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Werner Weidenfeld: Eine Frage der Leidenschaft

Beitrag für: Frieder Wolf / Georg Wenzelburger: Promotionsratgeber Politikwissenschaft, Wiesbaden 2010

Wolf, Frieder / Wenzelburger, Georg: Promotionsratgeber Politikwissenschaft 2010. 238 S. Mit 6 Abb. u. 20 Tab. Br. ISBN: 978-3-531-17078-7.

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10.09.2010 · C·A·P


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Eine Promotion ist kein Kinderspiel. Die mehrjährige Beschäftigung mit einem Thema, Zweifel an der Wahl des Gegenstandes, den eigenen Fähigkeiten und der beruflichen Zukunft: Dafür braucht es Sitzfleisch, Disziplin und ein Thema, das einen selbst immer wieder zu motivieren vermag. Das wichtigste jedoch, das ein Kandidat mitbringen muss, ist Leidenschaft. Ohne Leidenschaft wird jedem Promovend die Luft ausgehen, wenn der lange Atem gefragt ist.

Politikwissenschaft meint auch das Hantieren mit Theorien, Modellen, Hypothesen. Sie alle jedoch bleiben stets Mittel zum Zweck. Abstrakte Analyserahmen dürfen nicht den Blick dafür verstellen, dass es letztlich um die Frage nach der Gestaltung und Organisation des Zusammenlebens von Menschen geht. Jeder Politikwissenschaftler muss sich fragen: Welche Gesellschaft und welcher Staat sollen es sein? Wie viel Staat ist gewünscht? Vor allem: Welche Funktion soll Politik erfüllen? Antworten auf diese zentralen Fragen zu finden, meint nicht nur, sein eigenes Tun zu legitimieren. Vielmehr geht es darum, das Wesentliche, aus dem Leidenschaft erwächst, nicht aus den Augen zu verlieren.

Wer eine Promotion in Politikwissenschaft schreibt, arbeitet mit am großen Ganzen. Er beteiligt sich an der Aufgabe, Politik besser zu verstehen, um so das Miteinander von Menschen und Staaten besser gestalten zu können. Aus dieser Leidenschaft erwächst die Einsicht, mehr wollen zu müssen, nicht kleinkariert denken zu dürfen. Die Analyse eines Spezialfalles mag interessant sein – doch was bedeutet ein Fallbeispiel für die großen politischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge? Die Fortschreibung einer Theorie mag für eine Publikation im Review-Verfahren hilfreich sein – doch inwiefern hält diese Theorie auch dem Praxistest stand? Nur wer diese Fragen für sich beantworten kann, nur wer seine eigene Promotion in einem festen normativen Fundament verankert sieht, wird nicht nur ein guter Promovend, sondern auch ein guter Politikwissenschaftler sein.

Werner Weidenfeld


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