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Prof. Etzioni im Gedankenaustausch zu Moral in der Politik
28.03.2011 · Forschungsgruppe Deutschland
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Nicht nur in der akademischen Welt hat der Name Amitai Etzioni einen herausragenden Klang: Seit nunmehr fünf Jahrzehnten gehört Etzioni, Professor für Soziologie an der George Washington University, zu den renommiertesten Vertretern seines Fachs. Seine Stimme findet weit über die Fachzirkel hinaus Gehör. Als „Guru“ des Kommunitarismus gefeiert, zählte er 2001 zu den 100 wichtigsten US-amerikanischen Intellektuellen. Zu einem Gedankenaustausch mit Professoren, Mitarbeitern und Doktoranden des Geschwister-Scholl-Instituts für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München besuchte Prof. Etzioni nun das Centrum für angewandte Politikforschung (C·A·P).

Prof. Amitai Etzioni und Prof. Werner Weidendeld
Seit vielen Jahren gilt das Hauptinteresse Etzionis der Suche nach dem Schlüssel für eine „gute Gesellschaft“ (good society). Doch gibt es diesen einen Schlüssel überhaupt? Nein, sagt Etzioni, denn die Demokratie westlicher Ausprägung tauge nicht zum weltweiten Export. Das Ziel von Interventionen wie im Irak könne es nicht ein, anderen ein Leben nach den Vorstellungen der westlichen Welt aufzuzwingen. Zwar seien Interventionen legitim, allerdings nur zum Ziel, Gewaltauswüchse zu unterbinden und Menschenrechte durchzusetzen. Eingriffe in Prozesse des Nation Building und die Etablierung demokratischer Strukturen könnten dagegen nicht zum Aufgabenkatalog solcher Missionen gehören, denn: Verhaltensweisen und Werte, die der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft eines Landes zugrunde liegen, gelten seit Jahrhunderten und sind tief in Traditionen verwurzelt. Sie zu verändern erfordere langsame und schwierige Prozesse, die in der Regel nicht von außen aufgezwungen oder gar beschleunigt werden könnten. So würde zwar die überragende Mehrheit der Menschen auf der Welt, gleich welcher Religion, für Frieden eintreten, aber nur eine Minderheit für eine Demokratie nach westlichem Maßstab.
In der von Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld moderierten Diskussion untermauerte Etzioni sein Anliegen und hatte dabei auch einen Rat für Deutschland parat: Die Bundesrepublik habe sich über Jahrzehnte als „model of peace“ bewährt. Warum sollte sie jetzt eine weitere „global shadow power“ werden wollen?
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