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Werteregulierte Marktwirtschaft und Bürgerdemokratie

C·A·P-Forschungskolloquium mit Dr. Peter Grassmann

30.01.2008 · C·A·P


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Wie können Politik, Wirtschaft und Gesellschaft für mehr Nachhaltigkeit in ihrem Handeln sorgen? Dieser Frage ging der Manager und promovierte Physiker Dr. Peter Grassmann in seinem Vortrag im Rahmen des Forschungskolloquiums des Centrums für angewandte Politikforschung (C·A·P) am 29. Januar 2008 nach.


Dr. Peter Grassmann und Jürgen Turek, Geschäftsführer des C·A·P

Dr. Grassmann beleuchtete in seinem Referat, das auf dem von ihm verfassten Buch "Plateau 3 – Zukunft vererben" beruht, den Zustand der Gesellschaft und der sozialen Marktwirtschaft. Er plädierte vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen als Vorstandsmitglied der Siemens AG und Vorstandsvorsitzender der Carl Zeiss AG eindringlich für einen wertebasierten Paradigmenwechsel, um Nachhaltigkeit im System sicherzustellen. Der Schutz von Werten, den die soziale Marktwirtschaft gewähre, reiche nicht aus, um zu Innovationen und Entscheidungen zu kommen, die jenseits von Profitstreben, Egoismus und schnellen Ergebnissen liegen. Besonders gut lasse sich das Systemversagen mit Blick auf den Umgang mit dem Klimawandel verdeutlichen. Hier hätten es Wirtschaft und Politik wider besseren Wissens über Jahrzehnte versäumt, geeignete Lösung für eine nachhaltige Klimapolitik zu entwickeln. Ursache dafür sei, dass Werte und Werteschutz kurzfristig Geld kosteten und somit zugunsten von Profitinteressen vernachlässigt würden. Die soziale Marktwirtschaft müsse somit eine neue Stufe erreichen, eben das "Plateau 3".

Den Schlüssel zu neuen Lösungen sieht Dr. Grassmann in einem zweidimensionalen Vorgehen: zum einen fordert er mehr Einbeziehung und Mitsprache der Bürger über den Ausbau direkt-demokratischer Elemente. Ausgehend von sozialpsychologischen Erkenntnissen machte er deutlich, dass Partizipation und Teilhabe die Motivation und den Einsatz jedes Einzelnen deutlich steigere. Am Beispiel der Schweiz zeigte er zudem, dass mittels direktdemokratischer Elemente nachhaltige Entscheidungen getroffen werden könnten und schlägt ein ähnliches Vorgehen auch für Deutschland und Europa vor.

Zum anderen plädiert Dr. Grassmann für die Einrichtung von Wirtschaftsverbänden, welche Werte und innerwirtschaftlich koordinierte Regelungen vereinbaren und kontrollieren. Um nachhaltig funktionieren zu können, sei ein Zukunfts- und Ethikrat als Repräsentanz der Zivilgesellschaft nötig. Dieser habe die Aufgabe, objektive Informationen zu beschaffen und in den Dialog mit der Gesellschaft treten, um eine fundierte Urteilsbildung zu ermöglichen.

Dr. Grassmann betonte in seinem Resümee die Wichtigkeit einer Gesellschaftsform, welche Wertesicherung und Nachhaltigkeit fördere und sich den Problemen und Herausforderungen der Gegenwart stellt. Nur so könne die Zukunft gesichert werden. Ziel seines Buches sei es, eine öffentliche Diskussion anzustoßen und zum Nachdenken anzuregen. Das ist ihm im Rahmen des C·A·P Forschungskolloquiums auf spannende Weise gelungen.

Das Buch "Plateau 3: Zukunft vererben" ist 2007 im Murmann Verlag, Hamburg erschienen.


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