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Teure Energiewende

Thomas Kästner, Energieexperte bei Ernst & Young, zu Gast im C·A·P-Forschungskolloquium

19.06.2012 · C·A·P


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„Sowohl der Finanzerungs-, als auch der Investitionsbedarf steigt durch die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende in enorme Höhen und ist unter den gegebenen Umständen kaum zu bestreiten“, erklärte Thomas Kästner bei seinem Besuch am C·A·P. Kästner, der mittlerweile bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young für den Energiebereich zuständig ist, hat sich schon zuvor, bei unterschiedlichen Energieversorgern, mit dieser und ähnlichen Fragestellungen auseinandergesetzt. Als ehemaliger Justiziar für Energierecht sowohl bei der PreussenElektra als auch bei E.ON Energie. wo er späterer die Leitung der Abteilung Energiepolitik übernahm, gilt Kästner als ausgewiesener Kenner Energiepolitik. Nach Berechnungen des Bundesumweltministeriums erfordert die Energiewende Investitionen in Höhe von circa 202 Mrd. Euro, wovon allein 10% für den Netzausbau anfallen.


Bei Ernst & Young ist Kästner für den Deutschen Energiewende-Index (DEX) verantwortlich, der vor kurzem in Zusammenarbeit mit der Deutschen Energie-Agentur entwickelt wurde. Der DEX basiert auf einer Befragung von Vorständen und Geschäftsführern aus verschiedenen Sektoren – wie etwa Netzbetreiber, Anlagenbauer, Kabelhersteller oder Baunternehmer – sowie Vertretern von Politik und Interessenverbänden. Auf einer Skala von 0 (negativ) bis 200 (positiv) wird künftig quartalsweise ein Stimmungsbild zur Lage der Energiewende erhoben. „Jeder, der die Folgen der Energiewende und den Handlungsbedarf abschätzen möchte, wird sich an diesem Gradmesser orientieren können“, so Kästner bei der Vorstellung der Ergebnisse der ersten Befragung.

Vor allem die deutsche Wirtschaft blickt dem Ausstieg aus der Atomenergie skeptisch entgegen. Der Wirtschaftsstandort Deutschland sei insgesamt auf dem Prüfstand und während zwar der Beitrag zur Umweltverträglichkeit als positiver Punkt der Wende gesehen wird, sorge man sich zunehmend um die Versorgungssicherheit und den steigenden Wettbewerbsnachteil (DEX: 73,0). Unter anderem auch deshalb, weil die rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen sehr zu wünschen übrig lassen, da sie teils fehlen oder schlichtweg unzureichend seien (DEX: 38,5).

Eine deutlich positivere Einschätzung zur Energiewende kam stattdessen von Seiten der Politik und Interessensverbänden. Überwiegend aus der Erneuerbaren Energien- und Energieeffizienbranche lassen sich Werte zur Wende ausmachen, die bei einem DEX-Wert von 121,3 liegen. „Diejenigen, die damit Geld machen können, finden es toll, die Anderen nicht“ vereinfacht Kästner die Egebnisse.

Ob die Energiewende möglicherweise scheitert? Ein großes Problem sei die mangelnde Bereitschaft zur Investition aufgrund fehlender Anreize von Seiten der Politik. „Nicht alle Investitionen fließen in die Energiewende, sondern dorthin, wo es weniger Risiko beziehungsweise mehr Rendite gibt“, so der Wirtschaftsberater. Eventuell kann dies nur durch Subventionspolitik gelöst werden und es scheint, als warte die Wirtschaft nur darauf.


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