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Sprache – Macht – Demokratie

Neues Projekt der "Akademie Führung & Kompetenz" befasst sich mit Zuwanderung und Integration

Die Akademie Führung & Kompetenz ist in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Jugend und Europa für die Koordination und inhaltliche Gestaltung eines zweijährigen entimon-Projektes verantwortlich (März 2005 - Dezember 2006), das sich mit Zuwanderung und Integration befasst.

20.05.2005 · Akademie Führung & Kompetenz


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Das Projekt geht vom Thema der interkulturellen Dimension von Sprache als spezifisch relevantem Zugang zur Problematik der Einwanderungsgesellschaft aus. Es weitet diesen Zugang gesamtgesellschaftlich aus und möchte damit einen integrierten Ansatz anbieten, der das Bildungsangebot für die Einwanderungsgesellschaft insgesamt systematisiert und Integration umfassend verwirklichen hilft und als Leistung von Zuwanderern wie Aufnahmegesellschaft verdeutlicht.

Die Kombination von Sprachenlernen mit interkultureller Erziehung und Demokratie-Lernen muss gestärkt werden. Es geht darum die Vielfalt von Sprache(n) zu erkennen und anzuerkennen und zu realisieren, dass mit einer Sprache auch immer eine bestimmte Sicht auf die Welt verbunden ist. Es gilt, die eigene und fremde sprachliche Identität gelten zu lassen und zu stärken. Kreative Ideen für den Umgang mit sprachlicher Vielfalt sollen entwickelt und produktiv für ein demokratisches Miteinander genutzt werden. Die Bedeutung der Verbindung von Sprache, Identität und Macht im gesellschaftlichen Zusammenleben, auch und gerade in Einwanderungsgesellschaften, ist in Integrationskursen wie in Angeboten außerschulischer Bildung für die Aufnahmegesellschaft zu thematisieren. Sprache ist als "kulturelles Menschenrecht" erfahrbar zu machen - sowohl für die Aufnahmegesellschaft als auch als Herkunftssprache der Zuwanderer.

Verbunden damit gilt es, das Augenmerk im Kontext der Einwanderungsgesellschaft verstärkt auf die Ressourcen und Qualifikationen von Zuwanderungen zu lenken und diese gezielter für die Gesamtgesellschaft nutzbar zu machen. Talente und Qualifikationen, die nicht unmittelbar dem Arbeitsmarkt zugeführt werden können, gehen aufgrund des defizitären Ansatzes in pädagogischen Maßnahmen mit Zuwanderern häufig verloren. Erst jüngst weisen Studie das Potential und die Realität gesellschaftlichen Engagements von Zuwanderern nach. Hier sind Kriterien und didaktische Ansätze zu präzisieren, die als Rahmenstandards für die inhaltliche Arbeit in Integrationskursen gelten können. Daraus können gezieltere Maßnahmen entwickelt werden, die neben dem Sprachaspekt auch andere, bisher defizitär behandelte Ressourcen von Zuwanderern stärker in den Mittelpunkt von Integrationsbemühungen stellen. Der ressourcenorientierte Ansatz ist aufgrund der Vorherrschung defizitär orientierter Diskurse um Sozialabbau und der damit verbundenen Problematik der Ablehnung von Zuwanderung auch für die Aufnahmegesellschaft notwendig. Hier gilt es, bestehende Potentiale und Talente in den Mittelpunkt zu stellen, zu stärken und zu fördern, um produktive Perspektiven für den Umgang mit Vielfalt in der Einwanderungsgesellschaft zu schaffen.

Multiplikatorenausbildung und Implementierung

Zusammen mit den bereits getesteten und publizierten Materialbänden "Zuwanderung und Integration" sowie "Demokratie – Just do it?!" soll für "Sprache – Macht – Demokratie" ein Netzwerk von Multiplikatoren ausgebildet werden, das sowohl allgemeine für Fragen von Migration und Zuwanderung sensibilisieren kann als auch im Kontext von Integrationskursen spezifische Kompetenzen für den wertschätzenden Umgang mit dem Themenkomplex Sprache – Macht – Demokratie erwirbt und diese weitergeben kann. Damit soll eine gesamtgesellschaftliche Orientierung der Ausbildung erreicht werden, die jenseits von Einzelmaßnahmen umfassender und systematischer fundiert ist und ein breites Spektrum abdeckt.

Die Multiplikatorenausbildung ist aufgrund bisheriger Erfahrungen wesentlich länger und praxisorientierter angelegt und wird für spezifisch ausgewählte Personen angeboten, die eine weitere Implementierung garantieren können. In die Multiplikatorenausbildung werden ein Praxisprojekt sowie anschließende Supervision integriert, um die Qualität der Programme und den Praxiseinsatz nachhaltig zu sichern.

Fachgruppe

Aufgrund der Erarbeitung der Materialien sowie der Praxiserfahrungen sollen mit einer Fachgruppe aus Praktikern und Kooperationspartnern Kriterien und Empfehlungen entwickelt werden, wie die Arbeit mit Zuwanderern als auch mit Zielgruppen der Aufnahmegesellschaft einschließlich rechtsorientierter Personen systematischer und kohärenter gestaltet werden kann, um gesamtgesellschaftlichen Nutzen zu optimieren. Ausgangspunkt bildet das eigene wissenschaftliche Gutachten "Konfliktfähige Toleranz", das aufgrund der Analyse bestehender Praxisansätze allgemeine Qualitätskriterien für Demokratie lernen und interkulturelle Erziehung in der deutschen Einwanderungsgesellschaft formuliert hat.

Für die Arbeit der Fachgruppe soll das Organisationsentwicklungsverfahren der "Appreciative Inquiry", das bisher vereinzelt in Deutschland in Quartiersmanagement, Mediationsausbildungen und Zukunftswerkstätten eingesetzt wird und wesentlich produktivere und nachhaltigere Ergebnisse als defizitorientierte Ansätze aufzeigt, Anwendung finden. Es soll für den Kontext der Zuwanderungsgesellschaft spezifiziert werden und eine neue Richtungsbestimmung konkretisieren. Die Empfehlungen werden öffentlichkeitswirksam präsentiert und sollen zu einer fokussierten Fachdiskussion über die Zukunft der Einwanderungsgesellschaft anregen.


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