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Gesundheitstelematik im internationalen Vergleich

Wissenschaftliches Symposium in Tel Aviv zeigt enormes Potenzial der Telemedizin auf

07.02.2008 · C·A·P


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Telemedizin ist eine sinnvolle Ergänzung klassischer Versorgungsmethoden. Angewendet insbesondere bei chronischen Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder akuten Problemen wie Herzinfarkt steht sie für eine innovative Behandlungsform, die elektronische Mittel für Vorsorge und Behandlung nutzt. In einem telemedizinischen Zentrum mit elektronischer Patientenakte kann so der Kreislauf von ärztlicher Diagnostik und Therapiekontrolle mit einem Fernmonitoring durch die elektronische Übertragung  etwa von kardiologischen Vitalparametern medizinisch besser und kosteneffizienter organisiert werden. Ihr Potenzial und weitreichende Erfahrungen in anderen Ländern lassen erkennen, dass sie sich auch in Deutschland langfristig durchsetzen wird. In Israel etwa ist sie flächendeckend im Einsatz. Im Rahmen des Projekts "Telemedizin" konnten sich C·A·P-Direktor Professor Weidenfeld, die Forschungsgruppe Zukunftsfragen und eine hochkarätige Delegation aus Europa, den USA und Israel kürzlich in Tel Aviv in einem Symposium über ihre Einsatzmöglichkeiten und Vorteile informieren. Israel ist Benchmark, da das Land insgesamt ein dicht und kohärent organisiertes Gesundheitssystem mit optimierten Behandlungszyklen und Versorgungsmaßnahmen hat, das vergesellschaftete und private Versorgungskomponenten verknüpft und weltweit hinsichtlich Technik und Eigenverantwortung als besonders innovativ gilt.


Prof. Dr. Joachim Häcker, Prof. Dr. Werner Weidenfeld, Yaif Alroy (Co-CEO der SHL Telemedicine Ltd.), Prof. Dr. Berndt Lüderitz, Dr. Roland Delbos (v.l.n.r.)

Das Symposium titelte "Internationale Entwicklungen und Standards einer flächendeckenden telemedizinischen Versorgung: Israel – USA – Europa". Boaz Lew, stellvertretender Minister für Gesundheit des Staates Israel, führte vor diesem Hintergrund in das Thema "Innovative Gesundheitssysteme als Voraussetzung für Telemedizin" ein. Hierbei fließen in Israel rund 11 Milliarden US-Dollar jährlich in das nationale Gesundheitssystem. Das sind etwa 8 Prozent des Bruttosozialprodukts. Diese Mittel unterhalten 4 Krankenkassen, 29 Hospitäler und 21 psychiatrische Kliniken mit insgesamt 14.200 Betten. Das als hoch funktionsfähige geltende System schließt öffentlich-staatliche und private Einrichtungen ein; ein Drittel der Finanzierung ist privat. Private Finanzierungsanteile sind grundsätzlich beachtlich, gelten sie doch als wichtige Antreiber von Innovationen im Gesundheitssystem.

Die Wirksamkeit der Gesundheitstelematik wird mittlerweile durch zahlreiche Studien belegt. Sie ermöglicht es, Fortschritte in der Medizintechnologie mit ökonomischer Effizienzsteigerung zu verbinden. So bietet etwa das Telemonitoring die Möglichkeit, Rekonvaleszenten früher aus der stationären Behandlung zu entlassen und im privaten Umfeld weiter zu betreuen. Aus der Sicht der Beteiligten kann die medizinische Nachversorgung somit für die Patienten angenehmer und für die Akteure im Gesundheitssystem billiger gestaltet werden. Angesichts der Zunahme des Lebensalters  und der Anzahl chronischer Erkrankungen werden medizinische wie gesundheitsökonomische Aspekte der Versorgung immer wichtiger. Nach den Ausführungen des Rostocker Kardiologen Professor Christoph Nienaber leben alleine in Deutschland 1,6 Millionen Menschen mit Herzinsuffizienz und über 5 Millionen Menschen mit koronarer Herzkrankheit, die es heute und in Zukunft gut und ökonomisch vertretbar zu versorgen gilt. Weitere chronische Krankheiten wie Diabetes oder periphere Verschlusskrankheiten kommen zu diesem Potenzial hinzu.


