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Einmal EU und zurück

Der Strom der Zukunft – Seminar für Jugendliche in Loccum

26.09.2011 · C·A·P


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Am 01.09.2011 simulierten über 60 Jugendliche der Werner-Siemens-Berufsschule aus Hildesheim im Rahmen des Planspiels „Europas Klima wandeln“ die Gesetzgebung in der Europäischen Union. Eingebettet war die Simulation, die von der Forschungsgruppe Jugend und Europa am C·A·P im Auftrag des Informationsbüros des Europäischen Parlaments (Büro in München) entwickelt wurde, in die Tagung „Woher kommt der Strom der Zukunft? Wege zum Klimawandel in Europa“. Diese wurde vom 31.08.-02.09.11 unter der Leitung von Frau Dr. Susanne Benzler in der Evangelischen Akademie in Loccum für die angehenden Technikerinnen und Techniker angeboten.


Vor dem Hintergrund einer stetig sinkenden Wahlbeteiligung, besonders bei den Europawahlen (2009 beteiligten sich nur 27 % der 18-24-Jährigen in Deutschland) sowie der noch nicht abzusehenden Entwicklung des Klimawandels sollten die Schülerinnen und Schüler nicht nur die gewählten politischen Akteure und die mehrschichtigen Abläufe in der Entscheidungsfindung der EU kennen lernen. Sie erhielten so auch die Gelegenheit, sich ernsthaft mit der Frage auseinander zu setzen, wie wir in Zukunft unsere Energie gewinnen und welche Prioritäten wir in diesem Politikbereich setzen wollen. Atomkraft gilt für viele als unsicher, Kohle ist nicht unbegrenzt verfügbar und sorgt für einen hohen CO2-Ausstoß, erneuerbare Energien sind momentan noch sehr teuer. Welcher Weg ist also zu gehen? Und auf welche gemeinsamen physikalischen und ethischen Werte sollte man sich in Europa einigen? Als EU-Kommissar, Ratsmitglied, Journalist, Lobbyist oder Abgeordneter im Europäischen Parlament galt es, in eine fiktive Rolle zu schlüpfen. Nationale, parteipolitische und eigene Interessen waren im Laufe der Verhandlungen unter einen Hut zu bringen und für die neue „EU-Richtlinie zu der Elektrizitätsgewinnung aus erneuerbaren Energien“ musste eine Mehrheit organisiert werden.

Ausgangslage der Simulation war eine Richtlinie der Europäischen Kommission, die 20-20-20-Ziele der EU-Strategie zum Klimawandel für alle EU-Mitgliedstaaten verbindlicher machen sollte.

Nach einer kurzen Einführung in den Aufbau und die Strukturen der EU wurden zunächst die Rollen verteilt und die jeweiligen Rollenprofile eifrig studiert. In den schönen Seminarräumen der Evangelischen Akademie als EU-Kulisse begann man intensiv im Ministerrat der EU und im Europäischen Parlament zu diskutieren. Sollte man bis 2050 mehr als 50% CO2 einsparen? Und sollten wir weiterhin auf Atomkraft setzen? Die Lobbyisten bereiteten ausgeklügelte Präsentationen für ihre Anhörung im EP und im Rat vor. Die Parlamentarier arbeiteten ihre Änderungen in die neue Richtlinie zur Einsparung von CO2, zur Verbesserung der Energieeffizienz und Förderung der erneuerbaren und CO2-neutralen Energien ein. Professionell wurde gearbeitet, beraten und um jede Stimme hart gekämpft. Trotz großer Ernsthaftigkeit machte dies den Teilnehmenden auch eine Menge Spaß.

Leicht war es jedoch nicht, die eigene Rolle gut auszufüllen, wie beispielsweise die neue „EU Kommissarin“ Clara Isolde Kleinfeld berichtet: „Für mich ist das ganze nicht nur eine gute rhetorische Übung, ich verstehe jetzt auch, warum manch eine Entscheidung in der EU so lange auf sich warten lässt“.

Die Themen wurden durch die Simulation spielerisch und mit viel Witz den Jugendlichen nähergebracht. Für die fachliche Kompetenz sorgte neben den Mitarbeiterinnen des C·A·P (Eva Feldmann-Wojtachnia und Dr. Doerthe Winter-Berke) und den C·A·P-Teamern (Sebastian Schäffer und Max Nastula) der Besuch von Dirk Schröder-Brandi, dem stv. Vorsitzenden des seit über 30 Jahren bestehendem Energie- und Umweltzentrums am Deister. Er machte sich während des Seminars mit den didaktischen Möglichkeiten des Planspiels „Europas Klima wandeln!“ vertraut, war aber gleichzeitig während der Simulation in der in der Rolle als EU-Beraters für die Interessenverbände der „Green Europe“ und „Europe Energy“ wie auch für die EU-Kommssion tätig.

Letztendlich schaffte es das Europäische Parlament gegen Abend mit einer überragenden Mehrheit einen Standpunkt zur neuen Richtlinie mit wesentlich härteren Klimaschutzzielen als die der bestehenden 20-20-20-Strategie zu verabschieden. Später konnte sich auch der Rat der Europäischen Union sich auf in einen Gemeinsamen Standpunkt verständigen.

Autor: Max Nastula studiert Geschichte und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum und hat im Febraur 2011 in Kreisau die deutsch-polnische Planspielschulung der FGJE absolviert.


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