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„Deutschland ist unwichtiger geworden“

Ein Politologe über die abgekühlte Beziehung zwischen Berlin und Washington - Interview mit Prof. Dr. Werner Weidenfeld

07.06.2011 · Abendzeitung


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AZ: Herr Weidenfeld, ist das Verhältnis zu den USA abgekühlt?

WERNER WEIDENFELD: Sagen wir so: Die Substanz, auf der sich beide Länder bewegen, ist dünn geworden. Jahrzehntelang waren Deutschland und die USA aufeinander angewiesen. Im Kalten Krieg war Deutschland ein wichtiger Partner für die USA – Großbritannien war kein zentraler Player, die Beziehung zu Frankreich konfliktreich.

Und das ist jetzt anders?

Zunächst mal ist Europa aus Sicht der USA unwichtiger geworden – heute orientieren sich die Amerikaner stärker in den pazifischen Raum, nach Asien. Und innerhalb Europas ist auch die Rolle Deutschlands unwichtiger geworden.

Liegt das zum Beispiel an der Libyen-Enthaltung?

Das hat schon viel früher begonnen. Das deutsche Abstimmungsverhalten hat den in den USA vorherrschenden Grundeindruck nur bestätigt.

Aber woran liegt’s dann?

Früher hatten wir auf beiden Seiten eine transatlantische Elite. Politiker, die sich gegenseitig in die Lage des anderen versetzen und die Politik durch die jeweils andere Brille sehen konnten. Diese Elite ist aber völlig erodiert. Jetzt ist eine neue Politikergeneration an der Macht, die damit nicht mehr viel anfangen kann. Das sieht man schon bei Angela Merkel: Sie berichtet zwar gerne von ihrer USA-Sehnsucht in der DDR. Aber sie ist nicht in der amerikanischen Symbolwelt zuhause.


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