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Medialisierung der Politik

Forschungskolloquium mit Prof. Dr. Carsten Reinemann, LMU München

03.06.2009 · C·A·P


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Politische Prozesse, Themen und Institutionen sind immer auch bezogen auf oder konstituiert durch kommunikatorische Beziehungen. Wie relevant dieser Zusammenhang und die durch ihn ausgelösten Dynamiken für Gegenstände der Politikwissenschaft sind, wies Prof. Dr. Carsten Reinemann, Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München, beim Forschungskolloquium des Centrums für angewandte Politikforschung (C·A·P) nach.


Prof. Dr. Carsten Reinemann beim Bonner Medienforum der Friedrich-Ebert-Stiftung im Mai 2009. Foto: Katrin Heyer.

Reinemann fokussierte seine Darstellung auf den Prozess der 'Medialisierung der Politik', der zum einen bezogen sein kann auf eine Art Konvergenz der jeweiligen 'Wirklichkeiten', zum anderen auf eine gesteigerte Wahrnehmung und Bedeutungszuweisung durch Rezipienten bzw. Akteure. Als Gegenstand dieser Einwirkung der Medien auf Politik können verschiedene Ebenen betrachtet werden, etwa mit Hilfe der policy/politics/polity-Kategorisierung.

Einen Wandel konnte Reinemann in Bezug auf alle drei Kategorien konzeptualisieren und empirisch belegen. In vielerlei Hinsicht kommt eine Analyse dieser Veränderungen zu pessimistischen Ergebnissen: Das Vertrauen der Wähler in Politiker und politische Systeme sinkt, das Bedürfnis, kontinuierlich mit aktuellen politischen Informationen versorgt zu werden, ebenfalls. Mit der massiven Expansion und Differenzierung der Medienlandschaft gehen auch veränderte Partizipationsmuster einher: Ein immer geringerer Teil der Bevölkerung nimmt aktiv an politischen Prozessen teil.

Die Ökonomisierung journalistischen Arbeitens, die erhöhte Publikumsabhängigkeit sowie insgesamt die Beschleunigung von Informationsgewinnung und -vermittlung führen nach Aussagen von Reinemann zu Selbstreferentialität der Medien, zur Reduktion konkreter inhaltlicher Analysen und Bewertungen sowie zu einem Niedergang ethischer Prinzipien im Journalismus.

Reinemann präsentierte ein beeindruckendes Panorama empirischer Designs und konkreter Arbeiten zur Medienwirkung. Besonders interessant hierbei ist die Frage, inwieweit die Medialisierung auch auf die 'Hinterbühne' der Politik, auf konkrete Inhalte der Gesetzgebungsprozesse durchschlägt. Die Forschung steht hier noch am Anfang, doch zeigen sich auch hier teils deutliche Effekte der Medialisierung der Politik.


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