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20 Jahre nach der Versöhnungsmesse in Kreisau

Rückblick auf die deutsch-polnischen Beziehungen - Annemarie Franke zu Gast am C·A·P

03.02.2010 · C·A·P


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Der polnische Ort Kreisau steht als Symbol für die Versöhnung zwischen Polen und Deutschland nach Jahrzehnten der politischen Konfrontation. Kreisau steht jedoch auch für unermüdliches zivilgesellschaftliches Engagement für Frieden und Freiheit, woran die Stiftung Kreisau für europäische Verständigung seit ihrer Gründung 1989 mit ihrem Einsatz für den Dialog zwischen Ost- und Westeuropa erfolgreich anknüpft. Vor diesem Hintergrund beleuchtete Annemarie Franke, Vorstand der Stiftung Kreisau, in einem äußerst facettenreichen Vortrag im Rahmen des C·A·P-Forschungskolloquiums die deutsch-polnischen Beziehungen.


Franke schilderte die vorsichtigen Kontakte zwischen Vertretern der Zivilgesellschaft, der Kirche und der katholischen Laienbewegung aus beiden Ländern, die bereits lange vor der politischen Verständigung zwischen den beiden damaligen Regierungschefs Tadeusz Mazowiecki und Helmut Kohl existierten. Nach der Wahl Mazowieckis, einem der führenden Köpfe der polnischen Oppositionsbewegung, zum ersten nichtkommunistischen Ministerpräsidenten nach dem 2. Weltkrieg, fanden diese Initiativen mit der Versöhnungsmesse in Kreisau am 12. November 1989 ihren Höhepunkt, der gleichzeitig einen Neuanfang der Beziehung zwischen beiden Ländern bedeutete.

Getragen von der Symbolkraft der Ereignisse wurde Kreisau zum Ort der zivilgesellschaftlichen Verständigung, führte Franke aus. 1998 konnte die Begegnungsstätte feierlich eröffnet werden, in der seitdem unzählige Projekte und Seminare durchgeführt wurden. Auf politischer Ebene zeichnete sich jedoch ein Abkühlen der deutsch-polnischen Beziehungen ab. Der Streit um das Zentrum gegen Vertreibung rückte zunehmend in den Vordergrund und belastete das Verhältnis stark. Auf polnischer Seite führte die parallele Amtzeit von Jaroslaw Kaczynski als Ministerpräsident und Lech Kaczynski als Staatspräsident zu öffentlich geäußerten antideutschen Ressentiments auf politischer Ebene.

Franke machte zwar deutlich, dass sich die Beziehungen in den vergangenen Jahren wieder merklich verbessert hätten, nicht zuletzt aufgrund der bewusst kooperativen Linie der amtierenden Regierungschefs Donald Tusk und Angela Merkel. Eine emotionale Tiefe, wie sie bei den Ereignissen 1989 zum Ausdruck kam, könne heute jedoch nicht festgestellt werden. Franke schloss ihre Ausführungen mit dem Appell, künftig wieder verstärkt gemeinsame politische Interessen sowohl bilateral als auch im Kontext der Europäischen Union zu formulieren, um das Verhältnis zwischen den beiden Ländern nachhaltig zu stärken.


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