Tagungsort: Das Medical Center (Ichilov) in Tel Aviv

Die Gesundheitstelematik zeigt hierfür praktikable Wege und überraschend gute Lösungen auf. Ein flächendeckender Einsatz der Technologie hat jedoch noch Hürden zu überwinden. Standards und einheitliche Verfahren gehören dazu. Die Geschäftsführung des weltweit führenden Anbieters von telemedizinischen Verfahren und Geräten, SHL Telemedicine Ltd, Tel Aviv, führte deshalb in die Thematik der Entwicklung telemedizinischer Standards in Israel und in den USA ein. Grundlagen und praktische Umsetzung der Telemedizin im klinischen Alltag sowie Erfahrungen der telemedizinischen Versorgung von kardialen Patienten in Israel rundeten das Programm des Symposiums ab. Der medizinische Nutzen der Telemedizin ist durch zahlreiche Studien belegt und sie wird international erfolgreich eingesetzt. Die USA stehen hier neben Israel als gutes Beispiel: Auch dort ist ein starkes Wachstum des Gesundheitsmarktes zu beobachten und Telemedizin gilt hier als probates Mittel, um die Kosteneffizienz der Behandlung signifikant zu steigern. Untersuchungen in Amerika haben gezeigt, dass der Einsatz der Gesundheitstelematik  unvorhergesehene Notfalleinweisungen verringern, Liegezeiten in Hospitälern einschränken und so die Kosteneffizienz steigern kann. Der Präsident der European Health Telematics Association, Dr. Martin Denz, wies sekundierend darauf hin, dass Telemedizin darüber hinaus ein Mittel sei, um die strategischen Ziele des "eHealth Action Plan" für alle Bürger der Europäischen Union zu erreichen. Diese von der Europäischen Kommission formulierten Ziele sind besserer Zugang, bessere Qualität und höhere Effizienz hinsichtlich der Gesundheitsdienste.


Der stellv. israelische Gesundheitsminister Boaz Lew

Der internationale Vergleich zeigte so die enorme Potenzialität der Telemedizin auf. Das in Europa und Deutschland gewollte Maß an medizinischer Qualitätssteigerung und Kosteneffizienz rückt mit ihrem Einsatz in große Nähe. Mit Blick auf Deutschland aber gilt: Eine Innovation gesundheitstelematischer Instrumente und Prozesse hat die besonderen Eigenheiten des deutschen Gesundheitssystems zu berücksichtigen, obwohl eHealth innerhalb der angestrebten integrierten Versorgung und Managed Care Programmen als eine wesentliche Komponente der Optimierung in der Gesundheitsversorgung gilt. Es bleiben konkrete Anforderungen, die in Deutschland erfüllt werden müssen:

  • Kompatibilität der technischen Systeme;
  • Zwingende datenschutzrechtliche Aspekte;
  • Überführbarkeit von regionalen Projekten in den bundesweiten Regelbetrieb;
  • Einbindung in die Prävention;
  • Wende von der Nachsorge zum Risikomanagement.

Angesichts dieser Problematiken hob der Gesundheitsökonom Prof. Volker Amelung die Voraussetzungen der Funktionsfähigkeit telemedizinischer Instrumente in Israel hervor. Hier spielten die Einbindung der Ärzte, die stärkere Eigenverantwortung der Patienten und die adäquaten rechtlichen Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle. In Zukunft werde der "Public-Private-Mix" bei einer insgesamt weiter wachsenden Gesundheitssparte auch in Deutschland deshalb immer wichtiger. Es gelte die Telemedizin nun energisch einzusetzen und beim Datenschutz sorgfältig aber auch pragmatisch zu handeln. In diesem Sinne seien mehr internationale Vergleichsstudien notwendig um Best Practices angemessen studieren zu können. Der Patient bleibe wichtig, doch gelte es in Zukunft stärker die "Arzt-Patient-Interaktion" als wichtigeren Parameter einer erfolgreichen Gesundheitstelematik zu begreifen.


Gesundheitsökonom Prof. Volker Amelung

Das Symposium, das von einer Feierlichkeit zum 20jährigen Jubiläum der SHL Telemedicin, einem Vortrag des ehemaligen israelischen Botschafters in Deutschland, Avi Primor, zur politischen Lage Israels sowie einem Besuch der Hebräischen Universität in Jerusalem umrahmt wurde, diente zur Vorbereitung des "3. Internationalen C·A·P Telemedizin Forum", dass in Kürze am Centrum für angewandte Politikforschung (C·A·P) stattfinden wird.



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