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Sicherheit in Ostasien

Workshop mit Prof. Dr. Shinichi Kitaoka von der Universität Tokio

17.03.2008 · C·A·P


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Debatten zum Thema Ostasien drehen sich oftmals um China mit seinen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen. Der C·A·P-Workshop "Security Issues in East Asia" mit Prof. Dr. Shinichi Kitaoka, Professor an der Rechtsfakultät der Universität Tokio, hatte es sich zum Ziel gesetzt, eine andere Perspektive einzunehmen und Japan in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Die Veranstaltung war ein Kooperationsprojekt zwischen dem Japan Center der Ludwig-Maximilians-Universität München unter der Leitung von Prof. Dr. Franz Waldenberger und dem C·A·P unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Weidenfeld und wurde vom japanischen Außenministerium unterstützt.


Jürgen Turek (C·A·P), Prof. Dr. Franz Waldenberger (Japan Center), Prof. Dr. Shinichi Kitaoka (University of Tokyo), Prof. Dr. Werner Weidenfeld (C·A·P)

Prof. Kitaoka gewährte in seinem Vortrag zum Thema Sicherheitskooperation in Ostasien einen umfassenden Einblick in die politische Situation der Region. Dabei wies er darauf hin, dass Nordkorea seine Nuklearpläne trotz des Durchbruchs bei den Sechs-Mächte-Gesprächen im letzten Herbst weiterhin verfolgen werde und damit ein kritischer Faktor auf der sicherheitspolitische Landkarte bleibe. Die Möglichkeiten Japans, den Konflikt zu entschärfen, seien allerdings begrenzt. Angesichts dessen plädierte Prof. Kitaoka für eine Ausweitung der konventionellen militärischen Kapazitäten Japans, um einen Angriff Nordkoreas zu verhindern. Dies könne zudem Japans Rolle in der Region stärken.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags war die Beziehung Japans zu China. Für Japan stelle sich die Frage, wie es mit dem erstarkenden Nachbar umgehen soll, der die Region vor allem aufgrund des steigenden Wohlstandgefälles in der chinesischen Gesellschaft destabilisieren könne. Prof. Kitaoka plädierte vor diesem Hintergrund für ein starkes, vertrauensbildendes Engagement Japans in China. Er wies auf bereits bestehende Austauschforen hin und betonte, dass die Unterschiede zwischen den Ländern sehr viel geringer seien, als sie von den Medien dargstellt würden. Mögliche Kooperationsprojekte ergeben sich nach Meinung von Kitaoka im wirtschaftlichen und umweltpolitischen Bereich. Beispielsweise verfüge Japan über eine recht effektive Energienutzung, sodass es seine Expertise an China mit seinem enorm steigenden Energiebedarf weitergeben könne. Zudem seien sowohl Japan als auch China mit Blick auf ihre drastisch alternden Gesellschaften mit gleichen Herausforderungen konfrontiert, sodass es auch hier Möglichkeiten der Kooperation gebe. Des Weiteren biete sich im Kampf gegen die Piraterie im südchinesischen Meer die Möglichkeit zur Zusammenarbeit. Nicht zuletzt könne das gegenseitige Vertrauen im sicherheitspolitischen Bereich gestärkt werden, indem beide Länder gemeinsame Peace-Keeping-Missionen durchführen. Zusammenfassend hielt Prof. Kitaoka fest, dass Japan bereits in einigen vertrauensbildenden Projekten sowohl mit Nordkorea als auch mit China engagiert sei, auch wenn noch viele Herausforderungen bestünden.


Prof. Dr. Shinichi Kitaoka (University of Tokyo)

Den Vortrag von Prof. Kitaoka kommentierte Dr. Axel Berkofsky, Analyst am European Policy Center und Dozent an der University of Milano. Berkofsky hob hervor, dass eine Ausweitung der offensiven militärischen Kapazitäten in Japan immer noch ein Tabu-Thema sei. Er teilte jedoch die Meinung von Prof. Kitaoka, wonach dies die Rolle Japans in der Region stärken könne. Gleichzeitig vertrat er eine optimistischere Haltung hinsichtlich des Einlenkens Nordkoreas zur vollständigen Offenlegung seines Atomprogramms. Thomas Bauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter des C·A·P, beleuchtete in seinem Kommentar vor allem die Rolle der EU. Die Union könne hauptsächlich durch wirtschaftliche Verflechtung auf die Region einwirken. Aber auch der Aufbau von institutionellen Kontakten zur Shanghai Cooperation Organisation seitens der EU könne aus seiner Sicht durch die damit verbundene Stärkung multilateraler Konsultations- und Kommunikationsstrukturen zwischen dem europäischen und dem asiatischen Raum für mehr Stabilität in der Region sorgen. In der anschließenden Diskussion wurde auch auf die wichtige Rolle Indiens hingewiesen und eine verstärkte Kooperation Japans sowohl mit Indien als auch mit den Ländern der Europäischen Union gefordert.


Viktoria Heindorf (Japan Center), Prof. Dr. Klaus Vollmer (Japan Center), Jürgen Turek (C·A·P)


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