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Was tun fürs Verhältnis Deutschland - USA?

Interview mit Werner Weidenfeld über die Folgen des Streits in der Irakpolitik

Was ist zu tun, um das deutsch-amerikanische Verhältnis wieder zu verbessern? Darüber sprach RHEINPFALZ-Redakteur Ralf Joas mit Prof. Dr. Werner Weidenfeld. Der Politikwissenschaftler und USA-Kenner ist Direktor des Münchner Centrums für angewandte Politikforschung.

28.02.2003 · Die Rheinpfalz


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Im Gefolge des politischen Streits über die Irak-Politik wächst offenbar bei Deutschen und Amerikanern das gegenseitige Misstrauen. War die jahrzehntelang beschworene Partnerschaft zwischen beiden Ländern nur eine Illusion?

Wenn man die deutsch-amerikanischen Beziehungen in einem größeren historischen Zusammenhang betrachtet, stellt man fest, dass diese immer ambivalent waren. Auf der einen Seite haben die Deutschen die USA bewundert, waren fasziniert von der neuen Welt, von ihrer Dynamik, vom Freiheitsethos. Andererseits war stets eine gewisse Distanz, ja Verachtung gegenüber Amerika spürbar wegen der scheinbaren Unberechenbarkeit, wegen des vorgeblichen Mangels an Kultur. Diese Ambivalenz wurde während des Ost-West-Konflikts ausnahmsweise ausgehebelt, als ein großer weltpolitischer Konflikt beide Kontinente zusammengeschweißt hat. Diese Bindung lockert sich nun, und jetzt stellt sich wieder die alte Ambivalenz ein.

Die derzeitige Verstimmung ist also kein Anlass für übertriebene Dramatik?

Da gilt es zu unterscheiden: Historisch gesehen erleben wir eine Normalisierung. Aus tagespolitischer Sicht ist die momentane Entwicklung allerdings von höchster Dramatik.

Was ist schief gelaufen, dass es zu dieser Situation kommen konnte?

Von seiten der Politik wurde übersehen, dass die eben beschriebene Verbindung nach dem II. Weltkrieg ein ganz außergewöhnlicher Sachverhalt war, der nicht zuletzt durch sehr intensive Initiativen Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre gefördert wurde. Je weiter der Ost-West-Konflikt in die Vergangenheit rückt, umso dringlicher stellt sich die Frage, wie sich diese Verbindung auch in Zukunft am Leben erhalten lässt. Es ist kurzsichtig und unhistorisch, dass wir uns einer neuen historischen Herausforderung gegenübersehen, ohne dass darauf eine neue strategische Antwort gegeben wird. Beide Seiten haben nicht viel Mühe auf einen solchen strategischen Dialog verwandt.

Was spricht aus deutscher Sicht heute für enge Beziehungen zu den USA?

Da ist erstens die sicherheitspolitische Gefährdung. Wenn sich diese Gefährdung künftig stärker auf Deutschland konzentriert, wird für jedermann erkennbar werden, dass weder die Deutschen noch die Europäer diese Herausforderung allein bewältigen können. Eine andere Begründung für enge Beziehungen liefert die Wirtschaft. Der Handel zwischen Europa und den USA macht den mit Abstand größten Anteil am Welthandel aus. Würde das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA langfristig tief beschädigt, hätte das für uns auch dramatische wirtschaftliche Konsequenzen. Es gibt also gewichtige Gründe darüber nachzudenken, wie sich eine deutsche Führungsrolle beim Zusammenwachsen Europas verbinden lässt mit einem Brückenbau im transatlantischen Verhältnis. Das ist unsere außenpolitische Mission.


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