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Begegnung in Kreisau

Erste deutsch-polnische Planspielschulung „Europas Klima wandeln!“

22.02.2011 · Forschungsgruppe Jugend und Europa


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Dank der Unterstützung des Informationsbüros des Europäischen Parlaments in München und auf Initiative der Forschungsgruppe Jugend und Europa am C·A·P wurde das in Deutschland erfolgreiche Planspiel „Europas Klima wandeln!“ erstmals bei in einem binationalen Multiplikatoren-Seminar in Polen eingesetzt. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung, dem Warschauer Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Deutsch-Polnischen-Jugendwerk konnte 25 Interessierten aus der Jugend- und Bildungsarbeit erstmalig eine Schulung auf Gut Kreisau in Niederschlesien angeboten werden. Die Teilnehmenden hätten vom Alter sowie dem jeweiligen persönlichen und beruflichen Hintergrund her nicht unterschiedlicher sein können: Neben erfahrenen Projektleitenden aus der Kinder- und Jugendarbeit, den Partnerorganisationen der Veranstalter und Pädagogen waren unter ihnen auch Jugendliche, die in Kreisau ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren wie auch Studierende aus beiden Ländern.


Europas Klima wandeln – die EU erleben

Deutschland und Polen sind gleichberechtigte Mitglieder der Europäischen Union. Ab Juli 2011 übernimmt Polen den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. Allerdings sinkt – gerade bei Jugendlichen in beiden Ländern – zunehmend das Interesse an Europa. Das Planspiel „Europas Klima wandeln!“ will dem nachhaltig entgegenwirken. Diese Simulation wurde mit Unterstützung des Informationsbüros des Europäischen Parlaments in Deutschland (Büro München) entwickelt und wird nunmehr in der vierten Staffel als Informationsreihe deutschlandweit erfolgreich an Schulen durchgeführt wird. Das Planspiel „Europas Klima wandeln!“ gibt den Teilnehmenden nicht nur einen kurzen, aber sehr präzisen Eindruck in die Arbeit der EU-Institutionen und die Gremien verschiedener Interessengruppen, sondern es soll auch Schülerinnen und Schüler für Europa begeistern.


Methodenschulung und EU-Qualifizierung

Unter Leitung von Eva Feldmann-Wojtachnia (Forschungsgruppe Jugend und Europa) erhielten die Seminarteilnehmer nicht nur eine weitreichende Einführung in die Methode des Planspiels, sondern auch das nötige EU-Grundlagenwissen. Inhaltlich beschäftigten sich die Teilnehmenden in Kreisau mit der EU-Klimapolitik. Denn Klimaschutz und die Diskussion um Atomstrom und erneuerbare Energiequellen zählen derzeit zu den großen Themen der Europäischen Union. Um die Simulation auch selbst zu erleben, erhielten die Seminarteilnehmer Rollenprofile mit einer neuen EU-Identität und mussten die Interessen ihres Herkunftslandes, ihrer Partei oder ihrer Lobbygruppe vertreten. Mit Hilfe von Kopfhörern und Simultanübersetzern entstand dabei eine Europa-Atmosphäre wie im echten Plenarsaal, wo es mittlerweile 23 Amtssprachen und 506 Übersetzungsmöglichkeiten gibt. Dieses Gefühl der „EU zum Anfassen“ wurde noch verstärkt als die polnische Europaabgeordnete Lidia Joanna Geringer de Oedenberg (MdEP) per Videobotschaft zu den Seminarteilnehmern sprach und erklärte, wo aus ihrer Sicht die größten Probleme in der Klimapolitik liegen und warum sie sich für den Klimaschutz auf Europa-Ebene einsetzt. Auch waren die Teilnehmer des Seminars bei der Auswertung der Planspielerfahrung selber dazu angehalten, sich Gedanken zur Entwicklung der Europäischen Union zu machen. Es wurde hier beispielsweise deutlich, dass die Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise ein zentraler Punkt für die Weiterentwicklung der Europäischen Union ist. Dies ist auch Teil der Agenda während der polnischen Ratspräsidentschaft.


Pädagogik & Politik

Ziel der Schulung war es, die integrative Kraft Kreisaus zu nutzen, um den Teilnehmenden Geschichte, Aufgaben und Herausforderungen der Europäischen Union zu verdeutlichen und ihnen die Methoden an die Hand zu geben, als Multiplikatoren in unterschiedlichen Kontexten in Deutschland und Polen europapolitisches Bewusstsein zu fördern. Nur so kann ein breiteres Europa-Interesse – gerade unter Jugendlichen – geweckt werden. Die Planspiel-Materialien, die vom C·A·P entwickelt und von der Konrad-Adenauer-Stiftung übersetzt wurden, dienen dabei als Grundlage für die Brücke zwischen erprobter pädagogischer Methodik und politikwissenschaftlichem Sachverstand.

Kreisau – geschichtsträchtiger Ort und zukunftsweisende Idee

Im Jubiläumsjahr 2011, zum 20jährigen Bestehen des deutsch-polnischen Freundschaftsvertrags, wurde der Tagungsort Kreisau für diese Schulung mit Bedacht gewählt: Als wichtige Stätte der deutsch-polnischen Beziehungen. Hier hatten sich drei Tage nach dem Berliner Mauerfall Bundeskanzler Helmut Kohl und der polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki zu einem Versöhnungsgottesdienst getroffen. 2009 - 20 Jahre später - kam Bundestagspräsident Norbert Lammert zu Besuch und brachte ein Stück Berliner Mauer mit, das nun neben dem Schloss – dem Haupthaus des Gutshofes – steht. Die Anlage wurde in der Zwischenzeit zu einer Internationalen Jugendbegegnungsstätte ausgebaut. Während das Schloss renoviert und die ehemaligen Wohn- zu Seminarräumen umgebaut wurden, ist das Berghaus – das ehemalige Wohnhaus der Familie von Moltke – zu einer interaktiven Gedenkstätte geworden.

Ideen des Kreisauer Kreises für Europa

Im Berghaus hatte sich einst der Kreisauer Kreis um Helmuth James von Moltke getroffen, um im Widerstand gegen die Diktatur des Hitlerregimes eine Ordnung für Deutschland und Europa zu erdenken. Die Kreisauer kamen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsgruppen. Trotzdem konnten sie sich bereits 1942 auf eine gemeinsame Europa-Idee verständigen, die sogar feste europäische Institutionen und die zu berücksichtigenden Länder beschreibt.

Im Zusammenhang mit dem Hitler-Attentat der Gruppe um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dem sich einige Mitglieder des Kreisauer Kreises während der immer aussichtsloser werdenden Kriegswirren angeschlossen hatten, wurde Helmuth James von Moltke am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee von den Nationalsozialisten erhängt. Seine Frau Freya hatte zuvor versprochen, die gemeinsamen Ideen alleine weiterzuführen. Den Wiederaufbau von Gut Kreisau zu einer Begegnungsstätte im Geiste des Kreisauer Kreises unterstützte sie bis zu ihrem Tod im Januar 2010 mit großem Interesse. Die Familie von Moltke ist mit Kreisau auch heute noch eng verbunden, Helmuths und Freyas Sohn Caspar von Moltke ist aktives Mitglied des Stiftungsrats.

Autorin: Carolin Töpfer

Jahrgang 1989, studiert Politikwissenschaften an der Hochschule für Politik in München, ist Praktikantin bei der Forschungsgruppe Jugend und Europa am C·A·P und war als Teilnehmerin des Planspiel-Seminars 'Europas Klima wandeln' in Kreisau.


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