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KAS-Stipendiaten sezieren die 'Herausforderung Komplexität'

Handeln in einer vernetzten Welt - Tagung am C·A·P

10.05.2015 · C·A·P


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30 Stipendiatinnen und Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung tagten von 17. bis 19. April 2015 am Centrum für angewandte Politikforschung zum Thema „Herausforderung Komplexität - Handeln in einer vernetzten Welt“. Zu ihrem Kompaktseminar begrüßte Sie Professor Werner Weidenfeld am C·A·P. und gab einführend und fachkundig Einblick, wie komplex das Praxisfeld der Politik heute ist und über welche Möglichkeiten die angewandte Politikforschung verfügt, um Komplexität zu reduzieren, den politischen Entscheidungsprozess zu begleiten und Politik besser zu vermitteln.

Jeden Tag muss unser Gehirn 100.000 Begriffe konsumieren und rund 60.000 Gedanken verarbeiten. Eurokrise, Klimawandel, Finanzkrise, Konflikte und Kriege – mit Computern versuchen wir die Wirklichkeit und die Zukunft zu simulieren und scheitern bereits an kleinen Teilsystemen, so dass wir vor unerwarteten Börsencrashs stehen oder verzweifelt Hilfspakete schnüren. Die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung wählten für ihr Kompaktseminar einen multidisziplinären Zugang, um sich dem Thema Komplexität aus historischer, mathematischer, psychologischer und gesellschaftspolitischer Perspektive zu nähern. Was bedeutet Komplexität? Wie können wir mit Komplexität umgehen? Und vor allem: Wo liegen unsere Grenzen?

Um diese grundsätzlichen Fragen kreisten die Vorträge und Diskussionen der Referenten und Seminarteilnehmer. Nach der freundlichen Begrüßung und Einführung aus politikberatender Sicht durch Professor Weidenfeld spannte Professor Klaus Mainzer (TU München) den Bogen in seinen wissenschaftstheoretischen Ausführungen weit auf – von der mechanischen Rechenmaschine des Blaise Pascal von 1642 bis zu den heutigen Innovationen des Internets der Dinge, der digitalen Revolution und der Industrie 4.0. Ohne ethisch-moralischer Überzeugung, so Professor Mainzer, ließen sich auch in Zukunft die Debatten um ein „gesundes“ Verhältnis von Mensch und Maschine nicht führen.

Praktisch erfahrbar wurde „Komplexität“ auch durch den Vortrag von bzw. in der Diskussionsrunde mit dem Bundestagsabgeordneten Paul Lehrieder. Dieser berichtete höchst engagiert  aus dem aktuellen politischen Geschehen im Bundestag und führte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Komplexität eines Gesetzesgebungsverfahrens am Beispiel der „Frauenquote“ und allerlei anderer aktueller Fragen der Arbeits-, Sozial- und Familienpolitik vor Augen.

Wie sehr die individuelle Wahrnehmung und das kognitive Bewusstsein das menschliche Verständnis von „Komplexität“ prägen und z. T. auch verzerren, darüber gab Christoph Burkhardt vom Lehrstuhl Wirtschafts- und Organisationspsychologie der LMU München fachkundig Auskunft. In einem interaktiven Spiel erlebten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hautnah, wie sich Komplexität und nicht-lineare Dynamik anfühlt.

Eine andere Perspektive brachte die Diplomstatistikerin und Geschäftsführerin von STATUP statistical consulting, Katharina Schüller, in die Diskussion ein. Eindrucksvoll legte sie die Chancen und aber auch Grenzen statistischer Werkzeuge beim Umgang mit Komplexität dar, wobei deutlich wurde, dass Statistik als objektives Tool missverstanden und auch politisch missbraucht werden kann. Daran anknüpfen ließ sich der Vortrag von Dr. Werner Eberl, Chaosforscher und Geschäftsführer der Gesellschaft für Präsentationen in Datennetzen mbH, der über Mathematik hinter nicht-linearen, dynamischen Systemen referierte.

Insgesamt wurde deutlich, dass verschiedenartige Komplexitäten für Menschen in allen Bereichen eine Herausforderung darstellen. Nicht zuletzt treibt die Digitalisierung die Vernetzung von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft weiter an. Diese systemischen Abhängigkeiten globalen Ausmaßes führen dazu, dass die Folgen von Handlungen immer schwieriger vorhersagbar sind. Vor diesem Hintergrund und unter diesen Bedingungen sind sowohl eine multiperspektivische Erforschung komplexer Systeme als auch die Suche nach Antworten auf Fragen ethisch-moralisch bedenklicher Aspekte des Handelns heute von signifikanter Bedeutung.


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