der westlichen Welt um die Problematik der Wahrnehmung. Weidenfeld erläuterte weiter: "Moslems nehmen den Westen als in einem geistigen Vakuum wahr."

In Zukunft werde Stärke deshalb vermehrt bedeuten, anderen "die eigene Deutung der politischen Probleme plausibel machen zu können." Derzeit jedoch fehle Europa dafür sowohl die innenpolitische Handlungsfähigkeit als auch die Bereitschaft beziehungsweise die Kapazität zur Übernahme weltpolitischer Mitverantwortung. Noch, so bilanzierte der Wissenschaftler, habe die EU "kein finales Profil", und dieses Manko müsse in allen strategischen Überlegungen berücksichtigt werden. Darauf aufbauend sei es nun Zeit für strategisches Nachdenken, ohne Scheu vor großen Ideen. Denn: "Scheitern bringt Aufbruch."


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