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Die Medien als Mittler zwischen Politik und Bürgern

Peter Schmalz zu Gast im C·A·P-Kolloquium

10.06.2011 · C·A·P


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Peter Schmalz, der Chefredakteur des Bayerischen Monatsspiegels und einer der führenden Journalisten Deutschlands, begann seinen Vortrag mit einem Hinweis auf die im Art. 5 des Grundgesetztes verankerte Pressefreiheit. Zwar sei diese Problematik heute nicht mehr so präsent, aber die Erfahrungen mit dem Dritten Reich, oder in abgeschwächter Form auch mit der Zensur in der DDR, machten die verfassungsrechtlich garantierte Pressefreiheit zu einem hohen Gut. Für Schmalz spielen die Medien in einer Demokratie eine herausragende Rolle. Ein funktionierendes demokratisches Gemeinwesen lebt von der Beteiligung seiner Bürger und dafür bedürfe es der umfassenden Information durch die Presse. Für Deutschland sei daher die breit gefächerte Medienlandschaft von besonderer Bedeutung.

In diesem Kontext sprach Schmalz, der seine Karriere bei der „BILD“ Zeitung begonnen hat und im Anschluss viele Jahre für „Die Welt“ tätig war, auch die Problematik der neuen Medien an. Einerseits besteht hierbei eine Konkurrenz zwischen den kostenpflichtigen Print-Medien und quasi frei zugänglichen Inhalten im Rundfunk und dem Internet. Außerdem führt die Zunahme an nicht redaktionell bearbeiteten Inhalten, etwa in Form von Blogs, zu einer Abnahme der Qualität der veröffentlichten Informationen. Obwohl Schmalz diese Form der neuen Medien nicht per se verurteilen wollten, wünschte er sich dennoch ein größeres Maß an Faktenorientierung statt bloßer Meinungsmache.


Peter Schmalz und Prof. Dr. Werner Weidenfeld

Grundsätzlich wies er auch die Kritik zurück, die Medien würden „Politik machen“ oder dem Hang zur Skandalisierung unterliegen. Richtig sei hingegen, dass die Presse Themen aufgreife, deren Zeit reif ist. Als Beispiel hierfür nannte er etwa die außerehelichen Eskapaden eines bayerischen Landespolitikers oder die Missbrauchsvorwürfe bezüglich der Odenwaldschule. Obwohl beide Sachverhalte den Medienvertretern seit längerem bekannt waren, kam es erst zum Skandal, als sie in der Öffentlichkeit zu einem echten Thema wurden. Durchaus kritisch äußerte Schmalz sich in diesem Kontext allerdings über die „Hetze nach Schlagzeilen“.

Besonders betonte Peter Schmalz, der vor seiner heutigen Tätigkeit Chefredakteur der Wochenzeitung „Bayernkurier“ war, im Zusammenhang mit der politischen Berichterstattung die unvermeidliche Nähe zwischen Politik und Medien. Für beide Seiten sei ein vertrauensvoller Umgang miteinander wichtig, ohne sich dabei jedoch zu sehr auf eine Seite ziehen zu lassen. Bei aller Nähe muss eine gewisse, kritische Distanz gewahrt bleiben. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg nannte Schmalz als Beispiel für einen Politiker, der den Umgang mit den Medien auf natürliche Art und Weise perfektioniert hatte. Gleichzeitig beschrieb er den ehemaligen Verteidigungsminister aber auch als einen „Zauberlehrling“, der die Geister, die er rief, nicht mehr los wurde.

Die Entwicklung der deutschen Presselandschaft bleibt auch in Zukunft ein spannendes Thema. Neue Angebote, sowohl die zunehmende Unterhaltungsbranche in den etablierten Medien, aber auch das Internet als expandierendes Medium werden wohl zu einem veränderten Verhältnis von Medien und Politik führen. Hinzu kommt auch ein abnehmendes Interesse der Bevölkerung an fundierter, politischer Berichterstattung. Schmalz fasst dies in einem prägnanten Satz zusammen: „Medien brauchen die Politik nicht.“


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