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"Wölfe im Schafspelz"

Unterrichtsmaterialien der Polizei gegen Rechtsextremismus

"Entimon" ist ein Programm gegen Gewalt und Rechtsextremismus und zur Stärkung von Demokratie und Toleranz. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bietet es seit 2002 an. Der Programmname "Entimon" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Würde" oder "Respekt". Der Schwerpunkt des Programms liegt auf der Förderung von Projekten, die im Rahmen der politischen Bildung innovative und modellhafte Praxisansätze entwickeln und umsetzen. Die Forschungsgruppe Jugend und Europa am C·A·P erarbeitet in diesem Rahmen ein Methodenhandbuch. Das in der Folge vorgestellte Material stellt eine Empfehlung der Forschungsgruppe dar.

01.09.2006 · Forschungsgruppe Jugend und Europa


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Jeder dritte Jugendliche in Deutschland hat laut der Shell-Jugendstudie 2000 fremdenfeindliche Tendenzen und jeder zehnte Jugendliche ist laut einer Studie von Stöss / Niedermayer latent rechtsextrem. Einige Merkmale des Rechtsextremismus wie Gewaltbereitschaft und Ablehnung des politischen und gesellschaftlichen Systems decken sich mit Dispositionen einer großen Anzahl von Jugendlichen.

Die Jugend ist anfällig für Rechtsextremismus – und dessen politischen Vertreter haben dies erkannt. Mit zunehmend jugendnahen Methoden wie der Musik und gleichzeitiger Relativierung ihrer Radikalität wollen die scheinbar Harmlosen die Jugendlichen locken.

Die Ständige Konferenz des Innenminister und -senatoren hat eine Informations- und Aufklärungskampagne mit dem Titel "Wölfe im Schafspelz" gestartet. Sie beinhaltet einen Wettbewerb und Unterrichtsmaterialien für Schulen.

Das Unterrichtspaket besteht aus der Dokumentation "Rechtsextremismus heute - zwischen Agitation und Gewalt", dem Film "Platzangst" und einem Begleitheft mit Hinweisen zum Unterrichtseinsatz, sowie weiterführenden Informationen.

Die Dokumentation zeigt eindrücklich die neuen Strategien der rechtsextremen Szene zur Mitgliedergewinnung auf. Der "Kampf um die Straße" und der "Kampf um die Köpfe" wird an Hand von Interviews mit Aussteigern und Mitschnitten bei NPD- Veranstaltungen thematisiert. Dieses Material liefert dem interessierten Multiplikator solides Hintergrundmaterial, mit dem er/sie Schülern helfen kann, rechtsextreme Agitation zu identifizieren und zu begegnen. Das Begleitheft bietet hier weitere, interessante Informationen.

Der Film "Platzangst" von Heike Schober und René Zeuner zeigt in 64 Minuten wie der 16jährige Martin, der in einer rechtsextremen Clique ist, sich bei Theaterproben in die Aussiedlerin Marina verliebt. Der Spielfilm thematisiert die Faszination der rechtsextremen Subkultur und kontrastiert diese eindrucksvoll mit  dem Alltag. Martin muss sich zwischen seiner Freundin und seinem Lebensstil entscheiden.


Szene aus dem Film "Platzangst"

Wie so viele Jugendliche wird auch Martin mit Gegensätzen konfrontiert: Gruppengefühl und Zweisamkeit, individuelle und kollektive Erlebnissen, kreatives und destruktives Verhalten, Gefühle und Ideologie, Macht und Empathie, sowie Ruhe und Bewegung mit ihrer jeweils eigenen Faszination werben um den nach der eigenen Identität suchenden Jugendlichen.

Der Film ist differenziert, jugendnah und verzichtet bewusst darauf, eine klar sichtbare pädagogische Zielsetzung erkennen zu lassen. Die Jugendlichen können so unbelastet angeregt werden, sich unter Anleitung, aber auch eigenständig mit der Thematik Rechtsextremismus auseinander zusetzen.

Hierzu möchte das Begleitheft eine Hilfestellung bieten. Neben interessanten Links und Literaturempfehlungen bietet es Lehrhilfen für die Besprechung des Films. Die letzteren Materialien umfassen Rechercheaufgaben, Erarbeitung der filmischen Sprache, Szenenprotokolle und Interpretationshilfen. Diese Angebote sind gelungen und einfach einsetzbar.

Allerdings vernachlässigen sie die formale Interpretation des Films. Sie gehen deshalb davon aus, dass die Schlussszene des Filmes ein offenes Ende beinhaltet und Martin sich noch zwischen seiner Clique und seiner Freundin zu entscheiden hat. Denkbar ist jedoch auch die Interpretation eines vom Film vorgezeichneten Endes. Diese bieten wir als Download an. Wir hoffen dadurch eine alternative Grundlage für die pädagogische Vorbereitung anbieten zu können.

Leider fehlen in dem Begleitheft auch Informationen zur Entstehung des Films. Diese sind unter www.platzangst-film.de zu finden. Zudem möchten wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass die Regisseurin des Films, Heike Schober, Schulveranstaltungen anbietet (info@platzangst-film.de).

Insgesamt ist das Angebot der Polizei eine gute Ergänzung für den Unterricht ab der 7. Klasse und kann, je nach Kenntnisstand der Schüler, eingesetzt und ergänzt werden. Als Grundlage eignet es sich zur Auseinandersetzung mit dem Thema mit Schülern bis zur 10. Klasse.


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