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Aufbruch in eine neue musikalische Stadtkultur

Workshop u.a. mit Maestro Valery Gerghiev und Paul Müller am Centrum für angewandte Politikforschung

08.10.2013 · C·A·P


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In Kooperation mit den Münchnern Philharmonikern fand nun bereits zum zweiten Mal unter Leitung von Prof. Werner Weidenfeld ein interdisziplinärer Workshop zum „Aufbruch in eine neue musikalische Stadtkultur“ statt. Initiiert wurde das innovative und hochkarätig besetzte Format durch Paul Müller, Intendant der Münchener Philharmoniker und Prof. Werner Weidenfeld, Direktor des C·A·P.  Die Teilnehmenden waren im Vorfeld des Workshops dazu aufgefordert, zukünftige Optionen zur Förderung musikalischer Stadtkultur zu durchdenken und diese in der Runde zu präsentieren.


Maestro Valery Gierghiev erläutert seine Vision, nachdem er von Prof. Weidenfeld herzlich am C·A·P begrüßt wurde.

Den Auftakt bildeten die beiden Impulsvorträge von Maestro Valery Gerghiev, dem zukünftigen Chefdirigenten der Münchener Philharmoniker ab 2014 sowie des Münchener Soziologen Prof. Armin Nassehi. Sie stimmten  die Teilnehmer auf das Spannungsfeld zwischen klassischer Musikwelt und den sich wandelnden Parametern in der heutigen Gesellschaft ein. Zwei Trends seien derzeit zu beobachten. Einerseits könne man eine hohe Affinität zu klassischen Konzerten und Aufführungen konstatieren, andererseits sei eine zunehmende Einschränkung auf spezifische, eher gehobene Schichten spürbar. Dabei werde hier unnötig eine gesellschaftliche Segregation aufgebaut, denn im Kindesalter sei durchgängig eine hohe Begeisterungsfähigkeit für klassisch-musikalisches Erleben vorhanden. Es sei also die klare Aufgabe des Kulturbetriebes, die Zugänge zur klassischen Musik unabhängig von den finanziellen Möglichkeiten und der gesellschaftlichen Zugehörigkeit zu ermöglichen. Gleichzeitig müsse sich aber auch der etablierte Kulturbetrieb selbstkritisch hinterfragen und bereit sein, neue Wege klassischen Musikerlebens und klassischer Musikvermittlung  zu beschreiten - auch jenseits der engen Konzertsaalmauern.


Prof. Armin Nassehi bei seinem Impulsvortrag zum Wandel der Stadtkultur und den Anforderungen an die Vermittlung klassischer Musik

Beispielhaft waren die Münchener Philharmoniker selbst in jüngster Zeit mit zwei spektakulären Aktionen vorangegangen, wie mit einer auf YouTube eingestellten Einspielung der ‚FC Bayern München -Hymne’ anlässlich des Champions League Finale im Mai sowie einem Überraschungsauftritt in der Münchener Feier-Location  ‚Postgarage’.


Paul Müller – Intendant der Münchner Philharmoniker und Initiator des Workshopformats am C·A·P 

Im Anschluss diskutierten rund  20 namhafte Vertreter aus Wirtschaft und Wissenschaft, Philosophie und Kultur lebhaft die aufgeworfenen Fragestellungen.  Vor allem die eingebrachte Idee von den ‚schmutzigen Orten’, an die sich der klassische Kulturbetrieb herantrauen müsse, wurde leidenschaftlich, aber durchaus auch kontrovers diskutiert. Denn im Kern stellt sich hierbei die Frage, ob dadurch nicht die potentielle Aufgabe der Vermittlung genuiner ästhetischer Werte zugunsten einer hedonistischen Spaßkultur aufgegeben werde oder ob man nicht zu derartigen Wegen verpflichtet sei, um nicht die Option zu ´verschlafen’, innovative Wege klassischer Musikvermittlung zu beschreiten.

Fotos: Doerthe Winter-Berke, C·A·P


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