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PARKing Day - Raum für Demokratie

Ein Experiment in der politischen Bildungsarbeit

06.10.2011 · Akademie Führung & Kompetenz


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Aus dem Seminarraum auf die Straße! Mit diesem Aufruf luden die Akademie Führung & Kompetenz am C·A·P und das DGB Bildungswerk München im Rahmen des PARKing Day von Green City e.V.  zu einem Experiment in der politischen Bildungsarbeit ein.


Der PARKing Day ist eine öffentliche Veranstaltung zum Europaweiten Autofreien Tag. PARK(ing) bedeutet, Grün ins triste Grau der Stadt zu bringen und Parkplätze alternativ zu nutzen. Mit einfachen Mitteln entstehen kleine Oasen im Großstadtdschungel. Das weltweite Event findet jährlich in Metropolen wie San Francisco, New York, London, Valencia, Rio de Janeiro, Toronto und Melbourne statt.

In München wurden insgesamt 25 Parkplätze von verschiedensten Akteuren und Initiativen lebendig gestaltet. Die Stadtkarte zeigt die stadtweiten Standorte.

Raum für Demokratie – ein gewagtes Experiment

Politische Bildungsarbeit, ob schulisch oder außerschulisch, findet meist in designierten Räumen statt. Insbesondere Seminarräume, Bildungshäusern, Schulen oder Vereinsräumen.  Der öffentliche Raum, Strassen, Gehwege, Parkplätze und Grünflächen sind seltener Austragungsstätten für Demokratiebildung. Gleichzeitig finden an diesen Orten viele Aspekte unseres gesellschaftlichen Miteinanders statt. Hier entstehen auch Konflikte; Nutzungskonflikte des öffentlichen Raumes, Lärmbelästigung und das Zusammentreffen von unterschiedlichen sozialen Milieus, um nur ein paar zu nennen.

Anstatt Menschen zur Bildungsseminaren einzuladen, tragen wir die Bildungsarbeit zu den Menschen. Das war der Ansatz den die Akademie Führung & Kompetenz und das DGB Bildungswerk München bei der Teilnahme am PARKing Day verfolgten. Auf einer Fläche von zwei Parkplätzen an der Ecke Sedanstrasse und Metzstrasse in Haidhausen rollten Katrin Kuhla und Hanno Langfelder - beide vom C·A·P - der Demokratiebildung den roten Teppich aus und stellten Stühle, Pinnwände und einen Tisch auf. Passantinnen und Passanten wurden ins Gespräch verwickelt und aufgefordert, sich über Demokratie und politische Bildungsarbeit Gedanken zu machen.

Auf einer Pinnwand wurden die spontanen Gedanken zur Frage „Wenn ich an Demokratie denke, was fällt mir ein....“ festgehalten. Die Antworten verblüfften in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit.


Mit zwei kurzen Übungen wurde Demokratie-Lernen veranschaulicht. Eine Abwandlung der Betzavta/Miteinander Kürbisübung lud Interessierte ein, sich spielerisch miteinander über unterschiedliche Nutzungswünsche für den Parkraum auszutauschen und innerhalb von 10 Minuten zu einer Entscheidung zu kommen. Anschließend wurde der Entscheidungsprozess reflektiert.

Alexander Klier, DGB Bildungswerk, bot einen kurzen und praktischen Einblick in das Argumentationstraining, einen Ansatz um eine schwindende politische Argumentationskultur wieder zu beleben und um einen rationalen Umgang mit Stammtischparolen zu fördern. Er veranschaulichte die wesentlichen Schritte: Vorrede – Wiederholung – eigene Position – Grund – Beleg – Abschluss. In der Kleingruppe wurde das Vorgehen exemplarisch getestet.

Politische Bildung im Öffentlichen Raum – ein erstes Fazit

Welches Potenzial bietet der öffentliche Raum und die darin stattfindenden Veranstaltungen für Demokratie-Lernen und politische Bildungsarbeit? Die unverbindliche Teilnahme macht Übungen schwer  planbar.  Die Aufmerksamkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer während den Übungen wurde – situationsbedingt - stark herausgefordert. Die Verweildauer und die Motivation sich auf Gespräche einzulassen, bedingen ebenfalls die Chancen politische Bildungsarbeit zum Einsatz zu bringen. Dennoch ist eine Sensibilisierung für die Themen der politischen Bildungsarbeit sowie die Trainingsansätze durchaus möglich. Der außergewöhnliche Kontext des PARKing Day regte das Interesse des Laufpublikums an und brachte somit Menschen auf neue Weise mit den Themen in Kontakt.

Politische Bildung im Öffentlichen Raum wirft Fragen auf:

  • Was ist die passende Dauer und Intensität der Übungen?

  • In wieweit öffnet sich ein Lernfeld für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer?

  • Wie kann die Bildungsarbeit an den Kontext einer öffentlichen Veranstaltung angepasst werden?

  • Wie verändert sich die Bildungsarbeit im Öffentlichen Raum?

  • Was sind die Grenzen und Horizonte dieser Art der Bildungsarbeit?

Diese und weitere Fragen gilt es aktiv zu klären, um die Wechselwirkung zwischen politischer Bildungsarbeit und öffentlichem Raum zu erkunden und die Effektivität dieses Ansatzes zu entdecken.

Als Vertiefung zum Thema empfehlen wir den Artikel von Alexander Klier, DGB Bildungswerk München, „Vom öffentlichen Ausgang des Demokratischen und der Rückkehr der Politischen Bildung in die Öffentlichkeit“.


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